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Sonntag, 23. Februar 2020

Claudia Schmid nach 16 Jahren verabschiedet

Ortsvorsteherin wechselt ins Schramberger Rathaus

Schramberg-Waldmössingen (wit). 16 Jahre, und damit so lange, wie kein anderer Ortsvorsteher in Waldmössingen vor ihr, hat Claudia Schmid die Geschicke des Schramberger Stadtteils geleitet. Nun hat sie auf eigenen Wunsch hin eine neue Aufgabe übernommen. Sie ist nun Leiterin der Volkshochschule, des Theaterrings und der Jugendkunstschule. Am Freitagabend wurde sie in der Kastellhalle verabschiedet.

Wüsste man nicht, dass hier eine Ortsvorsteherin verabschiedet wurde, man hätte glauben können, hier verabschiedet sich eine Bürgermeisterin. Mit feierlichen Reden, Musik und im Anschluss einem Umtrunk samt Imbiss dankten Waldmössingen und die Stadt Schramberg Claudia Schmid für ihr langjähriges Engagement.

Musikalisch eröffnet wurde die Feier vom Akkordeonorchester unter der Leitung von Dieter Witz mit der „Rocking Affair“ von Harald Winkler in einem Arragement von Hans-Günther Kölz.

Für den erkrankten Oberbürgermeister Thomas Herzog war dessen ehrenamtlicher Stellvertreter Martin Himmelheber eingesprungen. Er überbrachte die Grüße und verlas die Rede des Oberbürgermeisters: „Für die Stadt Schramberg als ihr Arbeitgeber und für mich als ihr Chef wechselt sie lediglich den Arbeitsplatz von der Ortsverwaltung Waldmössingen in das Rathaus in der Talstadt. Für Sie, liebe Waldmössinger, jedoch geht Ihre langjährige Ortsvorsteherin. Seit der Eingliederung der Gemeinde Waldmössingen als Stadtteil in die Große Kreisstadt Schramberg im Dezember 1971 hatte bisher kein Ortsvorsteher, keine Ortsvorsteherin vor ihr so lange die Zügel der Verwaltung in der Hand gehalten.“ Und weiter: „Ihre Arbeit verdient in jeglicher Hinsicht Respekt. Sie können auf eine interessante, erfolgreiche und vor allen Dingen auch engagierte Amtszeit zurückblicken. Eine Amtszeit in der vieles in Waldmössingen bewegt, auf den Weg gebracht und umgesetzt wurde. Eine Amtszeit in der Sie, wie bereits Ihre Vorgängerin Ute Vogel, bewiesen haben, dass auch Frauen in solchen Ämtern „ihren Mann stehen“ können.“

In der Rede macht er deutlich, dass die Aufgabe als Ortsvorsteher nicht immer ganz einfach ist: „Die Person (hat) immer das Problem zwei Hüte für nur einen Kopf auf haben zu müssen. Dies sind der Hut, unter dem die Interessen der Ortschaft zu vertreten sind und zum anderen, den sie als Mitarbeiter/Mitarbeiterin der Stadt aufsetzen sollte. Der Spannungsbogen eventuell gegensätzlicher Interessen zwischen Ortschaft einerseits und Gesamtstadt andererseits, kann manches Mal Loyalitätskonflikte in beide Richtungen mit sich bringen. Ihnen, liebe Frau Schmid ist es gelungen, bei Wahrung der Interessen der Bürgerinnen und Bürger in Waldmössingen, auch die Erfordernisse der „Einheitsgemeinde“ zu berücksichtigen.“

Der stellvertretende Ortsvorsteher Michael Schneider

Michael Schneider, ehrenamtlicher Stellvertreter der Ortsvorsteherin, der nun bis zur Bestellung eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin verstärkt gefordert ist, dankte im Namen des Ortschaftsrats und der Einwohner Waldmössingens. „Wo Deine Talente und die Bedürfnisse der Welt sich kreuzen, dort liegt Deine Berufung“, zitierte er Aristoteles. Schneider erinnerte an die zahlreichen Projekte und Aufgaben, die Claudia Schmid während ihrer Amtszeit bewältigte. „Bereits im ersten Amtsjahr stellte sich die Frage nach neuem Wohnraum. Immer wieder waren Bebauungspläne ein Thema“, erinnerte Michael Schneider. Auch die Friedhofserweiterung, der Erhalt des Schlachthauses und die spätere Diskussion um die Schlachthausgebühren sowie der Erlebnisbauernhof fielen in die Amtszeit von Claudia Schmid, blickte Schneider zurück.

Noch in ihrer Amtszeit seien auch weitere Projekte begonnen worden, wie das Pflegeheim, die stationäre Geschwindigkeitsmessung und der Bebauungsplan Kehlenstraße.
Scherzhaft merkte Schneider an: „ Ich erkenne hier gewisse Parallelen zu unserer Bundeskanzlerin, Sie sind zwar schon zwei Jahre länger im Amt, aber manche Jugendlichen wissen schon gar nicht mehr das dies ein Wahlamt ist sondern glauben an Monarchie !?!“ Um dann als Mitglied des Ortschaftsrats zu würdigen: „Bei thematischen Ausläufern, bei hitzigen Debatten, bei Träumereien, bei Wortbeiträgen aus einem anderen Film oder gar bei Sprachlosigkeit haben Sie uns immer wieder zum Thema und auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt.“

Das Akkordeonorchester

Nach einem weiteren musikalischen Beitrag des Akkordeonorchesters: „Sinfonischer Tanz Nr.!“ von Antonin Dvorak in einer Bearbeitung von Adolf Götz bedankten sich die Vereine, vertreten durch den Vorsitzenden des Vereinsrings Waldmössingen, German Notheis, bei Claudia Schmid. Regelmäßig sei sie bei den Vereinen zu Gast gewesen und habe einen engen und guten Kontakt gepflegt.

Nun übernahm der Musikverein „Eintracht“ Walmössingen unter der Leitung von Dirigent Robert Stuhlberg die musikalische Umrahmung mit dem Stück „Pro Ventrure“ von Fritz Neukomm.

Der Musikverein Waldmössingen

Erkennbar gerührt zeigte sich die bisherige Ortsvorsteherin Claudia Schmid in ihrer Dankesrede: „Ich muss gestehen, mir ist ganz flau im Magen.“ Dabei bedankte sie sich für „diese wunderbare Veranstaltung“. „Als ich im Mai 2003 meine Stelle als Ortsvorsteherin von Waldmössingen angetreten habe, wusste ich noch nicht genau, was auf mich zukommen würde“, blickte Claudia Schmid zurück. Sowohl ihr Mann, als auch die Eltern und die Schwiegermutter waren immer bereit, die Kinder zu betreuen, was ihr die Aufgabe als Ortsvorsteherin ermöglichte.

 

Mit Blick auf die zurückliegenden 16 Jahre sagte sie: „Es war eine sehr vielseitige und interessante Tätigkeit mit allen Facetten, die dieses Amt bietet. Ich durfte dabei viele, auch persönlich bereichernde, Erfahrungen sammeln. Dabei habe ich am meisten den direkten Kontakt zu den Bürgern in Waldmössingen genossen. Die meist unterschätzten Geburtstagsbesuche bei den Jubilaren werden mir mit am positivsten in Erinnerung bleiben.“ Und weiter: „Was ich hier im Lauf der Jahre von den Menschen in Walmdössingen zurückbekam, erfüllt mich nach wie vor mit einer tiefen Dankbarkeit.“ Mit Blick auf die Veranstaltungen der Vereine, machte Claudia Schmid deutlich, dass es für sie immer ein Privileg gewesen sei, zu diesen Veranstaltungen eingeladen zu werden. Auch die Waldmössinger Fasnet werde ihr aktiv in Erinnerung bleiben. Ein besonderer Dank galt auch ihrem Team: „Ich durfte in einem engagierten Team aus Kolleginnen der Verwaltung und Kollegen des Bauhofs mitarbeiten.“

Und weiter: „Aber auch die beste Verwaltung kann alleine nicht erfolgreich sein. Eine lebendige Gemeinde benötigt engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich für ein Gemeinwesen einbringen wollen.“ Ihr Dank galt auch dem Gemeinderat und den Kolleginnen und Kollegen der gesamten Stadtverwaltung.

Dann war noch einmal der Musikverein „Harmonie“ Waldmössingen mit „Schöne Zeit von Mario Bürki an der Reihe, bevor sich auch die ehemaligen Mitarbeiterinnen bei Claudia Schmid bedankten. Nach einem weiteren Stück des Musikvereins war der offizielle Teil zu Ende.

Im Anschluss nutzen die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, darunter die Ortschaftsräte, Vereinsvertreter, der frühere Oberbürgermeister Herbert Zinell und Vertreter aller Gemeinderatsfraktionen bei einem Umtrunk die Gelegenheit zum Gespräch.

Wie versprochen, hat OB-Stellvertreter Martin Himmelheber gleich am Samstagvormittag den Blumengruß der Stadt bei Claudia Schmid vorbeigebracht. Bei der feierlichen Verabschiedung war der bereits besorgte Strauß bei Martin Himmelheber zuhause stehen geblieben. Foto: red

 

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