Der damals frisch gewählte Gemeinderat 2014 - mit Vertretern der Stadtverwaltung. Archiv-Foto: Stadt Rottweil

Der Rott­wei­ler Gemein­de­rat bekommt neue Gesich­ter. Gleich drei Stadt­rä­te haben um ihr Aus­schei­den ersucht, for­mal wird dem der Gemein­de­rat zustim­men müs­sen. Ein vier­ter Stadt­rat, Micha­el Hezel von der SPD, ist über­ra­schend ver­stor­ben. Mit die­ser Posi­ti­on wer­den vier neue Stadt­rä­te ins Gre­mi­um auf­ge­nom­men wer­den, ein gro­ßes Stüh­le­rü­cken, also. Einen der Neu­en kennt man im Rund schon. Er kommt mit gemisch­ten Gefüh­len zurück.

ROTTWEIL. Arved Sass­nick hat sich sein Pen­sio­närs­da­sein eigent­lich schon ohne die Gemein­de­rats­sit­zun­gen und die Pflicht­ter­mi­ne ein­ge­rich­tet, die die Stadt­rats­tä­tig­keit beglei­ten. Auch war er – nach anfäng­li­cher Ent­täu­schung dar­über, dass sein Ergeb­nis bei der Kom­mu­nal­wahl 2014 nicht für den Wie­der­ein­zug gereicht hat­te – nicht böse dar­über, sei­ne Zeit nun anders nut­zen zu kön­nen.

Arved Sassnick. Archiv-Foto: Stadt Rottweil
Arved Sass­nick. Archiv-Foto: Stadt Rott­weil

Außen­ste­hen­de machen sich ja kaum eine Vor­stel­lung, was die Stadt­rats­ar­beit mit­bringt”, sagt Sass­nick zur NRWZ. Ihm und sei­nen Kol­le­gen sei von einer Anwalts­gat­tin aus Vil­lin­gen­dorf mal vor­ge­wor­fen wor­den, es gehe den Gemein­de­rä­ten doch bloß dar­um, die Sit­zungs­zeit abzu­sit­zen und Wurst­weck­le zu ves­pern. Das sei bei­lei­be nicht so. Für den Ober­stu­di­en­rat im Ruhe­stand und gestan­de­nen SPD-Mann – 40 Jah­re in der Par­tei, unan­ge­foch­ten an der Spit­ze des Orts­ver­eins – bedeu­tet das, dass er ein Hob­by im Bereich der Geschichts­for­schung, das er 2014 nach sei­nem Abschied aus dem Gemein­de­rat auf­ge­nom­men hat­te, wie­der sau­sen las­sen kann. Lieb­ge­won­ne­ne Frei­zeit­be­schäf­ti­gung ist damit per­du.

Die Begleit­um­stän­de könn­ten für Sass­nick aller­dings ohne­hin nicht tra­gi­scher sein: Um nach­zu­rü­cken, muss­te der Platz am Tisch der Stadt­rä­te ja frei wer­den. Es geschah durch den plötz­li­chen und uner­war­te­ten Tod von Micha­el Hezel. „Sehr, sehr schmerz­lich” sei das, so Sass­nick zur NRWZ.

Ande­rer­seits ste­he er, Sass­nick, nun aber auch bereit. „Es sind mir gegen­über Erwar­tun­gen geäu­ßert wor­den”, dass er wie­der aktiv wer­de. Und wenn, dann mache er das wie­der mit dem vol­len Ein­satz. Für den Orts­ver­eins­vor­sitz aber suche er nach einem Nach­fol­ger und auf Kreis­ebe­ne wol­le er nicht mehr tätig sein. Im Gemein­de­rat wird Sass­nick wie­der wie frü­her den Vor­sitz sei­ner Frak­ti­on über­neh­men.

Dieter E. Albrecht. Archiv-Foto: Stadt Rottweil
Die­ter E. Albrecht. Archiv-Foto: Stadt Rott­weil

Ange­kün­digt hat­te sein Aus­schei­den aus dem Gemein­de­rat der Freie Wäh­ler Die­ter E. Albrecht. Der umtrie­bi­ge Mann will als Unter­neh­mer und Kom­mu­nal­po­li­ti­ker kür­zer und ein Sab­ba­ti­cal, eine Art Son­der­ur­laub antre­ten. Albrecht lässt bewusst offen, ob mit ihm künf­tig wie­der zu rech­nen ist, wenn er genug von sei­nem Wohn­mo­bil-Vaga­bun­den­le­ben hat, das er in sei­ner Frei­zeit nun anstrebt. Beob­ach­ter sind sich aber sicher: Der Mann kommt wie­der.

Auch der Spre­cher der Frei­en Wäh­ler, Wal­ter Steg­mann, geht in den Stadt­rats­ru­he­stand. Kurz und knapp begrün­de­te Steg­mann – Urge­stein der Kom­mu­nal­po­li­tik und geschätz­ter Red­ner im Rund – das mit Ver­weis auf die 31 Jah­re, die er als Ort­schafts- und Gemein­de­rat nun tätig gewe­sen sei. Zum 31. Dezem­ber soll für ihn Schluss sein.

Walter Stegmann. Archiv-Foto: Stadt Rottweil
Wal­ter Steg­mann. Archiv-Foto: Stadt Rott­weil

Bei der jüngs­ten Haupt­ver­samm­lung der Frei­en Wäh­ler Mit­te Novem­ber gab Steg­mann einen Abriss der wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen wäh­rend sei­ner Amts­pe­ri­ode, die unter akti­ver Betei­li­gung der Frei­en Wäh­ler zustan­de gekom­men sei­en. Er erin­ner­te exem­pla­risch an die Wei­ter­ent­wick­lung des Schul­be­reichs, die Erschlie­ßung des Bau­ge­biets „Spi­tal­hö­he“, die Ent­ste­hung von Bür­ger­häu­sern in den Teil­or­ten, die Errich­tung der neu­en Stadt­hal­le, die Betei­li­gung an den Leit­bil­dern, den Über­gang des städ­ti­schen Spi­tals an Vin­zenz von Paul, das Enga­ge­ment für den Test­turm von thyssenkrupp und das jah­re­lan­ge Bemü­hen um eine neue Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt. Er stell­te aber auch die Erfol­ge bei den Wah­len 2009 und 2014 her­aus, wo es den Frei­en Wäh­lern gelun­gen sei, zweit­stärks­te Frak­ti­on zu wer­den und die­se Posi­ti­on dann abzu­si­chern. Steg­mann bedank­te sich im Rah­men die­ser Ver­samm­lung bei allen Betei­lig­ten, jedoch beson­ders bei der Frak­ti­on für ihre enga­gier­te Arbeit und ganz nach­drück­lich bei Her­mann Breu­cha, sei­nem Stell­ver­tre­ter im Frak­ti­ons­vor­sitz, „für die vie­len wich­ti­gen Impul­se, die her­vor­ra­gen­de und har­mo­ni­sche Zusam­men­ar­beit.”

Sibylle Schumacher. Archiv-Foto: Stadt Rottweil
Sibyl­le Schu­ma­cher. Archiv-Foto: Stadt Rott­weil

Sibyl­le Schu­ma­cher wird eben­falls auf­hö­ren. Die CDU-Frau und stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de ihrer Frak­ti­on, die neben Spre­cher Gün­ter Pos­selt ger­ne etwa bei sozia­len und Schulthe­men das Wort ergrif­fen hat, möch­te nach zehn Jah­ren Mit­glied­schaft aus dem Gre­mi­um aus­schei­den. „Die Ent­schei­dung ist mir schwer gefal­len”, sagt sie zur NRWZ, und wäre bei der Kom­mu­nal­wahl auch nicht abseh­bar gewe­sen.

2014 waren 5510 Stim­men auf Schu­ma­cher ent­fal­len. Mehr bekam damals nur Pos­selt, aber auch nur 54 mehr. Kein ande­rer der Kan­di­da­ten aus allen Frak­tio­nen und Grup­pie­run­gen erreich­te damals mehr als 5000 Stim­men, mit Sibyl­le Schu­ma­cher ver­lässt also eines der bekann­tes­ten Gesich­ter das Gre­mi­um, zudem die Vize-Stim­men­kö­ni­gin.

Doch hat Schu­ma­cher einen guten Grund: Sie führt die Pra­xis ihres Man­nes, des All­ge­mein­me­di­zi­ners  Dr. Georg Her­mann Schu­ma­cher, hat die kom­plet­te Orga­ni­sa­ti­on über­nom­men. Ein Job, der das Ehren­amt ver­drängt.

Die Nach­rü­cker hei­ßen Wolf­gang Dre­her (Freie Wäh­ler), Karl-Theo Häring (Freie Wäh­ler) und Ewald Grimm (CDU). 

Auf­merk­sa­me Beob­ach­ter der Kom­mu­nal­po­li­tik wer­den einen Namen ver­mis­sen: Dr. Hol­ger Haftstein. Statt Häring wäre eigent­lich er an der Rei­he, hat­te rund 220 Stim­men mehr bekom­men. Doch Haftstein muss­te den ihm ange­tra­ge­nen Kelch ableh­nen. Er habe ver­si­chert, dass er beruf­lich so ein­ge­spannt sei, dass er das Ehren­amt nicht im not­wen­di­gen Maß aus­üben kön­ne, teilt die Stadt­ver­wal­tung mit. Haftstein, Inter­nist und in Rott­weil nie­der­ge­las­se­ner Arzt, hat­te erklärt, dass er durch die Neu­re­ge­lung des kas­sen­ärzt­li­chen Not­fall­diens­tes „vie­le zusätz­li­che, nicht immer plan­ba­re Not­fall­diens­te” zu leis­ten habe. Die Ver­wal­tung hat dies als wich­ti­gen Grund für die Ableh­nung des Ehren­am­tes aner­kannt.

Die Neu­be­set­zun­gen gehen am heu­ti­gen Mitt­woch­abend in die Vor­be­ra­tung im Kul­tur-, Sozi­al- und Ver­wal­tungs­aus­schuss. In sei­ner nächs­ten Sit­zung wird dann der Gemein­de­rat beschlie­ßen. Dann wer­den die Schei­den­den das Gre­mi­um ver­las­sen, die neu­en sich an den Tisch set­zen.