Ärger statt Amore

Wenn das Glück zerbricht: Auch in Sachen Liebe gibt es Schwindler.
Wenn das Glück zerbricht: Auch in Sachen Liebe gibt es Schwindler.

Lie­be auf den ers­ten Klick – Mil­lio­nen von Sin­gles haben die Suche nach ihrem Traum­part­ner ins Inter­net ver­legt. Doch dort lau­ern Gefah­ren. Und vor allem: Schwind­ler.

Nie war Ken­nen­ler­nen so ein­fach wie in der digi­ta­li­sier­ten Welt. Und nie war es so ein­fach, dabei orga­ni­sier­ten Betrü­gern auf den Leim zu gehen: Love oder Romance Scamming heißt die neu­es­te Abzock-Masche im Inter­net, Lie­bes­be­trug. Die Täter legen sich fal­sche Pro­fi­le an und gau­keln ihren Opfern gro­ße Gefüh­le vor. Dann brin­gen sie sie mit Tricks und Lügen dazu, ihnen Geld­be­trä­ge zu über­wei­sen. „Hin­ter den char­man­ten Mails ste­cken mit allen Was­sern gewa­sche­ne Kri­mi­nel­le. Meist han­delt es sich um Pro­fis, die ihre Opfer sys­te­ma­tisch aus­neh­men“, sagt Mar­cus Lentz, Geschäfts­füh­rer einer bun­des­weit täti­gen Detek­tei und erklärt, bei wel­chen Anzei­chen Part­ner­su­chen­de miss­trau­isch wer­den soll­ten.

Die Abzo­cke fängt mit Herz­klop­fen und gro­ßen Hoff­nun­gen an: Eine Ein­la­dung zum Chat, eine roman­ti­sche Mail – die Nach­rich­ten klin­gen viel­ver­spre­chend und machen neu­gie­rig auf mehr. „Romance Scam­mer trei­ben ihr Unwe­sen nicht nur auf Part­ner­bör­sen oder Flirt­por­ta­len, son­dern auch in sozia­len Netz­wer­ken wie Face­book“, erklärt Lentz. „Sie legen sich eine Schei­ni­den­ti­tät zu, fül­len ihr Pro­fi­le mit frei erfun­de­nen Anga­ben und nut­zen Fotos, die sie aus dem Inter­net gestoh­len haben.“

Männ­li­che Scam­mer täu­schen oft Geld und Macht vor und geben sich als Inge­nieu­re, Offi­zie­re oder Geschäfts­män­ner aus. Weib­li­che stel­len sich als ver­letz­lich und sen­si­bel dar und behaup­ten, als Kran­ken­schwes­ter oder Leh­re­rin zu arbei­ten. „Die Täter neh­men sich Zeit für ihren Betrug“, warnt der Chef-Ermitt­ler. „Um sich das Ver­trau­en ihrer Opfer zu erschlei­chen, über­schüt­ten sie die­se mit Auf­merk­sam­keit, mit lan­gen Mails, Anru­fen, Lie­bes­schwü­ren. So ver­fes­ti­gen sie die vir­tu­el­le Bezie­hung und stel­len emo­tio­na­le Abhän­gig­keit her.“

Tau­sen­de ein­sa­me Her­zen in Deutsch­land sind den Abzo­ckern nach Ein­schät­zung von Exper­ten bereits zum Opfer gefal­len. Die Dun­kel­zif­fer dürf­te deut­lich höher lie­gen; die meis­ten Betrof­fe­nen schwei­gen aus Scham. Im Schnitt zah­len sie 5000 Euro, ehe sie die per­fi­de Täu­schung durch­schau­en. „Die Täter sind orga­ni­sier­te Ver­bre­cher, die meist von Afri­ka oder Ost­eu­ro­pa aus agie­ren“, weiß Lentz aus sei­ner Ermitt­lungs­er­fah­rung. „Oft gehö­ren sie zur Nige­ria-Con­nec­tion, einem Sam­mel­be­cken für kri­mi­nel­le Ban­den in Nige­ria.“

Aber davon ahnen ihre Opfer nichts. Bei den Abzo­ckern han­delt es sich um Pro­fis, die ihr Mög­lichs­tes tun, um ande­re mit ihren aus­ge­klü­gel­ten Lügen­ge­schich­ten zu mani­pu­lie­ren. „Trotz­dem gibt es Hin­wei­se, die Sin­gles beim Online-Flirt stut­zig machen soll­ten“, sagt Lentz. „Wer ihre Tricks kennt, kann sich eine extrem bit­te­re Ent­täu­schung erspa­ren.“

Die Romance Scam­mer spre­chen oft gut Eng­lisch und stel­len sich als US-Ame­ri­ka­ner oder inter­na­tio­nal täti­ge Geschäfts­leu­te im eng­lisch­spra­chi­gen Aus­land vor. „Bei Nut­zern, die angeb­lich in den USA oder Groß­bri­tan­ni­en leben, ist erhöh­te Vor­sicht ange­bracht“, rät Lentz. „Natür­lich gibt es auch Aus­län­der, die im Netz ehr­lich auf der Suche nach der gro­ßen Lie­be sind. Nur muss ich mich im Zwei­fel schon fra­gen: Wie ist die­ser blen­dend aus­se­hen­de New Yor­ker Fonds­ma­na­ger gera­de auf mei­nem Pro­fil gelan­det?“

In vie­len Fäl­len drän­gen die Scam­mer ihre Opfer dazu, das Flirt­por­tal oder die Online-Dating­bör­se schnell zu ver­las­sen und lie­ber über E-Mail, Mes­sen­ger oder Tele­fon wei­ter zu kom­mu­ni­zie­ren. Der Grund für die Eile liegt auf der Hand: Fast alle Online-Platt­for­men prü­fen die Anga­ben ihrer Nut­zer, um betrü­ge­ri­sche Pro­fi­le aus­fin­dig machen und sper­ren zu kön­nen. „Zwar möch­ten die meis­ten Frisch­ver­lieb­ten ein­an­der eher auf per­sön­li­chem Wege schrei­ben“, erklärt der Geschäfts­füh­rer der Detek­tei. „Doch wenn der Flirt­part­ner schon nach ein paar Nach­rich­ten gro­ßen Druck macht, kann dies auf einen Romance Scam hin­deu­ten.“

Wenn Wochen ver­ge­hen, ohne dass es zu einem Tref­fen gekom­men ist, soll­ten Part­ner­su­chen­de lie­ber auf Abstand gehen. Die Scam­mer ver­su­chen, ihre Opfer hin­zu­hal­ten und fin­den immer neue Aus­flüch­te, um den oder die Aus­er­wähl­te mit blu­mi­gen Ver­spre­chen bei der Stan­ge zu hal­ten. „Wer sich ver­liebt hat, will den ande­ren mög­lichst bald auch in der rea­len Welt ken­nen­ler­nen, statt stän­dig nur zu chat­ten oder zu tele­fo­nie­ren“, meint Lentz. „Hat es nach etwa einem Monat noch immer nicht mit einem Ren­dez­vous geklappt, stimmt etwas nicht.“
Wie bei einem Date in der wirk­li­chen Welt soll­ten sich Sin­gles auch im Inter­net auf ihre Instink­te ver­las­sen. „Die Erfah­rung zeigt, dass Betrugs­op­fer zwar schnell ein schlech­tes Bauch­ge­fühl haben, sich aber trotz­dem immer wie­der von dem Scam­mer um den klei­nen Fin­ger wickeln las­sen“, sagt der Ermitt­ler.

Natür­lich haben fin­di­ge Betrü­ger für alles eine Erklä­rung parat. War­um ist es nicht mög­lich, mit Web­cam zu chat­ten? War­um las­sen sich nir­gends im Inter­net Infor­ma­tio­nen über den angeb­lich so erfolg­rei­chen Unter­neh­mer fin­den? Wenn eine Sache faul riecht, ist sie in der Regel auch faul. Wer Zwei­fel hat, soll­te sie daher unbe­dingt ernst neh­men – und sich nicht mehr von über­schwäng­li­chen Lie­bes­er­klä­run­gen beschwich­ti­gen las­sen.

Frü­her oder spä­ter geht es bei den Scam­mern immer ums Geld. Um an die Erspar­nis­se ihrer Opfer zu kom­men, erzäh­len sie dra­ma­ti­sche Geschich­ten, die meist dem glei­chen Sche­ma ent­spre­chen: In der Regel stel­len sie, lan­ge Zeit nach dem Ken­nen­ler­nen, end­lich einen Besuch in Aus­sicht. Zuerst aber müs­sen sie noch eine Geschäfts­rei­se hin­ter sich brin­gen.

Unter­wegs pas­siert es dann: Ein Raub­über­fall, eine irr­tüm­li­che Ver­haf­tung, eine schwe­re Ver­let­zung. Natür­lich wird der Scam­mer sein Opfer ein­dring­lich bit­ten, ihm aus sei­ner Mise­re zu hel­fen – mit einem höhe­ren Geld­be­trag. „Falls das Opfer dar­auf her­ein­fällt und Geld schickt, wird es wei­te­re Not­la­gen und Zah­lungs­auf­for­de­run­gen geben“, erklärt Lentz. „Grund­sätz­lich gilt: Wenn der oder die Gelieb­te nach Geld fragt, soll­ten alle Alarm­glo­cken klin­geln. Die rich­ti­ge Reak­ti­on ist, den Kon­takt sofort abzu­bre­chen – und kei­nes­falls etwas zu bezah­len.“