Gleitschirm-Weltmeisterschaft: Deutsches Team verpasst Medaillenränge – aber Seedorfer Pilot vorne dabei

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Savoie Mont Blanc / Frankreich (DHV). Die deutsche Gleitschirm-Nationalmannschaft bleibt ihrem Pech treu: Wieder einmal sorgt ein missglückter Durchgang für das Ende aller Medaillenhoffnung, obwohl das Team mit einer furiosen Aufholjagd glänzte. Philipp Haag aus Seedorf, Baden-Württemberg landete am Ende als bester deutscher Pilot auf Rang sechs, gefolgt von seinem Landsmann Ernesto Hinestroza aus Garmisch-Partenkirchen, Bayern. Julia Jauß aus München, Bayern flog bei den Damen auf Platz zehn.

Tegernsee – Im französischen Chamoux-sur-Gelon fand vom 20. Mai bis 02. August die 18. FAI Gleitschirm Weltmeisterschaft statt. 149 Piloten aus 49 Nationen flogen nach der Eröffnungsfeier und den Trainingsläufen um die Titel in der Team-, Herren- und Damenwertung. Das deutsche Team war mit sechs Piloten/-in am Start, die in der Weltrangliste unter den Top 20 Piloten gelistet sind. Trotz guter internationaler Resultate waren für das deutsche Team die letzten Europa- und Weltmeisterschaften immer wieder von einem unberechenbaren Durchgang begleitet, der alle Medaillenhoffnung zunichtemachte. „Unser Sport hängt von vielen Faktoren ab, die manchmal sehr schwer einzuschätzen sind, wie Wetterbedingungen, technische Probleme oder individuelle Leistungen unserer Piloten. Diese Faktoren kontrollieren wir meistens sehr gut, allerdings haben wir die letzten Jahre jeweils einen Ausreißer bei den großen Wettbewerben, der uns immer wieder die Medaillenplätze kostete. Aber es ist wichtig, die Anstrengungen und den Einsatz des Teams anzuerkennen, selbst wenn das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht“, erklärt Teamchef Harry Buntz.

Schock am ersten Tag

Nach der Analyse der letzten Europa- und Weltmeisterschaften war das Team bestens vorbereitet nach Frankreich gereist. Vor allem an der Kommunikation innerhalb des Teams wurde gefeilt, um bei wichtigen Passagen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Umso ernüchternder war daher der Auftakt, den Martin Petz aus Berghof, Bayern schilderte: „Unser Team lag beim ersten Durchgang kurz vor dem Ziel extrem gut im Rennen. Wir schnappten uns zusammen die vorletzte Wende, drehte um, in der Hoffnung, die kleine Ridge wieder zurückzufliegen, die mittlerweile im Schatten lag. Doch leider änderten sich die Bedingungen und mit viel Sinken ging es für uns alle frühzeitig zu Boden. Die nachfolgenden Piloten, die etwas mehr Geduld bewiesen und das Fiasko vor sich sahen, wechselten auf die andere Seite der kleinen Bergkette und fanden dort völlig unerwartet noch etwas Steigen, welches der Schlüssel für eine Zielankunft war.“
Am ersten Tag der Weltmeisterschaft erreichten lediglich 21 von 149 Piloten das Ziel. Da keiner der deutschen Piloten das Glück hatte, die Ziellinie zu sehen, startete Team Deutschland in der Nationenwertung weit abgeschlagen auf Platz 22 in die WM.

Furiose Aufholjagd

„Nach dem missglückten Auftakt haben wir uns die deutschen Eishockeyspieler als Vorbild genommen. Bei der WM haben die Jungs die ersten drei Spiele verloren und sind dann doch noch sensationell bis ins Finale gegen Kanada gelangt. Kanada ist im Hockeysport quasi das Pendant zu den Franzosen im Gleitschirmfliegen“ berichtete Buntz. Und das deutsche Team zeigte bei den verbleibenden Läufen eindrücklich, welches Potential in ihm steckt: ein erster Platz, viermal auf Rang zwei sowie einmal Platz drei und zweimal Platz vier machten deutlich, warum Deutschland mit mehr als berechtigten Medaillenhoffnung nach Frankreich gereist war und mit Platz sechs in der Nationenwertung am Ende unter Wert geschlagen wurde.

„Wir lassen uns daher nicht entmutigen und werden weiter hart an unserer Leistung arbeiten. Es gibt noch weitere Gelegenheiten, um bei zukünftigen Wettbewerben erfolgreich zu sein. Erfahrungen und Lehren aus diesem Wettbewerb nutzen wir, um uns zu verbessern und endlichen den einen Durchgang, der uns immer wieder zurückfallen lässt, zu beseitigen“, erklärt Buntz mit Hinblick auf die Europameisterschaft im nächsten Jahr, bei dem das deutsche Team mit einer größeren Mannschaft in Portugal an den Start geht.

Philipp Haag aus Seedorf. Foto: Ewa Korneluk

Deutsche Piloten unter den besten Zehn

Philipp Haag aus Seedorf ist in diesem Jahr in bestechender Form. Bereits beim World Cup Finale Anfang des Jahres im mexikanischen Valle der Bravo sorgte er mit einem zweiten Platz für Aufsehen und auch bei der WM war der 27-jährige Profi ganz vorne dabei: „Wir haben ein paar spannende Tage hinter uns. Leider verlief unser Start nicht sehr gut, weshalb wir die letzten zwei Wochen in der Nationenwertung einiges aufzuholen hatten. Das Team hatte dieses Jahr eine neue Strategie mit mehr Kommunikation in der Luft gewählt, was für uns in den kommenden Jahren viel Potential verspricht. Für mich persönlich lief es sehr gut. Die hohe Leistungsdichte bei der WM bestrafte jeden kleinen Fehler und es war nicht einfach, eine gute Platzierung zu erreichen. Am Ende bin ich daher über meinen 6. Platz sehr glücklich“, erkläre Philipp Haag nach der WM.

Ernesto Hinestroza aus Garmisch-Partenkirchen, Bayern feierte seinen siebten Platz bei der WM ebenfalls ausgiebig. „Dieses Jahr bin ich mit meiner Leistung sehr zufrieden! Beim World Cup Finale habe ich mit Platz fünf das Podium knapp verpasst und auch hier bei der WM hat es am Ende nicht ganz gereicht. Aber Rang sieben bei einer Weltmeisterschaft ist für mich ein voller Erfolg und wir schauen mal, was die nächsten Jahre noch so bringen“, berichtet der gebürtige Venezolaner, der mit seiner Familie in Garmisch-Partenkirchen wohnt.

Und auch die weiteren Resultate der deutschen Piloten lassen die Hoffnung nicht schwinden, bei der nächsten Europameisterschaft endlich mit Edelmetall nach Hause zu fahren. Martin Petz aus Berghof, Bayern landete auf Rang 16, Ferdinand Vogel aus Stuttgart, Baden-Württemberg auf Rang 19 und Daniel Tyrkas aus Brannenburg, Bayern auf Rang 33. Julia Jauß aus München, Baierbrunn / Bayern flog bei den Damen auf Rang 10.

Frankreich räumt bei seinem Heimspiel ab

Genau wie bei der letzten Europameisterschaft in Serbien belagerte das französische Team auch bei seinem Heimspiel die Podiumsplätze. In der Herrenwertung sorgten Maxim Pinot, Honorin Hamard und Pierre Remy für einen vollständigen Medaillensatz für die „Equipe de France“, was zusätzlich auch den Titel in der Teamwertung sicherte. Und bei den Damen konnte lediglich Nanda Walliser aus der Schweiz ein wenig Farbe auf das Podium bringen, welches von Meryl Delferriere und Constanze Mettetal aus Frankreich dominiert wurde.

Neun Wertungsläufe in der Savoie Mont Blanc

Die Haute-Savoie bot eine perfekte, sehr sportliche Arena mit atemberaubenden Landschaften und unzähligen fliegerischen Möglichkeiten. Die Wetterbedingungen erlaubten neun sportliche Durchgänge zwischen 54 und 99 Kilometern, bei denen es tiefes Soaren an den endlosen Rippen, stramme Luv- und Leebärte, zähes Ringen in den Flachlandpassagen und nervenaufreibenden Endanflügen gab.

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