Wirtshausname „Zum Mohren“ noch älter

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Als David Kuhner im Oktober seine Recherchen zum  Gasthaus Mohren hier veröffentlicht hat, gab es heftige Reaktionen im Internet. Obwohl sich der Geschichtsstudent lediglich mit der Geschichte des Namens befasst hat, warfen ihm etliche Leute vor, er wolle das Wirtshauschild entfernt haben – wovon im Artikel allerdings keine Rede war. Vielmehr hatte er herausgefunden, dass der Name wohl von der dritten Ehefrau des Wirts Sebastian Maurer herrührte, eine geborene Felizitas von Mohr. In seinem ersten Artikel hatte Kuhner berichtet, dass wahrscheinlich die Kinder von Felizitas zu Ehren ihrer Mutter das Haus in „zum Mohren“ umbenannten. Nun hat er noch tiefer in den Archiven gegraben und weitere Urkunden gefunden:

Weitere Recherchen zur Geschichte des ehemaligen Schramberger Gasthauses und Hotels „zum Mohren“ ergaben, dass die Wirtschaft bereits in einem Contractenprotokolleintrag (Verkaufseintrag) der Herrschaft Schramberg vom 14. April 1784 als „Wirths Haus zum Mohren“ genannt ist. Dort wird es zwar nur erwähnt, weil es an das zu verkaufende Haus/Grundstück angrenzte, doch stellt diese Nennung die bisher älteste „Mohren“-Nennung“ in Schramberg dar.

Schramberg den 14.04.1784 Transkription: Mit obrigkeitlichem Gutheisen wird hirmit bey der auf heute nachmittag ausgeschriebenen zweten Feilbietung des Johann Heitschmanische halbe Haus hinter dem wirths Haus zum Mohren, samt allem was der Nagel hält, […] Bild: Stadtarchiv
Damit steht fest, dass das Gasthaus noch zu Lebzeiten des Wirtes Sebastian Maurer (1718-1785) den Namen „zum Mohren“ trug, der auf seine dritte Ehefrau Felizitas von Mohr (ca. 1732-1800) zurückgehen dürfte (wir berichteten ).

Gasthaus „zu den 3 Mohren“ und „zur Kanten“

Interessant ist weiterhin, dass Sebastian Kölbel in einem weiteren Eintrag vom 2. Januar 1787 das Gasthaus für 1900 fl. an Jakob Kern verkaufte. Hierbei lautete der Name aber Gasthaus zu den drei  Mohren, was eine Abwandlung des früheren und später wieder üblichen Gasthausnamens darstellt.

Schramberg den 2ten Jäner 1787 Transkription: Auf obrigkeitliche Ratification verkauft Sebastian Kölbel sein bisher eigenthümlich inngehabte Wirtschaft zu den 3 Mohren an Jakob Kern für und um 1900 fl und 11 fl Trinkgeld. […] Bild: Stadtarchiv
Doch wie hieß das Gasthaus ursprünglich? In noch älteren Contractenprotokolleinträgen lautete der Wirtshausname „zur Kanten“, möglicherweise wegen seines Standortes zwischen „hinterer“ und „vorderer Gaß“. Am 30. Oktober 1779 wird es unter diesem Namen an den Säger Ferdinand Herzog aus Lauterbach, den Bäcker Josef Moosmann aus Sulgen, Benedikt Storz und Andreas Maurer versteigert, weil der vorherige Besitzer Kristian Duffner „überhäufte“ Schulden machte.

Durch diese neuen Erkenntnisse bleibt fraglich, ob mit der Bezeichnung „Wirt zum weißen Pferd“ für Sebastian Maurer auf einem Datenblatt des Genealogen Alfons Haigis wirklich das Gasthaus „Mohren“ gemeint ist, wenn es doch 1779/80 das Gasthaus „zur Kanten“ war.

Transkription Zur Kanten: Schramberg den 30. Oktober 1779 Es ist das Wirtshaus zur Kanten durch die wegen überhäuften Schulden des daselbst gewesenem Eigenthümers Kristian Dufners obrigkeitlich vorgenommene Versteigerung den 4 Meistbiethenden benannt: Ferdinand Herzog Säger im Lauterbach, Josef Moosmann Bäcker ab dem Sulgen, Benedikt Storz von hier und Andreas Maurer um 830 fl nebst 10 fl zum Verzehren überlassen worden, […] (Bildquelle Stadtarchiv)
Nicht auszuschließen wäre die Annahme, dass Sebastian Maurer das Gasthaus bereits vor seiner dritten Eheschließung am 28. April 1771 besaß und es unter dem Namen „zum weißen Pferd“ führte und es zu Beginn der 1770er Jahre in das Gasthaus „zum Mohren“ umwandelte.

Dieser Name hatte sich bei einem Besitzwechsel nicht halten können und kam erst nach dem Zwischenspiel des Gasthausnamens „zur Kanten“ wieder zurück, jedoch noch in ungefestigter Form wie der Eintrag von 1787 verdeutlicht.

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2 Kommentare

  1. „sie hörent nit uf zesaufen, sie sehent dan der kanten den boden.“
    Maaler, Josua (gen. Pictorius) *1529 †1599, aus Villingen/Schwarzwald

  2. „Zur Kanten“ erscheint mir als ein recht unüblicher Name für eine Wirtschaft. Möglicherweise wurde auch hier ‚geschrieben wie ausgesprochen‘. „Zur Kanten“ hieße dann: „zur Kanne“, was deutlich vertrauter klingt. (Das Wort ‚Spritzkanne‘ wird landläufig ja ‚Schpritzkanta‘ ausgesprochen). Ist aber alles nur ’ne Mutmassung.

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