Vergebliches Warten auf den Stadtsheriff, oder: Wenn die Staatsanwältin die Einfahrt zuparkt

Anwohner ärgert sich über wild abgestellte Autos / Die Juristin konnte er bereits zum Umparken bewegen

Zugeparkt: Der blaue Volvo (rechts), der Wagen eines Anwohners, kommt so nur nach langem Rangieren raus. Foto: privat

Rott­weil (mm). Wer vor sei­nem Haus einen Park­platz hat, möch­te sei­nen Wagen meist auch ger­ne eben dort abstel­len. Blöd, wenn der Platz dann immer von Stra­ßen­par­kern zuge­stellt ist. Noch blö­der, wenn aus die­ser Situa­ti­on kei­ner her­aus­hilft.

Manche Fahrer nutzen jedes Plätzle zum Parke. Foto: privat
Man­che Fah­rer nut­zen jedes Plätz­le zum Par­ke. Foto: pri­vat

Er wohnt in der Kör­ner­stra­ße in Rott­weil, ganz in der Nähe von Land­ge­richt, Finanz­amt und Staats­an­walt­schaft. Eigent­lich eine gute, ruhi­ge Wohn­ge­gend. Aber der Mann, der nament­lich nicht genannt wer­den will, hat den­noch ein gro­ßes Pro­blem. Will er sein Auto vor sei­nem Haus par­ken – dort gibt es zwei Stell­plät­ze – ste­hen ihm immer wie­der par­ken­de Autos im Weg. „Oft muss ich mei­nen Unter­mie­ter raus­klin­geln, dass er sein Auto raus­fährt, damit ich rein­kom­me“, erzählt er.

Die­ser Mann, er ärgert sich vor allem dar­über, dass in sei­nem Stra­ßen­ab­schnitt nie Knöll­chen ver­teilt wer­den. Am Berufs­schul­zen­trum, wo er zur Schu­le ging, bekom­me man schon einen Straf­zet­tel, wenn man nur mit einem Rad auf den Geh­weg ste­he. „Dabei haben die Berufs­schü­ler ja kei­ne Alter­na­ti­ve.“ Wer dage­gen hier in den Behör­den arbei­te, kön­ne doch pro­blem­los auf die Groß‘sche Wie­se oder ans Sta­di­on aus­wei­chen, wo es Park­plät­ze in Hül­le und Fül­le gibt.

Inzwi­schen hat der Mann zur Selbst­hil­fe gegrif­fen, hat an die Falsch­par­ker Zet­tel ver­teilt und einer Staats­an­wäl­tin, die ihn regel­mä­ßig zupark­te, die Fra­ge gestellt, ob das ihr Rechts­ver­ständ­nis sei. Sie parkt seit­dem woan­ders, ande­re hin­ge­gen schei­nen kein Ein­se­hen zu haben. „Die kom­men kurz nach halb neun, par­ken hier und legen dann ihren rosa Erlaub­nis­schein ins Fens­ter“, weiß er. Und nicht nur bei ihm wird wild geparkt, in der gesam­ten Kör­ner­stra­ße auf dem Geh­weg und in der Kur­ve neben­an fin­det man immer wie­der Fahr­zeu­ge mit Behör­den­aus­weis, und man­che sei­ner Nach­barn stel­len vor­sichts­hal­ber ihre Autos abends an die Stra­ße, weil sie sonst am nächs­ten Mor­gen gar nicht mehr aus der Hof­ein­fahrt raus­kom­men. „Das ist ja kon­tra­pro­duk­tiv, wenn wir auch an der Stra­ße par­ken, dann gibt es noch weni­ger Platz hier.“

Die Poli­zei hat er auch ein­mal geru­fen, aber nur Schul­ter­zu­cken geern­tet, hier sei die Rechts­la­ge nicht klar und Mar­kie­run­gen fehl­ten, erklär­te man ihm. Und bei der Stadt ist er auch vor­stel­lig gewor­den, hat dar­um gebe­ten, dass man die mög­li­chen Park­flä­chen mar­kiert, doch „man hat mir gesagt, dafür sei kein Geld da. Ich sol­le es doch selbst mar­kie­ren.“
Des­halb ging er zu einer Fir­ma, die sol­che Mar­kie­run­gen macht, die hät­ten ihm die Far­be gege­ben, damit er selbst die Stri­che und Lini­en vor sei­nem Haus anbrin­ge, da der Ein­satz eines Mar­kie­rungs­trupps viel zu teu­er sei. Hier­von hat der er dann doch nicht Gebrauch gemacht. „Es bringt ja nichts, wenn das nie­mand kon­trol­liert.“

Das tue man regel­mä­ßig, sogar täg­lich, sagt Tobi­as Her­mann, der Pres­se­spre­cher der Stadt. „Dort haben wir jedoch in der Ver­gan­gen­heit die Erfah­rung gemacht, dass hier die Haus­ei­gen­tü­mer oder ihre Gäs­te oft­mals selbst vor der eige­nen Gara­gen­ein­fahrt par­ken, wodurch Drit­te nicht behin­dert wer­den. Mit Rück­sicht auf die Anwoh­ner­schaft erfolg­te in die­sem Bereich daher eine Anzei­ge in der Regel nur dann, wenn sich der Anwoh­ner über zuge­park­te Ein­fahr­ten beschwert“, so Hemann. Und er ergänzt: „Wir wür­den die­se bür­ger­freund­li­che Kon­troll­wei­se ger­ne bei­be­hal­ten.“

Im vor­lie­gen­den Fall „wäre es daher wün­schens­wert“, so Her­mann wei­ter, „wenn sich der Betrof­fe­ne direkt an uns wen­det, damit wir wis­sen, wel­che Ein­fahrt genau betrof­fen ist.“ Was der Mann nach eige­nen Anga­ben bereits getan hat, aller­dings, wie er sagt, ohne den erwünsch­ten Erfolg.