"Devil's Place": Das Clubhaus der Rottweiler Rocker. Ihr Kollege aus Tuttlingen hatte vorübergehend Ärger vor Gericht. Foto: gg

Kom­men Sie als Gäs­te und gehen Sie als Freun­de.” So steht es auf der Home­page der Red Devils Rott­weil, die ihr Club­haus in der Tutt­lin­ger Stra­ße haben. Ähn­lich dach­ten auch die Gesin­nungs­ge­nos­sen in Tutt­lin­gen. Doch dann gab es ein böses Erwa­chen mit einem Gast: Eine jun­ge Frau beschul­dig­te den Prä­si­den­ten, sie ver­ge­wal­tigt zu haben. Vom Gericht wur­de er frei­ge­spro­chen.

Auf der Ankla­ge­bank des Amts­ge­richts Tutt­lin­gen sitzt ein gro­ßer, etwas kor­pu­len­ter Mann, 25 Jah­re alt, Iro­ke­sen­schnitt, , Kapu­zen­pul­li mit der Auf­schrift „Hang Over 11“, von Beruf „Fach­kraft für Küchen­mö­bel-Umzugs­ser­vice“, seit Juli arbeits­los. Prä­si­dent der Red Devils Tutt­lin­gen. Ober­staats­an­wäl­tin Sabi­ne May­län­der wirft ihm vor, eine jun­ge Frau am frü­hen Mor­gen des Fas­nachts­sonn­tags in einem Neben­zim­mer des Club­raums ver­ge­wal­tigt zu haben. Es steht Aus­sa­ge gegen Aus­sa­ge.

Der Ange­klag­te wider­spricht ent­schie­den. Es sei nach einer durch­zech­ten Nacht im Abstand von etwa zwei Stun­den zwei­mal zum unge­schütz­ten, „rela­tiv gro­ben“ Geschlechts­ver­kehr gekom­men – und zwar jeweils „zu 100 Pro­zent“ ein­ver­nehm­lich. Und: Bereits vor etwa zwei Jah­ren habe er mit der jun­gen Frau einen „One-Night-Stand“ gehabt.

Plötz­lich kommt eine Mit­ar­bei­te­rin des Gerichts in den Saal – ein­zi­ge Zuhö­rer sind zwei Poli­zis­ten und ein Red-Devil-Anhän­ger – und berich­tet, vor dem Gebäu­de ste­he die Haupt­zeu­gin, die Angst habe und sich nicht her­ein­traue. Das mut­maß­li­che Opfer erhält Begleit­schutz, wei­gert sich aber in Anwe­sen­heit des Ange­klag­ten aus­zu­sa­gen. Dar­auf beschließt das Gericht des­sen vor­über­ge­hen­den Aus­schluss – gegen den Wil­len sei­nes Ver­tei­di­gers Peter Mess­mer aus Sin­gen.

Die 22-Jäh­ri­ge, die noch Schü­le­rin ist und einen drei­jäh­ri­gen Sohn hat, betritt wei­nend den Gerichts­saal und beru­higt sich wäh­rend ihrer gesam­ten Ver­neh­mung nicht.
Ihre Dar­stel­lung: Als sie am frü­hen Mor­gen auf die Toi­let­te gehen woll­te, habe sie der Ange­klag­te ins Neben­zim­mer gedrängt und dort auf einem Klapp­bett ver­ge­wal­tigt. Ein­zel­hei­ten wis­se sie nicht mehr. „Ich habe ver­sucht, das zu ver­drän­gen, mir gehen tau­send Bil­der durch den Kopf“, sagt sie. Und: „Ich woll­te das nicht, aber er hat immer wei­ter­ge­macht. Mir kam das vor wie tau­send Stun­den.“ Sie berich­tet, dass sie schon frü­her unter Depres­sio­nen gelit­ten und jetzt einen Rück­schlag erlit­ten habe. Und dann betont sie noch wei­nend: „Ich muss stark sein für mei­nen drei­jäh­ri­gen Sohn.“

Zwei jun­ge Män­ner aus Leip­zig, die am frü­hen Mor­gen als Gäs­te noch im Club­raum waren, wider­spre­chen ihrer Ver­si­on. Einer sagt, es habe kei­ner­lei Span­nun­gen gege­ben, im Gegen­teil: „Sie griff nach ihm und nahm ihn mit.“ Sein Kum­pel, der die Frau nach Hau­se fuhr, bestritt ihre Anga­ben, wonach sie ihm auf der Heim­fahrt von der Ver­ge­wal­ti­gung erzählt habe. Sie sei ent­spannt gewe­sen. Und ein Kri­mi­nal­be­am­ter erklärt, es gebe „einen gewis­sen Wider­spruch“ über ihre Dar­stel­lung des zeit­li­chen Ablaufs. Die medi­zi­ni­sche Sach­ver­stän­di­ge erklärt, dass die Unter­su­chun­gen kei­ne nen­nens­wer­ten Spu­ren von Gewalt erbracht haben. Die jun­ge Frau müs­se zum Zeit der angeb­li­chen Tat einen Alko­hol­pe­gel von 1,7 bis 2,4 Pro­mil­le gehabt haben.

Staats­an­wäl­tin May­län­der nimmt ihre Ankla­ge zurück und plä­diert auf Frei­spruch, legt aber Wert auf die Fest­stel­lung: „Sie haben ein biss­chen ein Pro­blem im Ver­hal­ten zu Frau­en.“ Ver­tei­di­ger Mess­mer sagt, die Frau habe in eini­gen Punk­ten nach­weis­lich gelo­gen und in ande­ren über­trie­ben, in gewis­ser Wei­se sei auch Opfer. Mess­mer: „Wir haben hier die Situa­ti­on Kachel­mann, also im Zwei­fel für den Ange­klag­ten.“

Nach kur­zer Bera­tung mit sei­nen bei­den Bei­sit­ze­rin­nen ver­kün­det Rich­ter Tho­mas Straub das Urteil: Frei­spruch. Es gebe „Fra­ge­zei­chen bei der Glaub­wür­dig­keit“. Allein die Aus­sa­gen der jun­gen Frau, so die wei­te­re Begrün­dung, sei­en zu vage, um von einer Ver­ge­wal­ti­gung aus­zu­ge­hen. Wider­legt wer­de sie zudem durch die medi­zi­ni­sche Sach­ver­stän­di­ge und die Zeu­gen.