„Wir sind das Volk?“

Asli Kücük von der „Landeszentrale für politische Bildung“ informierte über rechtspopulistische Strategien

Referentin Asli Kücük vom Team meX bei der gemeinsamen Veranstaltung von Pax Christi und des SPD-Ortsvereins Schramberg.Foto: him

SCHRAMBERG  (him) – Im Rah­men der öku­me­ni­schen Frie­dens­de­ka­de hat am Mon­tag­abend die Poli­tik- und Islam­wis­sen­schaft­le­rin Asli Kücük dar­über berich­tet, woher rechts­ex­tre­me Ein­stel­lun­gen kom­men und wie man dage­gen argu­men­ta­tiv ange­hen kann.

Peter Schi­mak vom Mit­ver­an­stal­ter Pax Chris­ti erläu­ter­te das Mot­to der dies­jäh­ri­gen Frie­dens­de­ka­de „Streit“: Es neh­me zwei Berei­che in den Fokus. Das Strei­ten für Ab- statt Auf­rüs­tung und gegen die zuneh­men­de Mili­ta­ri­sie­rung. „Es geht beim The­ma Streit aber auch um das Ein­tre­ten für eine zivi­le Streit­kul­tur“, so Schi­mak. Gegen Hass und Frem­den­feind­lich­keit. Wie soll man mit den rech­ten Ten­den­zen welt­weit, in Euro­pa und bei uns umge­hen?

Rechte Ansichten in der Mitte der Gesellschaft

Asli Kücük vom Team meX  der Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung ging zunächst der Fra­ge nach, woher die rech­ten Paro­len stamm­ten. Ein­stel­lun­gen, die ins rech­te Lager wei­sen wie Aus­län­der­hass, Homo­pho­bie, Anti­se­mi­tis­mus, Sexis­mus, Islam­feind­lich­keit oder das Her­un­ter­schau­en auf Lang­zeit­ar­beits­lo­se fän­den sich nicht nur am rech­ten Rand, son­dern in der Mit­te der Gesell­schaft. Das Ein­tre­ten für „Eta­blier­ten­vor­rech­te“ fin­de sich nicht nur in der ange­stamm­ten Bevöl­ke­rung, son­dern auch unter Migran­ten: „Als wir damals gekom­men sind, haben wir es nicht so leicht gehabt….“

Gurt besuch­te Ver­an­stal­tung im Mari­en­heim. Foto: him

Kücük schil­der­te die Metho­den, mit denen ver­schie­de­ne rechts­ra­di­ka­le Grup­pen für sich wer­ben. Die „Iden­ti­tä­ren” bei­spiels­wei­se bie­ten Kin­der­nach­mit­ta­ge und Haus­auf­ga­ben­be­treu­ung, um an Kin­der und Jugend­li­che her­an­zu­kom­men. Die rech­ten Funk­tio­nä­re, selbst oft aus bes­ser gestell­ten Krei­sen, nutz­ten Emo­tio­nen und das Gefühl des Abge­häng­tseins bei ihren Zuhö­rern, um „vom Leder zu zie­hen“.

Mit Video­ein­spie­lern und zahl­rei­chen Bei­spie­len ver­deut­lich­te Kücük die Metho­den rechts­po­pu­lis­ti­scher Agi­ta­to­ren. Im Gespräch mit den Teil­neh­mern ent­wi­ckel­te sie Stra­te­gi­en, wie man den Paro­len ent­ge­gen tre­ten kann.

Klare Sprache ist angesagt

Bei Pegi­da-Demons­tra­tio­nen bei­spiels­wei­se herrsch­ten Wut und Aggres­sio­nen, deren Ursa­chen ganz wo anders lägen. Die Demons­tran­ten sei­en stink­sauer und frus­triert und such­ten Sün­den­bö­cke. Bei sol­chen Men­schen gel­te es, deren Emp­fin­dun­gen zu erken­nen und sich in ihre Lebens­welt ein­zu­füh­len. Die Paro­len sei­en da neben­säch­lich.

Wich­tig sei, so Kücük, in Gesprä­chen kla­re Posi­tio­nen zu zie­hen. Man sol­le auch mal sagen: „Stopp, so rede ich mit Ihnen nicht wei­ter.“ Es sei wich­tig, nicht auf der glei­chen – aggres­si­ven – Ebe­ne zu dis­ku­tie­ren. Eine ande­re Mög­lich­keit sei, sei­nem Gegen­über zu erwi­dern: „Ich sehe das anders.“ Ihn auf­zu­for­dern, sich zu erklä­ren: „Wie kom­men sie dar­auf?“ oder zu fra­gen: “Ken­nen Sie jeman­den, dem es so geht?“

Wider­spruch bei sol­chen Gesprä­chen brin­ge das Gegen­über viel­leicht nicht von sei­ner Mei­nung ab. Es habe aber für einen selbst den Vor­teil, hin­ter­her nicht das Gefühl zu haben: „Hät­te ich doch was gesagt….“