Schramberger Krankenhaus: Wer sind Peter Zuellig und Helmuth Penz?

Millionenschwere Geschäftsleute mit höchst unterschiedlichem Ruf stecken hinter der Camedi

Helmuth Penz in einem seiner Flüchtlingsheime: In der Haarlemer Straße in Neukölln tollt er als „netter Onkel“ mit Flüchtlingskindern. Foto: privat

SCHRAMBERG (him) Zwei Män­ner spie­len im Zusam­men­hang mit dem geschei­ter­ten Came­di-Pro­jekt in Schram­berg die Haupt­rol­le: Peter Zuel­lig und Hel­muth Penz. Was machen die bei­den und wel­chen Ruf genie­ßen sie?

Peter Zuel­lig, Groß­in­ves­tor
Zuel­lig, der im März 2013 den Plan für ein Well­ness-Res­sort im ehe­ma­li­gen Kran­ken­haus ver­kün­det hat, stammt aus einer der reichs­ten Schwei­zer Unter­neh­mer­fa­mi­li­en. Sein Vater und sein Onkel, Ste­phen und Gil­bert Zuel­lig haben in Süd­ost­asi­en zahl­rei­che Unter­neh­men im Gesund­heits­sek­tor auf­ge­baut und im Lau­fe ihres Lebens eine wert­vol­le Samm­lung mit chi­ne­si­schem Por­zel­lan gesam­melt. 2011 hat die Fami­lie einen klei­nen Teil die­ser Samm­lung bei Sothe­bys in Hong­kong ver­stei­gert, Schätz­preis 121 Mil­lio­nen US-Dol­lar. Eine Vase bra­che 23 Mil­lio­nen US-Dol­lar. Ein ande­rer Teil der Samm­lung – etwa 850 Kunst­wer­ke – ist als Dau­er­leih­ga­be in einem Muse­um in Zürich aus­ge­stellt.

Zuel­lig selbst besitzt unter ande­rem ein gro­ßes Han­dels­un­ter­neh­men für Phar­ma­pro­duk­te in Süd­ost­asi­en, die Para­zel­sus Ori­ent Ltd. mit einem Jah­res­um­satz von 300 Mil­lio­nen US-Dol­lar. Ein asia­ti­sches Inter­net-Maga­zin – “Under­cur­rent News” – berich­tet am 2. Sep­tem­ber 2015 über einen Fir­men­an­kauf von Peter Zuel­lig und schreibt über die­sen: “A mem­ber of the Swiss fami­ly who built up Zuel­lig Group into a $13 bil­li­on tur­no­ver con­glo­me­ra­te, Peter Zuel­lig took con­trol of the family’s aqua and ani­mal feed busi­ness, Cold Coin Group, last year.” Zu Deutsch: Peter Zuel­lig, Mit­glied der Schwei­zer Fami­lie Zuel­lig, hat die Zuel­lig Grup­pe zu einem 13-Mil­li­ar­den-US-Dol­lar Kon­zern umge­baut, und letz­tes Jahr das Geschäft mit Fisch- und Tier­fut­ter über­nom­men. 800 Mil­lio­nen US-Dol­lar, so heißt es, habe er dafür bezahlt.

Peter Zuellig (Mitte) mit Ernst Gnädinger auf dem Weg zum NRWZ-Interview in Schramberg am 20. Juni 2013. Archiv-Foto: him
Peter Zuel­lig (Mit­te) mit Ernst Gnä­din­ger auf dem Weg zum NRWZ-Inter­view in Schram­berg am 20. Juni 2013. Archiv-Foto: him

Die Annah­me, dass die­ser Inves­tor das Schram­ber­ger Kran­ken­haus-Pro­jekt finan­zi­ell stem­men könn­te, war also durch­aus berech­tigt. So sprach etwa der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de von SPD/Buntspecht Hans Jörg Fahr­ner nach der Ver­trags­un­ter­zeich­nung durch Zuel­lig im Janu­ar 2014 von einem „guten Tag für Schram­berg mit einer gro­ßen Zukunfts­di­men­si­on.“

Doch Zuel­lig war offen­bar zu opti­mis­tisch bei die­sem Pro­jekt, er woll­te unbe­dingt wei­te­re Finan­ziers gewin­nen, die auch vom Hotel­ge­schäft etwas ver­ste­hen. Im Inter­view mit der NRWZ erklär­te er im Juni 2013: „Ich gehe davon aus, dass es abso­lut mach­bar ist, aber es ist kein Selbst­läu­fer. Wir wol­len sicher­stel­len, dass das Kon­zept stimmt. Außer­dem will ich sicher sein, dass die Mit­fi­nan­ziers die glei­che Geduld auf­brin­gen wer­den wie ich.“

Er hat zwar Ende letz­ten Jah­res einen wei­te­ren Inves­tor gefun­den, der aber weni­ger an sei­nen Well­ness-Res­sort-Plä­nen inter­es­siert sein dürf­te. OB Her­zog in sei­ner Neu­jahrs­an­spra­che: „Ende des letz­ten Jah­res wur­den wir aller­dings von der Nach­richt über­rascht, dass bei der Came­di Real Esta­te ein wei­te­rer Gesell­schaf­ter ein­ge­stie­gen sei und sich die Pla­nun­gen der Grup­pe ver­än­dert hät­ten. Ent­ge­gen der bis­her geäu­ßer­ten Zusa­ge, soll ein Teil des Invests für das Hotel­pro­jekts durch eine Zwi­schen­nut­zung der Immo­bi­li­en für die Unter­brin­gung von Flücht­lin­gen finan­ziert und das Pro­jekt erst danach rea­li­siert wer­den.“

Hel­mut Penz, Bau­lö­we
Die­ser neue Inves­tor ist seit dem 12. Janu­ar öffent­lich bekannt: Hel­muth Penz, Ber­lin. Die­ser sei „ein­zel­ver­tre­tungs­be­rech­tigt mit der Befug­nis, im Namen der Gesell­schaft mit sich im eige­nen Namen oder als Ver­tre­ter eines Drit­ten Rechts­ge­schäf­te abzu­schlie­ßen“, heißt es im Han­dels­re­gis­ter. Am 23. Dezem­ber 2015 hat­te in Ber­lin Notar Havers als neu­en Gesell­schaf­ter die HP Deutsch­land aus Ber­lin mit einem Geschäfts­an­teil von 21.250 Euro ein­ge­tra­gen, bei der Came­di Hol­ding ver­blie­ben noch 3.750 Euro. HP Deutsch­land gehört Hel­muth Penz, der nun also 85 Pro­zent der Came­di kon­trol­liert.

Beim Namen Penz läu­te­ten bei etli­chen Kom­mu­nal­po­li­ti­kern die Alarm­glo­cken. Penz ist näm­lich unter ande­rem auch Geschäfts­füh­rer der „PeWo­Be Pro­fes­sio­nel­le Wohn- und Betreu­ungs-Gesell­schaft“ in Ber­lin, die in der Haupt­stadt und in Bran­den­burg seit 1989 „Ein­rich­tun­gen zur Unter­brin­gung und Betreu­ung von Kriegs­flücht­lin­gen, Aus­sied­lern und Asyl­be­wer­bern“ betreibt. Im Auf­trag der Län­der Ber­lin und Bran­den­burg habe die PeWo­Be „eine Viel­zahl von Pro­jek­ten umge­setzt“, heißt es auf ihrer Home­page.

Im Zusam­men­hang mit Schwie­rig­kei­ten in eini­gen sei­ner Flücht­lings­hei­me in Ber­lin ist Penz in die Kri­tik gera­ten. Die Oppo­si­ti­ons­par­tei­en Grü­ne, Pira­ten und Lin­ke im Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus war­fen sei­ner Fir­ma „Pro­fit­gier zu Las­ten der Steu­er­zah­ler“ vor. Die Ber­li­ner Taz nennt ihn „eine dubio­se Figur aus dem West­ber­li­ner Bau- und Sozi­al­busi­ness-Sumpf“. Auch Vet­terles­wirt­schaft zählt zu den Ber­lin-typi­schen Vor­hal­tun­gen gegen den Immo­bi­li­en-Krö­sus, der noch zahl­rei­che ande­re Fir­men besitzt. Penz sei mit dem Unter­neh­mer und Archi­tek­ten Diet­rich Gar­ski „ver­ban­delt“, so die Ber­li­ner Mor­gen­post. Gar­ski hat­te Anfang der 80er-Jah­re einen Bau­skan­dal aus­ge­löst, über den der dama­li­ge Senat gestürzt war.

Penz besitzt eine Kunst­samm­lung mit Wer­ken von Malern, „die in den 70er und 80er Jah­ren in West-Ber­lin eine eigen­sin­ni­ge, gegen­ständ­li­che Kunst vor­an­trie­ben“, wie im Inter­net zu lesen ist. Die hat er auf sei­nem Land­gut Güh­len bei Ber­lin aus­ge­stellt. Und dort­hin lädt schon mal die Deutsch-Ara­bi­sche Gesell­schaft – Prä­si­dent Peter Scholl-Latour, Bei­rat Hel­muth Penz – zum Som­mer­fest ein. Am 3. Mai 2014 hielt dort Gre­gor Gysi eine Lau­da­tio auf den „Welt­erklä­rer Scholl-Latour.“

Der Spie­gel berich­tet ganz aktu­ell am 19. Dezem­ber 2015 über Penz‘ Geschäfts­ge­ba­ren im Zusam­men­hang mit dem Dau­er­skan­dal um die Lage­so: Die staat­li­che Behör­de zur Flücht­lings­re­gis­trie­rung und Unter­brin­gung und Penz hät­ten „auf krum­men Wegen“ Geschäf­te abge­schlos­sen. So krumm, dass die Staats­an­walt­schaft inzwi­schen wegen Ver­dachts auf Betrug und Untreue gegen Lage­so-Ver­ant­wort­li­che und Penz ermitt­le.

Penz sieht das selbst­ver­ständ­lich alles ganz anders. Die PeWo­Be mache nur zehn Pro­zent sei­nes Fir­men­im­pe­ri­ums aus, so Penz zum Ber­li­ner Tages­spie­gel. In einem ande­ren Inter­view wies Penz die Vor­wür­fe zurück: „Wir sind seit 25 Jah­ren als zuver­läs­si­ger Part­ner der Län­der Ber­lin, Bran­den­burg und Sach­sen-Anhalt tätig und sind hohen Stan­dards ver­pflich­tet“, sag­te er dem Wirt­schafts­ma­ga­zin „Ber­lin Boxx“. Und um zu zei­gen, dass er nichts zu ver­ber­gen habe, stell­te er sich im Mai letz­tes Jahr den Kri­ti­kern in einem sei­ner Flücht­lings­hei­me.

Eine Gesprächs­an­fra­ge der NRWZ an die bei­den blieb bis­lang unbe­ant­wor­tet.