Rathaus Aichhalden
Rathaus Aichhalden. Aerchivbild: him

AICHHALDEN.  Als vor etwa vier Mona­ten Chris­ti­ne Tex Opfer eines Mord­an­schlags in Mom­ba­sa wur­de, herrsch­te in ihrem Hei­mat­ort Röten­berg und weit dar­über hin­aus Ent­set­zen und Trau­er. Die jun­ge Leh­re­rin war mit einem afri­ka­ni­schen Freund in der kenia­ni­schen Hafen­stadt unter­wegs und von Unbe­kann­ten auf offe­ner Stra­ße erschos­sen wor­den. Kum­mer genug für die Fami­lie? Offen­bar nicht. Denn in Deutsch­land, da herr­schen nun ein­mal Regeln und Para­gra­fen.

Bürgermeister Sekinger, Aichhalden
Bür­ger­meis­ter Sekin­ger, Aich­hal­den

Dem Wunsch ihrer Eltern gemäß wur­de Tex unter gro­ßer Anteil­nah­me der Bevöl­ke­rung in Röten­berg bestat­tet. Chris­ti­ne Tex ist in Röten­berg auf­ge­wach­sen, zog aber 2004 zum Stu­di­um nach Köln, wo sie bis zu ihrem Tod als Leh­re­rin arbei­te­te und ihren Wohn­sitz hat­te.

Die Beer­di­gung ihrer Toch­ter hat nun die Eltern Iris und Jakob Tex im Nach­hin­ein empört, denn die Fami­lie soll einen „Aus­wär­ti­gen­zu­schlag“ auf die Bestat­tungs­ge­büh­ren in Höhe von 50 Pro­zent zah­len. In einem Leser­brief an die ört­li­che Tages­zei­tung schrei­ben die bei­den, sie sei­en „bestürzt“ dar­über, auch wenn die Ent­schei­dung recht­lich kor­rekt gewe­sen sei.

Sie fra­gen, „ob es nicht eine Selbst­ver­ständ­lich­keit ist, in einem sol­chen Fall eine Aus­nah­me zu machen, da Chris­ti­nes gan­ze Fami­lie in Röten­berg fest ver­wur­zelt ist.“ Des­halb habe die Fami­lie Wider­spruch gegen den Bescheid ein­ge­legt, den Bür­ger­meis­ter Ekhard Sekin­ger (Bild) ablehn­te.

In einem Absatz die­ser Ableh­nung habe Sekin­ger gar ange­deu­tet, die Fami­lie sol­le dank­bar sein, dass Chris­ti­ne über­haupt in Röten­berg bei­gesetzt wer­den durf­te. Sie hät­ten sich gewünscht, „dass in der heu­ti­gen Zeit nicht nur Regeln und Para­gra­fen, son­dern vor allem die Mensch­lich­keit zäh­len soll­te“, heißt es abschlie­ßend in dem Leser­brief.

Bür­ger­meis­ter Sekin­ger erläu­tert dazu auf Nach­fra­ge der NRWZ, dass auch ihn der tra­gi­sche Tod von Chris­ti­ne Tex geschockt habe. Es sei auch kei­ne Fra­ge gewe­sen, dass die Gemein­de dem Wunsch der Fami­lie nach­kom­me und die jun­ge Frau in Röten­berg bestat­tet wer­de. Die Fried­hofs­sat­zung sehe aber seit sehr lan­ger Zeit schon den Aus­wär­ti­gen­zu­schlag von 50 Pro­zent vor.

Die Gemein­de habe einen hohen Auf­wand bei den Fried­hö­fen und zah­le etwa die Hälf­te der anfal­len­den Kos­ten. „Auch mit dem Aus­wär­ti­gen­zu­schlag errei­chen wir kei­ne Kos­ten­de­ckung“, betont Sekin­ger, der dar­auf hin­weist, dass es um etwa 500 Euro gehe.

Bis zu den Fried­hofs­er­wei­te­run­gen in Aich­hal­den und Röten­berg habe die Gemein­de Platz­pro­ble­me gehabt, die seit­her aber beho­ben sei­en. Die Gemein­de müs­se kei­ne Grä­ber für Aus­wär­ti­ge bereit stel­len, habe dies aber immer getan. Wer zehn Jah­re nicht mehr in der Gemein­de lebe, sei eben ein „typi­scher Fall eines Aus­wär­ti­gen.“ Aus­nah­men gebe es bei Pfle­ge­be­dürf­ti­gen, die in einer Pfle­ge­ein­rich­tung außer­halb der Gemein­de oder bei ihrer aus­wärts leben­den Fami­lie ver­stor­ben sind.

Ansons­ten habe er sich immer an die Fried­hof­sat­zung gehal­ten und den Aus­wär­ti­gen­zu­schlag erho­ben. „Ich kann und will auch jetzt kei­ne Aus­nah­me machen“, so Sekin­ger. Dies sei der Fami­lie auch von sei­nen Stell­ver­tre­tern erläu­tert wor­den, an die sich die Eltern von Chris­ti­ne Tex gewandt hät­ten.