Ein Cello-Quartett unter der Leitung von Andreas Roßmy und ein Saxophon-Quartett, das unter der Leitung von Sabrina Michelfeit, sind mit dem Trumpf-Laser-Förderpreis ausgezeichnet worden. Unser Foto zeigt sie zusammen mit Kurt Mann (links) und dem Musikschulvorsitzenden Thomas Herzog (rechts). Foto: pm

Schramberg. Im Rahmen einer Soiree fand am Sonntagabend im Johann-Baptist-Braun-Saal der Musikschule die alljährliche Verleihung des Trumpf-Laser-Förderpreises statt. Diese Auszeichnung, die an jeweils zwei Ensemble der Musikschule vergeben wird, honoriert mehrere Facetten der künstlerischen Nachwuchsarbeit, wie Dr Kurt Mann bei der Übergabe der Preise ausführte. Hierüber informiert die Musikschule in einer Pressemitteilung.

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Zum einen sei er zunächst Belohnung für die überdurchschnittliche musikalische Qualität, die die jungen Künstler bereits erreicht haben, und er solle zum weiteren Beschreiten dieses Weges animieren. Außerdem stelle der Preis einen Dank an die Eltern dar, die ihren Kindern das erst ermöglichten, eine Anerkennung für die herausragende Arbeit der verantwortlichen Lehrkräfte und eine Bestätigung für die Musikschule Schramberg, die die Rahmenbedingungen für derartige Erfolge schaffe.

Nominiert waren in diesem Jahr ein Cello-Quartett unter der Leitung von Andreas Roßmy und ein Saxophon-Quartett, das unter der Leitung von Sabrina Michelfeit musiziert.

Die beiden Ensemble waren die Protagonisten des abendlichen Konzerts und überzeugten mit durchweg hochkarätigen Vorträgen.

Den ersten Programmteil gestalteten die Celli in der Besetzung Sophia Aust, Nela Jaksic, Emma Wolber und Benedikt Schäfer. Zeitgenössische Kompositionen bildeten hier den Schwerpunkt und schufen den Raum, das Cello etwas abseits vom gewohnt-klassischen im seinem gesamten klanglichen Spektrum zu präsentieren. Die jungen Instrumentalisten spielten sowohl inspiriert und leidenschaftlich, als auch beherrscht und mit ausgereifter Technik. Zu Beginn erklang „Ba-Rock“ von Joschi Schumann, der in seinem Stück ein Motiv von J.S.Bach verwendet, es aus einem feinen Unisono herausführt, mit rhythmisch ostinaten Figuren unterlegt, die sich zu einer temperamentvollen Polyrhythmik steigern. Pizzicato – und Col legno-Techniken trugen diesen Abschnitt, bevor ein elegisches, choralartiges Finale erklang.

Aus der Feder des finnischen Cellisten Eicca Toppinen stammte das zweite Stück: „Path“. Zarte harmonische Schichtungen entwickelten sich über dem Bass zu einem weich strahlenden Dur-Akkord. Die einsetzende rhythmische Begleitung mit Anleihen aus der Cajun-Musik und des Bordun-Bass-Spiels ließ dem darüber erklingenden Solocello (Benedikt Schäfer) große Entfaltungsmöglichkeiten, die sich in einer mitreißend vorgetragenen Melodie mit Elementen aus Funk und Rock niederschlugen.

Ganz anders begann der dritte Beitrag, eine Komposition des Leiters des Ensembles, Andreas Roßmy. Emma Wolber legte ihr Cello aus der Hand, um den Gesangspart zu übernehmen. In „The Scent of Cinnamon“ (Der Duft von Zimt) geht es um die Erinnerung an eine erste zarte Liebe, um Schwermut, aber auch um glückliche Träume. So begann das Stück mit schwermütigen bluesartigen Flächen voller Melancholie, die die ausdrucksstarke Stimme von Emma Wolber perfekt unterstützten. Sanfte Arpeggien schufen Stimmungen, rhythmische Passagen unterstrichen Höhepunkte, selbst ein fast höhnisches Lachen erklang im Cello. Das tief empfundene Zwischenspiel ließ an Improvisation denken, der Abschluss dann war wie ein Aufschrei, der nach oben hin verklingt, perfekt in Szene gesetzt mittels der speziellen Spieltechnik Sul ponticello. Die vier Musiker verschmolzen zu einer musikalischen und emotionalen Einheit, das Publikum war einmal mehr hingerissen und dankte es mit frenetischem Applaus.

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Den Abschluss des ersten Programmteils bildete Eduard Pütz’ „Tango Passionato“. Im typischen Stil des Tango Nuevo erlebten die Zuhörer nochmals Leidenschaft und Spielfreude.

Nun betrat das Saxophon-Quartett die Bühne. Yannick Herzog (Sopran/Alt), Tim Kaltenbacher (Alt), Till Bleile (Tenor) und Jeanloup Pineau (Bariton) spielen in dieser Besetzung erst seit diesem Jahr zusammen, was man ihnen nicht im geringsten anmerkte.

Sie begannen ebenfalls mit eher ungewohnten Klängen für Saxophon, dem „Hornpipe“ aus Der Wassermusik von G.F. Händel. Der barocke Meister wurde stilsicher vorgetragen: perfekte Phrasierung und typische Agogik bildeten das Fundament für den spannenden Dialog aus homogenem Tutti und wunderbar leicht dargebotenen Koloraturen in Sopran und Alt.

Mit den „Alten ungarischen Tänzen“ von Ferenc Farkas begaben sich die jungen Herren ein weiteres Mal auf eher ungewohntes Terrain: obwohl er ein Komponist des 20. Jh ist, präsentiert Farkas seine Suite in der typischen Tonsprache der Renaissance. Einem kraftvollen Beginn folgte ein schön vorgetragenes Wechselspiel von Alt und Sopran, das vom virtuosen Bariton als Basspart getragen wurde. Der zweite Satz eröffnete mit einem wunderbaren Sopran-Solo. Der tolle Sound Yannick Herzogs wurde vom restlichen Ensemble aufgenommen und zu einem butterweichen Gesamtklang geformt, bevor der dritte Satz und das Finale wieder schwungvoll und mitreißend erklangen und jeder einzelne der vier seine enorme Virtuosität mehr als ausreichend unter Beweis stellen konnte.

Mit der äußerst anspruchsvollen Komposition „Insula Dulcamara“ von Hirokazu Fukushima begab sich das Ensemble danach in den Bereich der zeitgenössischen Musik. Die moderne Tonsprache und die Komplexität des Werkes verlangte den jungen Instrumentalisten ihr gesamtes Können ab. Sich verstärkende rhythmische Phrasen wurden überlagert vom feinen Spiel des Soprans, dann folgte geradezu wild-entschlossenes Tutti, dessen Funk-artiger Übergang in ein fast lyrisches Gespräch mündete, das zunächst vom Sopran eröffnet wurde, an dem aber nach und nach alle Stimmen teil hatten und einem dichten Kulminationspunkt zustrebten. Der Schlussteil wurde vom solistischen Bariton eröffnet, fein strukturierte Rhythmen steigerten sich zu einem kraftvollen Finale, das immer wieder mit Frulati, Growl-Effekten, „dirty sounds“ und impro-artigen Solostellen garniert war und in einem fulminanten Unisono endete.

Jetzt stand mit „Yakety Sax“ ein Saxophon-Klassiker auf dem Programm, an dem die vier jungen Herren sicht- und hörbar Spaß hatten. Sie swingten gekonnt im coolen Off-Beat, jeder war hier Solist – und das Publikum begeistert.

Mit „November Swing“ des Kölner Saxophonisten André Cimmiotti erreichte der Vortrag einen weiteren Höhepunkt. Das gesamte Ensemble groovte fantastisch, immer wieder gab es tolle melodische Teile, aus denen Solist Tim Kaltenbacher mit großartigem Saxophon-Spiel geradezu ausbrach, er trug seinen Part auswendig vor, improvisierte, nutzte die klanglichen Möglichkeiten seines Instrumentes komplett aus und schlug die Zuhörer in seinen Bann. Immer wieder perfekt unterstützt und in Szene gesetzt von seinen Mitstreitern ließ er es richtig „krachen“. Der geradezu explosionsartig einsetzende Beifall dankte es den Jungs adäquat – sie kommen nicht ohne eine Zugabe von der Bühne, bei der das Thema der Wilhelm-Tell-Ouvertüre geschickt und mit Augenzwinkern von zahlreichen Folksongs und klassischen Zitaten unterbrochen wurde, was auf die Gesichter des Publikums noch einmal so manches Lächeln zauberte.

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Der anschließenden Übergabe der Preise an die jungen Künstler durch Dr. Kurt Mann von der Firma Trumpf-Laser und den Vorsitzenden Thomas Herzog wurde in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal auf diese Art ein würdiger und extrem unterhaltsamer Rahmen geboten.

Dr. Mann bedankte sich herzlich bei den jungen Musikern und zitierte den Philosophen Seneca, der bereits mahnte, dass uns nicht zu wenig Zeit zur Verfügung stehe, sondern wir sie einfach nur besser nutzen müssten, und bestätigte den Preisträgern, dass diese ihre Zeit wohl bestens genutzt hätten.