NRWZ.de, 6. Mai 2021, Autor/Quelle: NRWZ-Redaktion Schramberg

Weiterleben der Schachenbronnhöfe

Folge 3 der „Geschichtsspuren“ des Tennenbronner Heimathauses / von Alfred Kunz

Nachdem in den letzten beiden Folgen der „Geschichtsspuren“ die Geschichte des Oberlebauernhofes und des Jungbauernhofes dargestellt wurde, wird nun abschließend über die Situation des dritten großen Hofes des Schachenbronn den Hansmichelhof und über den Wiederaufbau der beiden abgegangenen Höfe an einem neuen Standort berichtet.

Beim Hansmichelhof auf dem Schachenbronn, liegen die Dinge ein wenig anders. Der Hof – im Hornberger Lagerbuch „Trostengut“ genannt – war seit seinen Anfängen im Besitz der beiden Tennenbronner Familien Schuler und Müller. Namensgeber des Hofs ist Hansmichel Müller, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts dreißig Jahre lang das Schicksal des Hofs gelenkt hat.

Hansmichels Enkel Johann Georg Müller, hat ein weiteres Kapitel der langen Hofgeschichte geschrieben. Er war verheiratet mit Christina Langenbacher, einer Tochter des Stabswirts Andreas Langenbacher. Bauer und Bäuerin stammten somit aus uralten Tennenbronner Familien. Nachdem Johann Georgs erste Frau im Alter von 39 Jahren gestorben war, fand er in Anna Dorothea Obergfell, Tochter des Wirts auf der Sommerau, eine Ersatzmutter für seine drei Kinder und eine tüchtige zweite Ehefrau.

Bürgermeisterwahl

Zweifellos zählte, wie die anderen Schachenbronn-Bauern, auch Johann Georg Müller aufgrund seines Herkommens und seines Vermögenstandes zu den angesehenen Persönlichkeiten im Dorf. Bei der Bürgermeisterwahl im Jahr 1865 wählten ihn die Tennenbronner als Nachfolger von Georg Heinzmann. Vielleicht schien auch ihm der Weg zum Rathaus im Dörfle vom Schachenbronn aus zu weit und zu umständlich.

Denn als die Schwester seiner Frau, Anna Maria Obergfell, Schützenwirtin an der Bruck, nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1866 die Wirtschaft im Tal unweit des Dörfle aufgeben wollte, nützte der bisherige Bauer des Hansmichelhofes die Gelegenheit und verkaufte, wie vor ihm sein Hofnachbar Georg Heinzmann, den Hof im Schachenbronn und kaufte den Tennenbronner Gasthof „Schützen“.

Einsamkeit

So kam es, dass Christian Weisser, wenige Jahre nach seinem Umzug vom Oberlehof in den Jungbauernhof oben auf dem Schachenbronn ohne Hofnachbarn, umgeben von verkauftem Land, sich mit seiner Familie isoliert und alleingelassen fühlte. Das – so berichtet Sohn Hansjörg – war der Grund, warum auch er seinen Hof ebenfalls im November 1871 an die Evangelische Stiftungsverwaltung verkaufte.

Nach dem Brand des Petersgut 1870 am Rupertsberg wurde das Gebäude vom Oberlehof abgetragen
in St. Georgen wieder aufgebaut.

Während der Hansmichelhof bis 2008 im Besitz der Evangelischen Stiftungsverwaltung verblieb und viele Jahre als Forsthaus und ab 1994 vom Diakonischen Werk für Tagungen und Freizeiten genutzt wurde, wurden die Gebäude des Jungbauernhof und des Oberlehofes von der Evangelische Stiftungsverwaltung bald nach dem Erwerb weiterverkauft, abgebrochen und an anderer Stelle neu aufgebaut (siehe Bildtexte).

 

Nach dem Brand des Petersgut (später Urbanshof) 1870 am Rupertsberg wurde das Gebäude vom Oberlehof abgetragen und an der Brandstätte wieder aufgebaut. Anscheinend war damals das Baumaterial teurer als der Stundenlohn. Schon 1940 wird dieser schön hergerichtete Hof von der Stadt St. Georgen aufgekauft und 1962 das Hofgebäude abgerissen und das Gelände zur Besiedlung freigegeben.

Urbanshof in St. Georgen.

 

 

Weiterleben der Schachenbronnhöfe