Jahrzehntelang musste Grässlin draußen bleiben - hier bei einer Demonstration im Jahr 2013. Nun gehört ihm der Laden - zumindest ein winzig kleines Stück davon. Archiv-Foto: him

OBERNDORF/SULZ  (him) – Einem der schärfs­ten Kri­ti­ker des Obern­dor­fer Rüs­tungs­un­ter­neh­mens Heck­ler und Koch gehört nun ein Teil der Fir­ma. Jür­gen Gräss­lin hat sich eine Aktie gekauft. Er besitzt damit einen – zuge­ge­be­ner­ma­ßen win­zi­gen – Teil der Fir­ma. Doch damit sind Rech­te ver­bun­den, die Gräss­lin nut­zen möch­te. Und das schon am Dienstag.

Nach der Umwand­lung des Obern­dor­fer Waf­fen­her­stel­lers Heck­ler und Koch wird es nun, wie im Akti­en­recht vor­ge­se­hen, auch eine Aktio­närs­ver­samm­lung geben. Sie soll am 15. August in Sulz-Glatt hin­ter ver­schlos­se­nen Türen in einem Wirts­haus­saal stattfinden.

Auf der Home­page des Unter­neh­mens ist der Ter­min nur schwer zu fin­den http://www.heckler-koch.com/de/ir/ir-mitteilungen.html .  Ein­ge­la­den hat die Fir­ma nur die Aktio­nä­re des Unter­neh­mens. Laut Rüs­tungs­kri­ti­ker Jür­gen Gräss­lin hat­te Heck­ler und Koch 21 Mil­lio­nen Akti­en aus­ge­ge­ben, von denen ledig­lich 5000 in den frei­en Han­del gelangt sei­en. Sie kos­ten der­zeit um die 240 Euro. Inner­halb des letz­ten Jah­res ist der Kurs aller­dings zwi­schen 18 Euro und 305 Euro wild hin und her gepen­delt. (Text korrigiert.)

Fragen an den Vorstand

Auf ver­schlun­ge­nen Wegen ist es eini­gen Rüs­tungs­geg­nern um Gräss­lin gelun­gen, Akti­en von Heck­ler und Koch an der Bör­se in Paris zu kau­fen. Sie wol­len in Sulz dem Vor­stand und dem Auf­sichts­rat „kri­ti­sche Fra­gen stel­len“. Und das, obwohl der neue Vor­stand ange­kün­digt hat­te, künf­tig  Kriegs­waf­fen nur noch in ver­ant­wort­ba­re „grü­ne“ Län­der expor­tie­ren zu wollen.

Die Heck­ler-und Koch-Kri­ti­ker haben ange­kün­digt, so woll­ten unter ande­rem nach den Vor­stands­ge­häl­tern fra­gen, weil die­se nicht indi­vi­dua­li­siert ver­öf­fent­licht wer­den sollen.

Nach­fra­gen wol­len sie aber auch, wes­halb die „die unzäh­li­gen Opfer der Jahr­zehn­te wäh­ren­den H&K-Rüstungsexportpolitik sowie der Lizenz­ver­ga­ben …  in den Geschäfts­un­ter­la­gen in kei­ner Wei­se erwähnt und die Hin­ter­blie­be­nen wohl noch immer nicht ent­schä­digt“ würden.

Auch fän­den  Gewehr­ex­por­te in „rote Staa­ten“ wie Indo­ne­si­en und Malay­sia  trotz schwe­rer Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen wei­ter­hin statt. Auch nach Süd­ko­rea lie­fe­re Heck­ler und Koch „trotz der dra­ma­ti­schen Sicher­heits­la­ge“  wei­ter nach dem Mot­to, man erfül­le nur gel­ten­de Ver­ein­ba­run­gen von vor 2016.

Die 220-Millionen-Anleihe

Kri­tisch fra­gen wol­len Gräss­lin und sei­ne Mit­strei­ter auch nach der Refi­nan­zie­rung der Anlei­he in Höhe von 220 Mil­lio­nen Euro. Sie soll laut Unter­neh­mens­mit­tei­lung vom 24. Juli  vor­zei­tig am 24. August ein­schließ­lich auf­ge­lau­fe­ner Zin­sen in Höhe von 5,8 Mil­lio­nen Euro zurück­ge­zahlt wer­den. Um einen Teil die­ser Sum­me zah­len zu kön­nen, hat­te das Unter­neh­men eine Kapi­tal­er­hö­hung von 50 Mil­lio­nen Euro plat­ziert. Durch die Refi­nan­zie­rung „erspart sich das Unter­neh­men hohe Zins­auf­wen­dun­gen“, heißt es in der Mit­tei­lung. Für die­se Anlei­he zahlt das Unter­neh­menn näm­lich seit 2011 einen sehr hohen Zins­satz von 9,5 Prozent.

Die­se Refi­nan­zie­rung wer­de „mög­li­cher­wei­se von frag­wür­di­gen Umstän­den beglei­tet“, so Gräss­lin. Er will erfah­ren haben, dass die Fir­men­spit­ze  jüngst ver­sucht habe, einen füh­ren­den Mit­ar­bei­ter angeb­lich mit einer beträcht­li­chen Finanz­sum­me „ruhig zu stel­len“. Auch danach wer­de er fra­gen, kün­digt er an.

Keine Presse

Die Aktio­närs­ver­samm­lung „ist nicht öffent­lich. Es wird auch aus Grün­den des Aktio­närs­schut­zes kei­ne Pres­se zuge­las­sen.“  So das Unter­neh­men an einen Jour­na­lis­ten, der sich akkre­di­tie­ren las­sen woll­te. Anders als in Haupt­ver­samm­lun­gen ande­rer Unter­neh­men schlie­ße Heck­ler und Koch wohl  „selbst bei den Rede­bei­trä­gen des Vor­stands­vor­sit­zen­den und des Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den Medi­en­ver­tre­ter aus“, ver­mu­tet Grässlin.