Testturm, Hängebrücke, Villa Duttenhofer, Neckarcenter – war da nicht noch was? Irgend so ein Großprojekt in Rottweil? Hmm, mal nachdenken …

… und tatsächlich: 2015 noch ganz oben auf der Tagesordnung, war es in jeder Munde. Inklusive der jahrelang wabernden Angst vor einem kriminellen Freigänger an jeder Ecke, von der Lokalzeitung geschürt. Und der Befürchtung, das Ding könne mitten in ein Naturschutzgebiet gebaut werden. Oder vor irgendeines Haustüre. Richtig: Die Rede ist vom in Rottweil geplanten Landesgefängnis.

Nachdem im September 2015 die Mehrheit für den Bau einer neuen Justizvollzugsanstalt (JVA) für 400 Häftlinge im Gewann Esch gestimmt hatte, ebbte die Aufmerksamkeit allmählich ab. Da war die Nachricht vom kommenden Testturm schon ein Jahr alt, ein Projekt, das alles andere überstrahlte, es bis heute tut. Und im Januar 2016 kam die verbindene Hängebrücke als neues Projekt hinzu. Und wieder ein Bürgerentscheid. Da kann ein Großgefängnis (von dem Landes-Justizminister Rainer Stickelberger einmal sagte, dass es gar kein Großgefängnis sei) schon mal in Vergessenheit geraten.

Ende 2016 hatte dann die Dialoggruppe ihre Arbeit abgeschlossen. 50 Bürgerinnen und Bürger hatten Anregungen und Kritikpunkte zu dem Projekt JVA gesammelt. Und dann schoss eine Nachricht den Knast vollends aus dem Blickfeld: dass er frühestens 2020 kommen werde.

Doch Halt, eines interessiert dann schon: nämlich, wie er aussehen wird. Und genau davon hat Bau-Fachbereichsleiter Lothar Huber am Mittwoch in der letzten Sitzung des Rottweiler Gemeinderats vor der Sommerpause Stellung berichtet.

Der Bauamtschef musste sich selbst erstmal sammeln. „Wo sind wir eigentlich auseinander gegangen?“, fragte er die Runde rhetorisch. Und lieferte die Antwort mit, für die er selbst habe ein wenig in den Unterlagen blättern müssen: beim Architekturwettbewerb für den Gefängnisneubau. Dieser sei jetzt endlich gestartet worden. Übrigens: Auch das erst nach einer einjährigen Zwangspause des Verfahrens, in der das Land während eines kompletten Jahreszyklus eine mögliche Standorterweiterung der JVA-Fläche zur Bundesstraße 27 hin untersucht hatte.

Bestimmt hätte Bauamtschef Huber gerne ein wenig gezeigt, wie der neue Knast denn nun aussehen soll – aber der Architekturwettbewerb ist ja gerade erst, Anfang Juli, gestartet worden. Klar ist – eine Blaupause bestehender Knastbauten wie dem in Offenburg soll es nicht geben, das hat schon die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, Gisela Erler vorgegeben.

Außerdem habe, so wiederum Huber, die Dialoggruppe aus Fachleuten und Rottweiler Bürgern eine ganze Liste von Vorschlägen eingebracht, die nun, das erklärte dazu Oberbürgermeister Ralf Broß, tatsächlich im Wettbewerb als Bedinungen aufgetaucht seien. Die wichtigsten Punkte:

  • Die Gebäude des gesamten Komplexes dürfen nicht mehr als drei Geschosse umfassen.
  • Die geplante Sporthalle und Außensportanlage soll auch von außen zugänglich sein, für Sportler aus der Stadt.
  • Die Gefangenen sollen möglichst in Wohngruppen untergebracht werden.
  • Und – als wichtigster Punkt – die JVA solle landschaftsverträglich geplant werden. Inklusive ihrer Sicherungsanlagen, schließlich bleibt es ein Knast, aus dem keiner entkommen soll. Aber sämtliche Gebäude sollen sich ins Landschaftsbild einfügen und das benachbarte Neckartal, das nahegelegene FFH-Schutzgebiet und den vorbei laufenden Neckartalradweg visuell möglichst wenig stören. „Das landschaftliche Gesamtkonzept steht im Vordergrund“, so der Fachbereichsleiter.

Damit all das gelingt, daran wird auch wiederum die Dialoggruppe Anteil haben, versprach Huber. Denn drei ihrer Vertreter werden in der Jury sitzen, welche die Architektenvorschläge bewerten soll.