Claudia Schmid mit ihrer Familie bei der Verabschiedung. Fotos: wit

Schram­berg-Wald­mös­sin­gen (wit). 16 Jah­re, und damit so lan­ge, wie kein ande­rer Orts­vor­ste­her in Wald­mös­sin­gen vor ihr, hat Clau­dia Schmid die Geschi­cke des Schram­ber­ger Stadt­teils gelei­tet. Nun hat sie auf eige­nen Wunsch hin eine neue Auf­ga­be über­nom­men. Sie ist nun Lei­te­rin der Volks­hoch­schu­le, des Thea­ter­rings und der Jugend­kunst­schu­le. Am Frei­tag­abend wur­de sie in der Kas­tell­hal­le ver­ab­schie­det.

Wüss­te man nicht, dass hier eine Orts­vor­ste­he­rin ver­ab­schie­det wur­de, man hät­te glau­ben kön­nen, hier ver­ab­schie­det sich eine Bür­ger­meis­te­rin. Mit fei­er­li­chen Reden, Musik und im Anschluss einem Umtrunk samt Imbiss dank­ten Wald­mös­sin­gen und die Stadt Schram­berg Clau­dia Schmid für ihr lang­jäh­ri­ges Enga­ge­ment.

Musi­ka­lisch eröff­net wur­de die Fei­er vom Akkor­de­on­or­ches­ter unter der Lei­tung von Die­ter Witz mit der „Rocking Affair“ von Harald Wink­ler in einem Arra­ge­ment von Hans-Gün­ther Kölz.

Für den erkrank­ten Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog war des­sen ehren­amt­li­cher Stell­ver­tre­ter Mar­tin Him­mel­he­ber ein­ge­sprun­gen. Er über­brach­te die Grü­ße und ver­las die Rede des Ober­bür­ger­meis­ters: „Für die Stadt Schram­berg als ihr Arbeit­ge­ber und für mich als ihr Chef wech­selt sie ledig­lich den Arbeits­platz von der Orts­ver­wal­tung Wald­mös­sin­gen in das Rat­haus in der Tal­stadt. Für Sie, lie­be Wald­mös­sin­ger, jedoch geht Ihre lang­jäh­ri­ge Orts­vor­ste­he­rin. Seit der Ein­glie­de­rung der Gemein­de Wald­mös­sin­gen als Stadt­teil in die Gro­ße Kreis­stadt Schram­berg im Dezem­ber 1971 hat­te bis­her kein Orts­vor­ste­her, kei­ne Orts­vor­ste­he­rin vor ihr so lan­ge die Zügel der Ver­wal­tung in der Hand gehal­ten.“ Und wei­ter: „Ihre Arbeit ver­dient in jeg­li­cher Hin­sicht Respekt. Sie kön­nen auf eine inter­es­san­te, erfolg­rei­che und vor allen Din­gen auch enga­gier­te Amts­zeit zurück­bli­cken. Eine Amts­zeit in der vie­les in Wald­mös­sin­gen bewegt, auf den Weg gebracht und umge­setzt wur­de. Eine Amts­zeit in der Sie, wie bereits Ihre Vor­gän­ge­rin Ute Vogel, bewie­sen haben, dass auch Frau­en in sol­chen Ämtern „ihren Mann ste­hen“ kön­nen.“

In der Rede macht er deut­lich, dass die Auf­ga­be als Orts­vor­ste­her nicht immer ganz ein­fach ist: „Die Per­son (hat) immer das Pro­blem zwei Hüte für nur einen Kopf auf haben zu müs­sen. Dies sind der Hut, unter dem die Inter­es­sen der Ort­schaft zu ver­tre­ten sind und zum ande­ren, den sie als Mitarbeiter/Mitarbeiterin der Stadt auf­set­zen soll­te. Der Span­nungs­bo­gen even­tu­ell gegen­sätz­li­cher Inter­es­sen zwi­schen Ort­schaft einer­seits und Gesamt­stadt ande­rer­seits, kann man­ches Mal Loya­li­täts­kon­flik­te in bei­de Rich­tun­gen mit sich brin­gen. Ihnen, lie­be Frau Schmid ist es gelun­gen, bei Wah­rung der Inter­es­sen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in Wald­mös­sin­gen, auch die Erfor­der­nis­se der „Ein­heits­ge­mein­de“ zu berück­sich­ti­gen.“

Der stell­ver­tre­ten­de Orts­vor­ste­her Micha­el Schnei­der

Micha­el Schnei­der, ehren­amt­li­cher Stell­ver­tre­ter der Orts­vor­ste­he­rin, der nun bis zur Bestel­lung eines Nach­fol­gers oder einer Nach­fol­ge­rin ver­stärkt gefor­dert ist, dank­te im Namen des Ort­schafts­rats und der Ein­woh­ner Wald­mös­sin­gens. „Wo Dei­ne Talen­te und die Bedürf­nis­se der Welt sich kreu­zen, dort liegt Dei­ne Beru­fung“, zitier­te er Aris­to­te­les. Schnei­der erin­ner­te an die zahl­rei­chen Pro­jek­te und Auf­ga­ben, die Clau­dia Schmid wäh­rend ihrer Amts­zeit bewäl­tig­te. „Bereits im ers­ten Amts­jahr stell­te sich die Fra­ge nach neu­em Wohn­raum. Immer wie­der waren Bebau­ungs­plä­ne ein The­ma“, erin­ner­te Micha­el Schnei­der. Auch die Fried­hofs­er­wei­te­rung, der Erhalt des Schlacht­hau­ses und die spä­te­re Dis­kus­si­on um die Schlacht­haus­ge­büh­ren sowie der Erleb­nis­bau­ern­hof fie­len in die Amts­zeit von Clau­dia Schmid, blick­te Schnei­der zurück.

Noch in ihrer Amts­zeit sei­en auch wei­te­re Pro­jek­te begon­nen wor­den, wie das Pfle­ge­heim, die sta­tio­nä­re Geschwin­dig­keits­mes­sung und der Bebau­ungs­plan Keh­len­stra­ße.
Scherz­haft merk­te Schnei­der an: „ Ich erken­ne hier gewis­se Par­al­le­len zu unse­rer Bun­des­kanz­le­rin, Sie sind zwar schon zwei Jah­re län­ger im Amt, aber man­che Jugend­li­chen wis­sen schon gar nicht mehr das dies ein Wahl­amt ist son­dern glau­ben an Mon­ar­chie !?!“ Um dann als Mit­glied des Ort­schafts­rats zu wür­di­gen: „Bei the­ma­ti­schen Aus­läu­fern, bei hit­zi­gen Debat­ten, bei Träu­me­rei­en, bei Wort­bei­trä­gen aus einem ande­ren Film oder gar bei Sprach­lo­sig­keit haben Sie uns immer wie­der zum The­ma und auf den Boden der Tat­sa­chen zurück­ge­führt.“

Das Akkor­de­on­or­ches­ter

Nach einem wei­te­ren musi­ka­li­schen Bei­trag des Akkor­de­on­or­ches­ters: „Sin­fo­ni­scher Tanz Nr.!“ von Anto­nin Dvor­ak in einer Bear­bei­tung von Adolf Götz bedank­ten sich die Ver­ei­ne, ver­tre­ten durch den Vor­sit­zen­den des Ver­eins­rings Wald­mös­sin­gen, Ger­man Not­heis, bei Clau­dia Schmid. Regel­mä­ßig sei sie bei den Ver­ei­nen zu Gast gewe­sen und habe einen engen und guten Kon­takt gepflegt.

Nun über­nahm der Musik­ver­ein „Ein­tracht“ Walm­ös­sin­gen unter der Lei­tung von Diri­gent Robert Stuhl­berg die musi­ka­li­sche Umrah­mung mit dem Stück „Pro Ven­tru­re“ von Fritz Neu­komm.

Der Musik­ver­ein Wald­mös­sin­gen

Erkenn­bar gerührt zeig­te sich die bis­he­ri­ge Orts­vor­ste­he­rin Clau­dia Schmid in ihrer Dan­kes­re­de: „Ich muss geste­hen, mir ist ganz flau im Magen.“ Dabei bedank­te sie sich für „die­se wun­der­ba­re Ver­an­stal­tung“. „Als ich im Mai 2003 mei­ne Stel­le als Orts­vor­ste­he­rin von Wald­mös­sin­gen ange­tre­ten habe, wuss­te ich noch nicht genau, was auf mich zukom­men wür­de“, blick­te Clau­dia Schmid zurück. Sowohl ihr Mann, als auch die Eltern und die Schwie­ger­mut­ter waren immer bereit, die Kin­der zu betreu­en, was ihr die Auf­ga­be als Orts­vor­ste­he­rin ermög­lich­te.

 

Mit Blick auf die zurück­lie­gen­den 16 Jah­re sag­te sie: „Es war eine sehr viel­sei­ti­ge und inter­es­san­te Tätig­keit mit allen Facet­ten, die die­ses Amt bie­tet. Ich durf­te dabei vie­le, auch per­sön­lich berei­chern­de, Erfah­run­gen sam­meln. Dabei habe ich am meis­ten den direk­ten Kon­takt zu den Bür­gern in Wald­mös­sin­gen genos­sen. Die meist unter­schätz­ten Geburts­tags­be­su­che bei den Jubi­la­ren wer­den mir mit am posi­tivs­ten in Erin­ne­rung blei­ben.“ Und wei­ter: „Was ich hier im Lauf der Jah­re von den Men­schen in Walm­dös­sin­gen zurück­be­kam, erfüllt mich nach wie vor mit einer tie­fen Dank­bar­keit.“ Mit Blick auf die Ver­an­stal­tun­gen der Ver­ei­ne, mach­te Clau­dia Schmid deut­lich, dass es für sie immer ein Pri­vi­leg gewe­sen sei, zu die­sen Ver­an­stal­tun­gen ein­ge­la­den zu wer­den. Auch die Wald­mös­sin­ger Fas­net wer­de ihr aktiv in Erin­ne­rung blei­ben. Ein beson­de­rer Dank galt auch ihrem Team: „Ich durf­te in einem enga­gier­ten Team aus Kol­le­gin­nen der Ver­wal­tung und Kol­le­gen des Bau­hofs mit­ar­bei­ten.“

Und wei­ter: „Aber auch die bes­te Ver­wal­tung kann allei­ne nicht erfolg­reich sein. Eine leben­di­ge Gemein­de benö­tigt enga­gier­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die sich für ein Gemein­we­sen ein­brin­gen wol­len.“ Ihr Dank galt auch dem Gemein­de­rat und den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen der gesam­ten Stadt­ver­wal­tung.

Dann war noch ein­mal der Musik­ver­ein „Har­mo­nie“ Wald­mös­sin­gen mit „Schö­ne Zeit von Mario Bür­ki an der Rei­he, bevor sich auch die ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen bei Clau­dia Schmid bedank­ten. Nach einem wei­te­ren Stück des Musik­ver­eins war der offi­zi­el­le Teil zu Ende.

Im Anschluss nut­zen die zahl­rei­chen Besu­che­rin­nen und Besu­cher, dar­un­ter die Ort­schafts­rä­te, Ver­eins­ver­tre­ter, der frü­he­re Ober­bür­ger­meis­ter Her­bert Zinell und Ver­tre­ter aller Gemein­de­rats­frak­tio­nen bei einem Umtrunk die Gele­gen­heit zum Gespräch.

Wie ver­spro­chen, hat OB-Stell­ver­tre­ter Mar­tin Him­mel­he­ber gleich am Sams­tag­vor­mit­tag den Blu­men­gruß der Stadt bei Clau­dia Schmid vor­bei­ge­bracht. Bei der fei­er­li­chen Ver­ab­schie­dung war der bereits besorg­te Strauß bei Mar­tin Him­mel­he­ber zuhau­se ste­hen geblie­ben. Foto: red