Diens­tag, der 12. Sep­tem­ber, es ist ein son­ni­ger Spät­som­mer-Nach­mit­tag. Die Men­schen könn­ten guter Din­ge sein. Nicht so zwei Auto­fah­rer, einer aus dem Boden­see­kreis, einer aus dem Kreis Rott­weil. Sie begeg­nen sich im Stadt­gra­ben – und wer­den bockig wie zwei Esel. Viel Tes­to­ste­ron ist im Spiel. Und Angst. Nur die Poli­zei kann das Dilem­ma lösen.

Erst am Mit­tag hat die NRWZ vom schwin­den­den Respekt gera­de von Auto­fah­rern gegen­über Uni­form­trä­gern berich­tet. Von dem Wil­len getrie­ben, dem Navi nach durch Rott­weil zu kom­men, woll­te etwa ein Fah­rer aus Hal­le am Mitt­woch par­tout Rich­tung Haupt­stra­ße. Dass dort eine Fuß­gän­ger­zo­ne ist, dass dort der Wochen­markt läuft und dass sogar gera­de die Ret­tungs­kräf­te im Ein­satz sind – all das, man kann es eigent­lich nicht anders aus­drü­cken, war dem Mann scheiß­egal. Eben­so einem zwei­ten, aus dem Kreis Calw stam­men­den Auto­fah­rer, der zum Rott­wei­ler Stadt­she­riff mein­te, die Feu­er­wehr sol­le halt einen ande­ren Weg suchen, wenn sie an ihm nicht vor­bei komme.

Doch es geht noch bocki­ger. So sind sich ges­tern zwei Streit­häh­ne im Stadt­gra­ben in Rott­weil begeg­net. Am Mit­tag, gegen 15 Uhr war das. Der eine kam aus der Hoch­mai­en­gas­se, der ande­re die­sem ent­ge­gen. Bei­de begeg­ne­ten sich an einer Eng­stel­le, an der links und rechts Fahr­zeu­ge geparkt waren. Für bei­de gleich­zei­tig: kein Durch­kom­men. Dazu war die Fahr­bahn viel zu eng.

Völ­lig klar: Einer muss zurück­set­zen. Nur wer? Über die­se Fra­ge müs­sen sich die Bei­den mäch­tig in die Haa­re bekom­men haben. Schimpf­wor­te sol­len gefal­len sein. Das Resul­tat: Der eine, ein 62-jäh­ri­ger Audi-Fah­rer aus dem Boden­see­kreis, fühl­te sich bedroht. Er schloss sich in sei­nem Wagen ein und beweg­te die­sen kei­nen Zen­ti­me­ter mehr. Der ande­re – über den kei­ne wei­te­ren Details bekannt sind, außer, dass er aus dem Land­kreis Rott­weil kommt und einen Mer­ce­des Cit­an fuhr – hat­te da schon sein Auto vor den Audi gestellt. Dia­go­nal. Der NRWZ lie­gen Bil­der von dem Gesche­hen vor, zudem bestä­tigt das Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen den Ablauf.

Es ent­stand sogar ein klei­ner Stau. Die Poli­zei wur­de geru­fen – unter ande­rem von dem Audi-Fah­rer -, das Rott­wei­ler Ord­nungs­amt auch. Über eine hal­be Stun­de hin­weg habe sich das Gesche­hen gezo­gen. Die Zeit­dau­er weist der Poli­zei­be­richt aus. Eine hal­be Stun­de lang stan­den sie sich also wie zwei bocki­ge Esel gegen­über. Kei­ner war bereit, nach­zu­ge­ben. Wobei: Der Mer­ce­des­fah­rer konn­te da schon lan­ge nicht mehr nach­ge­ben, hin­ter ihm war die Stra­ße dicht.

Die Lage war für den Audi-Fah­rer aus dem Boden­see­kreis auch zuneh­mend brenz­lig gewor­den. Sie­ben Men­schen, sechs Män­ner, eine Frau, sind ihm schon gegen­über gestan­den, als die Poli­zei­strei­fe ein­traf. Die Sze­ne lockt zudem wei­te­re Schau­lus­ti­ge an, die sich im Umfeld positionieren.

Aller­dings: Die Geschich­te hat offen­bar nur für ihn, den 62-Jäh­ri­gen Audi-Fah­rer straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen. Ihm wird ein Ver­ge­hen der Nöti­gung vor­ge­wor­fen, so der Poli­zei­be­richt. Dafür sieht das Gesetz eine Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe vor.

Die Poli­zei kann die Fah­rer aus­ein­an­der brin­gen. Der Stau ist auf­ge­löst. Foto: privat

Die Poli­zei konn­te Zeu­gen­aus­sa­gen zufol­ge den Mann aus dem Boden­see­kreis jeden­falls schnell dazu bewe­gen, sei­nen Audi zurück zu set­zen. Anschlie­ßend lös­te sich die Situa­ti­on auf. Sicher­lich zum Ver­druss des Audi-Fah­rers, der ja nun auf Geheiß eines Poli­zis­ten alle Ent­ge­gen­kom­men­den pas­sie­ren las­sen muss­te, bevor er sei­ne Fahrt fort­set­zen konn­te. Etwas, was er par­tout ver­hin­dern wollte.

Übri­gens, und bevor jemand fragt: Der Poli­zei­be­richt sagt nichts zur Her­kunft der bei­den Fah­rer. Über einen even­tu­el­len Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Laut einem Zeu­gen habe es sich bei einem der Fah­rer sicher, beim ande­ren wahr­schein­lich um einen Deut­schen gehandelt.