Gefährlich: 2020 wird Zecken-Rekordjahr

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98 Prozent der an FSME-Erkrankten in Deutschland waren 2019 nicht oder unzureichend geimpft. Die Impfquote bei Kindern (vier bis fünf Jahre) lag 2017 in Baden-Württemberg nur bei 20,9 Prozent und 2018 bei 21,5 Prozent, wird beim Gesundheitsamt mit der Hoffnung auf eine steigende Impfbereitschaft betont. Das meldet das Gesundheitsamt Rottweil.

Die mediterranen Verhältnisse der letzten Sommer bieten ein Eldorado für Zecken. Dies führt dazu, dass sich Zecken so stark vermehren wie noch nie, warnt das Gesundheitsamt in seiner Mitteilung und spricht von einem Zecken-Rekordjahr für 2020. Damit beruft sich die Behörde auf das nationale Konsiliarlabors für FSME. Die  FSME-Fallzahlen 2018 und 2019 seien im Landkreis Rottweil rückläufig. Dies könnte auf die vergleichsweise hohe Impfquote bei den Vorschulkindern zurückzuführen sein.    

Der Landkreis Rottweil gehört – bezogen auf die Einwohnerzahl –  zu den am meisten betroffenen Kreisen in Baden-Württemberg. Nach dem Höchststand 2017 mit 13 Infektionen ist die Anzahl der Krankheitsfälle mit zehn und vier Fällen (2018 und 2019) rückläufig. Daten der Einschulungsuntersuchung 2018/2019 zeigen, dass ca. die Hälfte der untersuchten Kinder im Landkreis vollständig geimpft sind. Trotz der steigenden Impfbereitschaft bei Kindern richtet sich die Impfempfehlung an alle Einwohner im Land, die sich im Freien aufhalten und Gefahr laufen, dort von Zecken befallen zu werden – Das verdeutlichen auch die vergleichsweise hohen Meldezahlen in Baden-Württemberg. Es muss befürchtet werden, dass dieses Jahr die niedrigen Fallzahlen der letzten Jahre nicht gehalten werden können, da im Mai 2020 dem Gesundheitsamt bereits zwei Fälle mit schweren Verläufen gemeldet (64 Jahre und 71 Jahre alt) wurden.

Die meisten FSME-Meldungen kommen nach wie vor aus Bayern und Baden-Württemberg, allerdings breitet sich die Krankheit in Deutschland flächenmäßig immer weiter aus.

Die gute Nachricht ist, dass man sich gegen FSME durch eine Impfung effektiv schützen kann. Das Gesundheitsamt Rottweil empfiehlt, sich rechtzeitig vor Beginn der Zeckensaison impfen zu lassen, denn schon bei milderen Temperaturen verlassen die Zecken ihre Winterquartiere und begeben sich auf die Jagd nach ihren Opfern. Wer noch keinen Impfschutz hat oder eine Auffrischungsimpfung benötigt, sollte nicht zögern und sich baldmöglichst impfen lassen. Die Impfkosten werden von allen Kassen übernommen, weil ganz Baden-Württemberg Risikogebiet für FSME ist.

Kurzinformationen zu Zecken und FSME

Als Blutsauger gehören Zecken nicht nur zu den weniger possierlichen Tierchen, sie können auch Krankheiten wie FSME und Borreliose übertragen. Die FSME wird durch Viren hervorgerufen und tritt nicht nur im Frühsommer, sondern auch im Hochsommer, Herbst und sehr selten in milden Wintern auf. Besonders gefürchtet sind bei der FSME-Erkrankung neben einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis), die Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) und Rückenmarks (Myelitis). In schweren Fällen kommt es zu neurologischen Folgeschäden und selten auch zu tödlichen Verläufen. Eine ebenfalls durch Zecken übertragene Erkrankung ist die Borreliose, die durch Bakterien hervorgerufen wird und in ganz Deutschland gleichmäßig verteilt auftritt. Sie kann nicht nur zu Schäden am Nervensystem, sondern auch zu Erkrankungen von Haut, Gelenken und dem Herzen führen. Gegen die Borreliose gibt es keine Impfung, es stehen aber anders als bei der FSME Antibiotika zur Verfügung, die bei rechtzeitigem Einsatz Komplikationen verhindern können.

Zu einem länger bestehenden, vollständigen Impfschutz gegen FSME gehören in der Regel mindestens drei Impfungen (sogenannte Grundimmunisierung). Nach drei Jahren ist die erste Auffrischimpfung fällig, wei­tere Auffrischungsimpfungen werden je nach Altersgruppe und verwendetem Impfstoff in Abständen von 3 bis 5 Jahren empfohlen.

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