„Eine alte, schöne Religion”

Ein Gespräch mit Rottweils neuem Rabbiner Levi Yitzhak Hefer

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Orthodoxer Rabbi: Levi Yitzhak Hefer. Foto: mm

Am 19. Febru­ar, dem Tag der Ein­wei­hung der neu­en Syn­ago­ge in Rott­weil, wur­de auch der neue Rab­bi­ner, Levi Yitz­hak Hefer, fei­er­lich in sein Amt ein­ge­führt. Zeit für ein Gespräch mit ihm fand sich erst Wochen spä­ter, unter ande­rem, weil Hefer mit sei­ner Frau und den bei­den klei­nen Kin­dern erst vor kur­zem nach Rott­weil umge­zo­gen ist.

Jetzt woh­nen sie direkt in der neu­en Syn­ago­ge am Näge­les­gra­ben. Archi­tek­to­nisch öff­net sich der Neu­bau der Stadt, und so sol­le er auch allen offen­ste­hen, wur­de im Vor­feld immer wie­der betont. Rein­kom­men ist aller­dings gar nicht so ein­fach: Die Türen sind ver­schlos­sen, an der Klin­gel ist eine Über­wa­chungs­ka­me­ra, erst nach dem zwei­ten Läu­ten geht eine der Türen auf.

„Die Juden haben eine alte, schö­ne Reli­gi­on, aber das jüdi­sche Volk hat­te immer Pro­ble­me mit sei­ner Sicher­heit”, betont der jun­ge Rab­bi. Klar ste­he die Tür der Syn­ago­ge jedem Inter­es­sier­ten und natür­lich allen Gemein­de­mit­glie­dern offen, jeder, der kom­men wol­le, kön­ne das auch. Aber er müs­se sich dann eben vor­her anmelden.

Immer­hin: Am 25. Juni ist Tag der offe­nen Tür, da muss man dann nicht klin­geln. In Rott­weil zu sein, freut den 25-Jäh­ri­gen, der in Isra­el gebo­ren und auf­ge­wach­sen ist, ein Jahr in New York leb­te und sich dann für Deutsch­land ent­schied – sei­ne Frau Dinah stammt aus Frankfurt.

Hefer ist noch dabei, Deutsch zu ler­nen, es ist ein Deutsch, das stark jid­disch geprägt ist. „Ich habe gefun­den eine offe­ne Stadt”, sagt er über sei­ne neue Hei­mat, vie­le Reli­gio­nen, die fried­lich zusam­men­le­ben, auch zusam­men arbei­ten. So ganz will er sei­ne jüdi­sche Gemein­de da aller­dings nicht ein­brin­gen. „Jeder soll sei­nen Weg gehen”, betont der ortho­do­xe Rab­bi­ner, der sich beim Spre­chen ger­ne nach­denk­lich vor und zurück­beugt. Zwar sei­en die Grund­sät­ze der Reli­gio­nen gleich, basier­ten auf den sie­ben Gebo­ten Noahs, die ja auch in der Bibel wie­der­zu­fin­den sind: Ver­bot von Mord, Dieb­stahl, Ehe­bruch oder Göt­zen­an­be­tung. Aber „jeder hat sei­nen spe­zi­el­len Weg, jeder ist besonders.”

Der der jüdi­schen Gemein­de ein ortho­do­xer: „Wir haben unse­ren alten Glau­ben”, nach­dem bei­spiels­wei­se Frau­en getrennt von Män­nern beten, der Rab­bi kei­ner Frau die Hand gibt.
In Rott­weils frü­he­rer jüdi­schen Gemein­de war das anders, hier bete­ten Frau­en und Män­ner gemein­sam. Aber Hefer sagt, Gott selbst habe den Juden vor 3000 Jah­ren die Tora gege­ben, und dar­an müs­se man sich hal­ten. Män­ner müss­ten unter sich beten, um den Kopf frei zu haben, nicht von Fami­li­en­pro­ble­men abge­lenkt wer­den. Das sei nicht zu ändern, außer „viel­leicht gibt uns Gott irgend­wann eine neue Tora.”

Moder­ne Juden, die sich nicht dar­an hiel­ten, gin­gen nicht den rich­ti­gen Weg, sagt der Rott­wei­ler Rab­bi­ner. Und die vie­len jun­gen Men­schen in sei­ner neu­en Gemein­de lieb­ten die Tra­di­tio­nen, die sie hier lern­ten. „Wer Reli­gi­on sucht, sucht den geist­li­chen Inhalt. Das ist der Weg.” Moni Marcel

Info: Der Tag der Offe­nen Türe in der neu­en Syn­ago­ge Rott­weil beginnt am 25. Juni um 13 Uhr. Ab 14 Uhr gibt es ein Kon­zert mit den Klez­mer Tunes aus Köln. Der Ein­tritt ist frei. Um Spen­den wird gebeten.