Start Schram­berg Wal­ter Mom­per in Schram­berg

Walter Momper in Schramberg

Vor­trag zu 30 Jah­re Mau­er­fall

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SCHRAMBERG – Nach­denk­lich, wit­zig, selbst­kri­tisch – so berich­te­te der ehe­ma­li­ge Regie­ren­de Bür­ger­meis­ter von Ber­lin Wal­ter Mom­per über den Fall der Mau­er vor 30 Jah­ren. In der Men­sa des schram­ber­ger Gym­na­si­ums waren am Don­ners­tag­abend etwa 200 Besu­cher gekom­men, um den „Mann mit dem roten Schal“ live zu erle­ben.

Ein­ge­la­den hat­te der Kreis­ver­band der SPD zusam­men mit der Volks­hoch­schu­le und dem Stadt­ar­chiv Schram­berg. Hier eini­ge Bil­der:

Nach­denk­lich, wit­zig, selbst­kri­tisch – so berich­te­te der ehe­ma­li­ge Regie­ren­de Bür­ger­meis­ter von Ber­lin Wal­ter Mom­per über den Fall der Mau­er vor 30 Jah­ren. In der Men­sa des schram­ber­ger Gym­na­si­ums waren am Don­ners­tag­abend  etwa 200 Besu­cher gekom­men, um den „Mann mit dem roten Schal“ live zu erle­ben.

Ein­ge­la­den hat­te der Kreis­ver­band der SPD zusam­men mit der Volks­hoch­schu­le und dem Stadt­ar­chiv Schram­berg.

Der SPD-Kreis­­vor­­­sit­zen­­de Mir­ko Wit­kow­ski, damals  gera­de fer­tig mit der Schu­le, erin­nert sich, wie „tief bewegt“ sie damals alle gewe­sen sei­en Er sei im Jahr zuvor noch mit der Schu­le in die dama­li­ge DDR gereist und heu­te froh, die­se Erfah­rung noch gemacht zu haben.

Im Namen der Stadt hieß Ober­bür­ger­meis­te­rin doro­thee Eisenlohr die Gäs­te will­kom­men. Sie sei als sie­ben­jäh­ri­ges Mäd­chen natür­lich nicht so unmit­tel­bar betei­ligt gewe­sen: „Ich erin­ne­re mich aber an die Bil­der mit den Schlan­gen von Men­schen vor den Läden.“ Auch an die Dis­kus­sio­nen in der (schwä­bi­schen) Fami­lie über die 100 Mark Begrü­ßungs­geld…

Wal­ter Mom­per nahm gleich „die immer wie­der gestell­te Fra­ge“ vor­ne­weg: Wo haben Sie Ihren roten Schal?“  Das sei  selt­sam, alle sprä­chen ihn immer wie­der dar­auf an: „Ich brau­che kei­nen Per­so­nal­aus­weis, nur den Schal.“

Der Vorlauf

Er erin­ne­re sich an die Zeit 1989 „als ob es ges­tern war“. Und so erzähl­te er locker über sei­ne eige­ne Ein­schät­zung zur Wie­der­ver­ei­ni­gung („ich habe nicht damit gerech­net“), die Grenz­öff­nung der Ungarn im Som­mer 89 („die DDR ist kein Gefäng­nis mehr“) oder die gro­ße Mon­tags­de­mons­tra­ti­on in Leip­zig („das war der eigent­li­che revo­lu­tio­nä­re Moment“).

Er erzähl­te, dass nach der Abset­zung Erich Hon­eckers die bei­den neu­en Spit­zen­kräf­te der SED Egon Krenz und Gün­ther Scha­bow­ski ihm bei einem Tref­fen in Ost­ber­lin Ende Okto­ber davon berich­tet hat­ten, dass es Rei­se­frei­heit geben sol­le. Man habe ver­ab­re­det, dass Krenz ihn recht­zei­tig vor­ab infor­mie­ren wer­de.  

Dar­auf­hin hät­ten der Senat Vor­be­rei­tun­gen für den Tag X getrof­fen. Die Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­be soll­ten mehr U‑Bahn-Fahr­­ten pla­nen. Über­all in der Stadt bei Ban­ken, Spar­kas­sen, bei der Post aber auch in allen Dienst­stel­len der Stadt soll­ten die DDR Besu­cher ihre 100-Mark-Begrü­ßungs­­geld holen kön­nen. Offi­zi­ell rech­ne­te man mit 300.000 Besu­chern, inof­fi­zi­ell mit einer hal­ben Mil­li­on. Gekom­men sind dann bekannt­lich mehr als eine Mil­li­on Men­schen.

Chaos bei der SED

Mom­per erzähl­te auch von der chao­ti­schen SED-Polit­bü­ro-Kon­­fe­­renz, bei der die Rei­se­frei­heit beschlos­sen wor­den war. Krenz habe Scha­bow­ski einen  – d e n berühm­ten – Zet­tel zuge­steckt. Das sol­le er doch bei der Pres­se­kon­fe­renz bit­te mit bekannt geben. Scha­bow­ski hat­te dann ver­ges­sen, den Zet­tel vor­her zu lesen. Als ihn ein ita­lie­ni­scher Repor­ter nach gut zwei Stun­den Pres­se­kon­fe­renz nach der Rei­se­frei­heit frag­te, kam die berühm­te Such­sze­ne.

Mom­per selbst hat­te an die­sem 9. Novem­ber einen ganz nor­ma­len Arbeits­tag: Besuch in einer Grund­schu­le. Dort erfuhr er von der Polit­bü­ro­sit­zung und dass die Rei­se­frei­heit dort dis­ku­tiert wor­den war. Er infor­mier­te die BVG – und ver­gaß den Innen­se­na­tor wegen mehr Poli­zei­be­am­ten zu instru­ie­ren. Abends sei er bei der Ver­lei­hung des „Gol­de­nen Lenk­rads“ beim Sprin­ger-Ver­­lag gewe­sen. Sein Fah­rer hat­te ein C‑Netz-Tele­­fon im Auto. „Der kam rein und sag­te, ich sol­le sofort in die Senats­kanz­lei kom­men.“ Ein Fern­schrei­ben war ein­ge­gan­gen, wonach Scha­bow­ski die neue Rei­se­re­ge­lung ver­kün­det habe: „Unver­züg­lich, sofort.“

Fort­set­zung folgt…

 

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