Nach dem Brand in der Altstadt: spontane Hilfsbereitschaft und schwierige Suche nach Obdach

Dieses Haus in der Altstadt in Rottweil ist vergangenen Freitag ausgebrannt. Den zwischenzeitlich obdachlosen Familien soll nun geholfen werden. Archiv-Foto: rottweil.net
Dieses Haus in der Altstadt in Rottweil ist vergangenen Freitag ausgebrannt. Den zwischenzeitlich obdachlosen Familien soll nun geholfen werden. Archiv-Foto: rottweil.net

Ein Feu­er ver­nich­tet ein Haus. Die Feu­er­wehr kann den Brand bald löschen, aber nicht ver­hin­dern, dass das Haus unbe­wohn­bar wird. Die Bewoh­ner kön­nen sich ins Freie ret­ten, aber sind von die­sem Moment an zunächst obdach­los. Das ist in der Rott­wei­ler Alt­stadt vor weni­gen Tagen gesche­hen. Danach begann eine drei­tä­gi­ge Odys­see. Doch ist mitt­ler­wei­le eine Hilfs­ak­ti­on ange­lau­fen.

Die gute Nach­richt: Eine ört­li­che Initia­ti­ve will sich um die Brand­op­fer küm­mern. Und die Stadt­ver­wal­tung tut ihr bes­tes. Letz­te­res kann nicht viel sein ange­sichts des­sen, dass eigent­lich alle bewohn­ba­ren Woh­nun­gen in städ­ti­scher Hand – also etwa Sozi­al­woh­nun­gen – auch bewohnt sind.

Doch der Rei­he nach.

Das Brandhaus heute. Foto: gg
Das Brand­haus heu­te. Foto: gg

Zwei Fami­li­en aus der Alt­stadt sind ver­gan­ge­nen Frei­tag durch einen Brand obdach­los gewor­den. Der Dach­stuhl brann­te aus, die Feu­er­wehr muss­te das Dach abde­cken, um Glut­nes­ter zu fin­den, nun ist alles vol­ler Lösch­was­ser und muss getrock­net wer­den. Das Zwei­fa­mi­li­en­haus: unbe­wohn­bar.

Eine der bei­den Fami­lie kam bei Nach­barn unter und wohnt dort noch. Die ande­re konn­te zunächst in die Jugend­her­ber­ge. Aller­dings nur bis Mon­tag, dann muss­ten sie dort wie­der raus.

Also war­te­te die sechs­köp­fi­ge Fami­lie zunächst in ihrem Auto, bis nach­mit­tags ein Ter­min mit Jörg Alisch von der Stadt­ver­wal­tung statt­fand. Der Ord­nungs­amts­lei­ter bot dann eine Woh­nung in der Not­un­ter­kunft am Oms­dor­fer Hang an, in der aller­dings vor allem allein­ste­hen­de Män­ner woh­nen, vie­le davon mit einem Alko­hol­pro­blem. Dass das für eine Fami­lie mit Kin­dern nicht ide­al ist, war schnell klar.

Eine Bekann­te, die der Fami­lie zur Sei­te steht, erzählt, danach habe Alisch eine Woh­nung in der Au offe­riert, die aber noch nicht gerich­tet sei, sie ist ver­dreckt, das Schloss kaputt. Außer­dem gebe es dort kei­ne Stüh­le oder Bet­ten. Kei­ne Möbel.

Als ich frag­te, ob er denn wirk­lich die Fami­lie in so einer Woh­nung unter­brin­gen will, war sei­ne Aus­sa­ge:  ‚Ja in sol­chen Fäl­len darf man nicht anspruchs­voll sein‘“,  erzählt die  Frau.

Die Bekann­te schlug dann vor, eine Feri­en­woh­nung zu suchen, was dann auch klapp­te. Die zwei­te Fami­lie wohnt immer noch bei den Nach­barn, eine Woh­nung ist nun aber offen­bar in Sicht, ver­mit­telt hat das der vor weni­gen Wochen neu gegrün­de­te Alt­städ­ter Bür­ger­ver­ein. Er hat in der Brand­sa­che sei­ne ers­te gro­ße Auf­ga­be gefun­den.

Den im Raum ste­hen­den Vor­wurf, nicht aus­rei­chend gehol­fen zu haben, möch­te die Stadt so nicht ste­hen las­sen: „Die Stadt­ver­wal­tung küm­mert sich bei Brand­fäl­len in enger Zusam­men­ar­beit mit den Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen und enga­gier­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­gern stets dar­um, unbü­ro­kra­tisch Lösun­gen zu fin­den. Auch die Erst­ver­sor­gung durch DRK und Feu­er­wehr am Brand­tag ver­lief vor­bild­lich und bei­spiel­haft“, sagt Pres­se­spre­cher Tobi­as Her­mann auf Nach­fra­ge der NRWZ.

Bei­de Fami­li­en”, so Her­mann wei­ter, „waren über das Wochen­en­de hin­weg sofort ver­sorgt: Zum einen sprang dan­kens­wer­ter Wei­se die Jugend­her­ber­ge ein, zum ande­ren erklär­ten sich Bekann­te aus der Nach­bar­schaft dazu bereit, eine der Fami­li­en auf­zu­neh­men.” Das wer­tet Her­mann als „ein lobens­wer­tes Enga­ge­ment, das nicht selbst­ver­ständ­lich ist.” Bereits am Sams­tag mor­gen habe die Ver­wal­tung über die Tou­rist-Infor­ma­ti­on auch schon nach Feri­en­woh­nun­gen und Pen­sio­nen für eine Über­gangs­zeit suchen las­sen.

In einem nächs­ten Schritt habe die Stadt­ver­wal­tung gleich am Mon­tag gemein­sam mit dem Eigen­be­trieb Stadt­bau in Win­des­ei­le zwei Woh­nun­gen akti­viert, die seit län­ge­rer Zeit als Not­un­ter­künf­te bereit gehal­ten wer­den. „Die not­wen­di­gen Arbei­ten wur­den kurz­fris­tig von Elek­tri­kern, Fla­sch­nern und ande­ren aus­ge­führt, um den Wohn­raum bereits am Mon­tag zur Ver­fü­gung zu stel­len“, sagt Her­mann.

 Der städ­ti­sche Pres­se­spre­cher ergänzt: „Es ist rich­tig, dass wir für grö­ße­re Per­so­nen­krei­se kei­ne möblier­te Woh­nung vor­hal­ten.” In den meis­ten Fäl­len sei es bei der Unter­brin­gung von Men­schen, die nach Zwangs­räu­mun­gen ihre Woh­nung ver­las­sen müs­sen und obdach­los wer­den, so, dass Haus­rat vor­han­den ist. „Wir haben”, so Her­mann wei­ter, „aber noch am Mon­tag über die Spit­tel­müh­le und die Akti­on eine Welt dafür gesorgt, dass die not­wen­di­gen Möbel hät­ten bereit­ge­stellt wer­den kön­nen.”

Par­al­lel dazu habe die Stadt über die Tou­rist-Infor­ma­ti­on nach möblier­ten Feri­en­woh­nun­gen gesucht. Auf die­se Wei­se sei für die Fami­lie noch am Mon­tag eine Unter­kunft in Zim­mern gefun­den wor­den.

Durch die Ver­mitt­lung der Bür­ger­ver­ei­ni­gung Alt­stadt ist es zudem mitt­ler­wei­le gelun­gen, auch eine Unter­kunft für die zwei­te Fami­lie zu fin­den”, sagt Her­mann wei­ter. Die Ver­ei­ni­gung um ihren Spre­cher Hel­mut Spre­ter „setzt sich in abso­lut bei­spiel­haf­ter Art und Wei­se für die in Not gera­te­ne Fami­li­en ein und hat mitt­ler­wei­le auch einen Spen­den­auf­ruf gestar­tet”, ergänzt der städ­ti­sche Pres­se­spre­cher. Es habe nie im Raum gestan­den, Fami­li­en in der Obdach­lo­sen­un­ter­kunft im Oms­dor­fer Hang 16 unter­zu­brin­gen.

Hel­mut Spre­ter vom Bür­ger­ver­ein Alt­stadt bestä­tigt das. „Die bei­den Fami­li­en sind zwi­schen­zeit­lich unter­ge­bracht, eine Fami­lie mit den vier Kin­dern in einer Feri­en­woh­nung in Zim­mern und die zwei­te Fami­lie mit zwei Kin­dern in der Nach­bar­schaft in der Römer­stra­ße.” Ein Mit­glied des Bür­ger­ver­eins habe zudem die Not­la­ge einer bei­den Fami­li­en erkannt und bie­te ihr eine Drei-Zim­mer-Woh­nung in der unmit­tel­ba­ren Nähe der bis­he­ri­gen Woh­nung an.

Fazit: Am Mon­tag­abend waren alle Men­schen aus dem Zwei­fa­mi­li­en­haus ver­sorgt und hät­ten zur Not in städ­ti­sche Unter­künf­te ein­zie­hen kön­nen. Eine Fami­lie ist inzwi­schen in einer möblier­ten Woh­nung unter­ge­bracht, für die ande­re wur­de eben­falls Woh­nung gefun­den. Damit sind schnel­le und gute Lösun­gen zumin­dest für die ers­ten Wochen ver­mit­telt wor­den.

Den­noch ist wei­ter Hil­fe nötig. Die Mit­glie­der des Bür­ger­ver­eins wol­len des­halb am 1. Mai noch zusätz­lich Flug­blät­ter für einen Spen­den­auf­ruf in der Alt­stadt und auf dem Wochen­markt ver­tei­len. Auf die­se Art und Wei­se wer­de der Tag der Arbeit beim Bür­ger­ver­ein Wirk­lich­keit, so Spre­ter. Der Bür­ger­ver­ein will sich in enger Zusam­men­ar­beit mit dem Ord­nungs­amt der Stadt Rott­weil über wei­te­re Hil­fen und Maß­nah­men abstim­men.

Info: Der neue Bür­ger­ver­ein der Alt­stadt wird statt einer Wan­de­rung am 1. Mai Spen­den­auf­ru­fe ver­tei­len. „Wir wären Ihnen sehr dank­bar, wenn Sie die­se Akti­on unter­stüt­zen und Ihren Bei­trag auf das Kon­to des „Bür­ger­ver­eins Alt­stadt-Rott­weil e.V.“, Kreis­spar­kas­se Rott­weil, IBAN: DE 84 6425 0040 0009 1298 65 Ver­wen­dungs­zweck: „Brand­ge­schä­dig­te Fami­li­en, Römer­stra­ße“ ein­zah­len wür­den“, heißt es dar­in. Ob Sach­spen­den nötig sind, klä­re man noch mit der Stadt­ver­wal­tung ab.