Der Gemein­de­rat der Stadt Rott­weil soll Ende Juni und der Bau­aus­schuss vor­be­ra­tend bereits am kom­men­den Mitt­woch den Bebau­ungs­plan für die „Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke Ber­ner Feld – His­to­ri­sche Innen­stadt“ auf­stel­len. Damit beginnt das pla­ne­ri­sche Ver­fah­ren zu dem Mega­pro­jekt. Die Kos­ten soll der Inves­tor tra­gen. Der genaue Weg, den die Brü­cke neh­men soll, steht noch immer nicht fest. Wohl aber das: Es wird eine klei­ne Wan­de­rung für die­je­ni­gen, die vom Test­turm zur Brü­cke und dar­über hin­weg in die Innen­stadt wollen.

Haben Sie’s gemerkt, lie­be Leser? Es ist schon lan­ge nicht mehr von einer Hän­ge­brü­cke vom Thys­sen­-Krupp-Test­turm für Hoch­ge­schwin­dig­keits­auf­zü­ge zur his­to­ri­schen Rott­wei­ler Innen­stadt die Rede. Der ursprüng­li­che Plan des Inves­tors, Gün­ther Eber­hardt, bei­des im Sin­ne des Tou­ris­mus direkt zu ver­bin­den, ist längst auf­ge­ge­ben worden.

Noch wäh­rend des Turm­baus lie­fen Über­le­gun­gen für eine Brü­cke. „In der Stadt­ver­wal­tung gab es von Anfang an Plä­ne, den Turm mit der Innen­stadt zu ver­bin­den”, sag­te Rott­weils Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß der NRWZ. Doch das wird nichts. Zwei Grund­stücks­ei­gen­tü­mer bei der geplan­ten Andock­stel­le am Schafs­wa­sen stell­ten sich quer und ein Anlie­ger droh­te, er wer­de not­falls bis zur letz­ten Instanz kla­gen. Brü­cken­bau­er Eber­hardt ver­han­del­te gedul­dig, doch als er die Aus­sichts­lo­sig­keit erken­nen muss­te, plan­te er um und ent­schied sich für eine kür­ze­re Trasse.

Jetzt soll Bau­recht geschaf­fen wer­den für die Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke, die dann eben nicht den Turm, son­dern das Indus­trie­ge­biet, auf dem er steht, mit der Innen­stadt ver­bin­den soll. Am Mitt­woch soll der Bau­aus­schuss dar­über beschlie­ßen. Nach dem Bür­ger­ent­scheid, der mit knapp 72 Pro­zent der Stim­men für die Brü­cke aus­ge­gan­gen war, gilt der Bebau­ungs­plan­be­schluss als Form­sa­che. Immer­hin hat­te der Bür­ger­ent­scheid die glei­che Wir­kung wie ein Beschluss des Gemeinderats.

Für die Stadt Rott­weil bie­te sich nun die Chan­ce, durch den Bau einer Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke, das Gebiet Ber­ner Feld mit der his­to­ri­schen Innen­stadt zu ver­bin­den und damit die Besu­che­rin­nen und Besu­cher des Auf­zug­test­turms von Thys­sen­-Krupp Ele­va­tor ein­zu­la­den, zu Fuß in die Innen­stadt zu kom­men und umge­kehrt. „Die geplan­te Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke macht das natur­na­he Neckar­tal auf eine beson­de­re Art erleb­bar. Die­se Ver­bin­dung soll Impul­se unter ande­rem für Gas­tro­no­mie, Ein­zel­han­del und Hotel­le­rie set­zen.” So argu­men­tiert die Stadtverwaltung.

Zwei mög­li­che Park­plät­ze auf dem Ber­ner Feld. Sie lie­gen zwi­schen den Gebäu­den von Hau­ser-Rei­sen (blau), Stein­hil­ber-Schwehr (oran­ge), Auto­haus Not­hel­fer (gelb) und der Fir­ma Ace­rinox (lila). Grün dar­ge­sellt: die Tank­stel­le Hau­ser. Gra­fik: pm

Und tat­säch­lich wird es sicher ein beson­de­res Erleb­nis – und auch ein anstren­gen­des. Lauf­faul dür­fen die Besu­cher von Test­turm, Brü­cke und Innen­stadt jeden­falls nicht sein. Von den geplan­ten zwei Park­plät­zen auf dem Ber­ner Feld – die in einem Recht­eck aus den Gebäu­den von Hau­ser-Rei­sen, Stein­hil­ber-Schwehr, Auto­haus Not­hel­fer und Ace­rinox lie­gen – geht es knapp einen Kilo­me­ter zu Fuß über einen Schot­ter­weg zum Test­turm, dann den­sel­ben Weg teil­wei­se zurück zum Ein­gang der Hän­ge­brü­cke beim Schaf­wa­sen und von dort gut einen hal­ben Kilo­me­ter in die Innen­stadt. Die Stadt wird das opti­mie­ren wol­len: „Für die Len­kung der Fuß­gän­ger sind meh­re­re Vari­an­ten denk­bar – etwa Stre­cken­füh­run­gen über bestehen­de Wege ste­hen zur Dis­kus­si­on und wer­den im wei­te­ren Plan­ver­fah­ren geprüft”, heißt es in der Vor­la­ge für die Bau­aus­schuss­sit­zung am Mittwoch.

Die Flä­che für den Bebau­ungs­plan „Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke Ber­ner Feld – His­to­ri­sche Innen­stadt“ beträgt laut Stadt­ver­wal­tung 7,4 Hekt­ar und umfasst dabei nicht nur die für eine Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke unmit­tel­bar erfor­der­li­che Flä­che, son­dern schließt auch angren­zen­de und wei­te­re Grund­stü­cke ein, „um eine gesam­te städ­te­bau­li­che Gestal­tung der geplan­ten Ver­bin­dung zu gewähr­leis­ten”, so die Stadt. Der Kor­ri­dor für die Hän­ge­brü­cke im Bereich des Neckar­tals weist dabei eine Brei­te von etwa 50 Metern auf.

Ins­ge­samt lie­gen 25 Flur­stü­cke im Gel­tungs­be­reich. Ein guter Teil davon ist bereits im Besitz der Stadt und wird des­halb kei­ne Pro­ble­me machen. Durch den Bebau­ungs­plan sol­len die pla­nungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Errich­tung einer Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke zwi­schen dem Indus­trie­ge­biet „Ber­ner Feld“ und der his­to­ri­schen Innen­stadt geschaf­fen werden.

Der Ein­stiegs­be­reich der Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke ist auf einem Flur­stücks namens „Bei der Steig­ka­pel­le“ geplant. Das spart den Stein­bruch am Schaf­wa­sen aus. Eigen­tü­mer Bene­dikt Becker. Der will ihn offen­bar nicht her­ge­ben. Der Brü­cken­in­ves­tor und sein Team pla­nen des­halb mit der Vari­an­te, die neben dem Stein­bruch ankommt. Not­falls sei­en sie jeder­zeit so varia­bel, um spä­ter zu ver­län­gern, hieß es.

Span­nend wird im Bebau­ungs­plan­ver­fah­ren, ob etwa Natur- oder Denk­mal­schutz­grün­de das Pro­jekt noch ver­hin­dern. Tei­le des Bebau­ungs­plan-Gel­tungs­be­reichs lie­gen im Land­schafts­schutz­ge­biet „Neckar­tal mit Sei­ten­tä­lern von Rott­weil bis Aistaig“. Der Gel­tungs­be­reich über­la­gert sich mit dem Über­schwem­mungs­ge­biet „Neckar / Aistai­gLauf­fen“. Und: Im Bereich des Bocks­hofs befin­den sich meh­re­re Kul­tur­denk­ma­le nach dem Denk­mal­schutz­ge­setz: die Stadt­mau­er, der Pul­ver­turm sowie die Lorenz­ka­pel­le. Zudem besteht ein Schutz nach Para­graf 19 Denk­mal­schutz­ge­setz für die Gesamt­an­la­ge aus Stadt­mau­er, Brü­cken und Ver­kehrs­we­gen in der his­to­ri­schen Innenstadt.

Zur Ermitt­lung mög­li­cher Aus­wir­kun­gen des Vor­ha­bens etwa auf schutz­be­dürf­ti­ge Nut­zun­gen in der Nach­bar­schaft soll ein Ver­kehrs­gut­ach­ten und eine schall­tech­ni­sche Unter­su­chung erstellt wer­den. Die Belan­ge des Arten­schut­zes wer­den im Rah­men einer soge­nann­ten spe­zi­el­len arten­schutz­recht­li­chen Prü­fung erör­tert. Wei­te­re gut­ach­ter­li­che Unter­su­chun­gen wer­den geprüft und nach Bedarf und Fest­le­gung im Rah­men der Umwelt­prü­fung erar­bei­tet, ver­spricht die Stadtverwaltung.

Sowohl der Bebau­ungs­plan als auch die par­al­lel lau­fen­de not­wen­di­ge Ände­rung des Flä­chen­nut­zungs­plans wer­den laut Stadt­ver­wal­tung in einem zwei­stu­fi­gen Ver­fah­ren vor­ge­nom­men. Die Öffent­lich­keit und die Behör­den wer­den in einem soge­nann­ten früh­zei­ti­gen Betei­li­gungs­ver­fah­ren über die Pla­nung infor­miert. Ihnen wer­de so die Gele­gen­heit gege­ben, sich neben der spä­ter fol­gen­den klas­si­schen Offen­la­ge früh­zei­tig über die Pla­nung zu infor­mie­ren und sich durch Anre­gun­gen aktiv am Ver­fah­ren zu betei­li­gen, erklärt die Stadtverwaltung.

Klar ist, wer das alles bezahlt: Der Vor­ha­ben­trä­ger – das ist Inves­tor Eber­hardt – sei bereit, für das Bebau­ungs­plan­ver­fah­ren die erfor­der­li­chen Unter­la­gen zu erstel­len bezie­hungs­wei­se erstel­len zu las­sen und sich des Wei­te­ren zur Pla­nung und Durch­füh­rung der
Erschlie­ßungs­maß­nah­men und zur Rea­li­sie­rung des Bau­vor­ha­bens inner­halb einer noch zu bestim­men­den Frist sowie zur Tra­gung der Pla­nungs- und Erschlie­ßungs­kos­ten in einem Städ­te­bau­li­chen Ver­trag zu ver­pflich­ten, so die Stadtverwaltung.