Ohne Einsicht und Respekt: Brandalarm in Rottweil deckt Probleme auf

Handwerker lösen Brandmelder aus

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Einkaufen, während der Einsatz läuft. Foto: Peter Arnegger

Der Alarm eines Brand­mel­ders im Alten Post­amt in Rott­weils his­to­ri­scher Innen­stadt hat am frü­hen Mit­tag eine Rei­he von Pro­ble­men für die Ein­satz­kräf­te auf­ge­deckt. „Es ist alles gut gegan­gen”, so das Resü­mee von Stadt­brand­meis­ter Frank Mül­ler, des­sen Feu­er­wehr allein mit vier Fahr­zeu­gen anrück­te. Aber es war teils all­zu eng. Und die Auto­fah­rer? Im größ­ten Recht und ohne Ein­sicht und Respekt.

20 Euro hat es einen Auto­fah­rer aus dem Kreis Calw gekos­tet, dass er aus­ge­rech­net wäh­rend eines Ein­sat­zes von Feu­er­wehr, Rotem Kreuz und Poli­zei in der Rott­wei­ler Innen­stadt par­ken muss­te. „Der Mann hat getan wie der Teu­fel”, so Ord­nungs­amts­mit­ar­bei­ter Klaus Hug zur NRWZ. Hug hat­te dem Cal­wer da gera­de einen Straf­zet­tel aus­ge­stellt. Einen mit Augen­maß, wie der Stadt­she­riff betont. Den­noch habe der Auto­fah­rer kei­ner­lei Ein­se­hen gezeigt.

Der Mann aus Calw mein­te da allen Erns­tes noch, die Feu­er­wehr sol­le halt einen ande­ren Weg wäh­len, wenn sie an sei­nem Wagen nicht vor­bei kom­me. Hug kann da nur noch mit dem Kopf schüt­teln. „Es gibt Men­schen, die haben kei­ner­lei Respekt mehr vor einer Uni­form”, berich­tet er. Mül­ler sagt sogar fast ent­schul­di­gend: „Wir kom­men nicht mit jedem Fahr­zeug um jede Ecke.”

Klaus Hug muss ein­schrei­ten. Fotos: gg

Eben­so ver­ständ­nis­los ein Hal­len­ser. Der woll­te doch wirk­lich an zwei Ein­satz­fahr­zeu­gen der Feu­er­wehr aus der Hoh­len­gra­ben­gas­se zum Markt in der Fuß­gän­ger­zo­ne fah­ren. Stadt­she­riff Hug muss­te sei­ne gan­ze Über­zeu­gungs­kraft ein­set­zen, um den Mann davon abzu­brin­gen. Und all das pas­sier­te, wäh­rend noch Feu­er­wehr­fahr­zeu­ge nach­rück­ten. Ein Lösch­fahr­zeug und die Drehleiter.

Der Lie­fer­wa­gen braucht auch sei­nen Platz. Foto: gg

Und natür­lich steht zugleich auch der Lie­fer­wa­gen eines Paket­diens­tes den Ret­tungs­kräf­ten im Weg. Der arme Mann muss Pake­te in der Innen­stadt aus­lie­fern und ist des­halb wäh­rend des lau­fen­den Wochen­markts selbst län­ger zu Fuß unter­wegs. Böse ist ihm Stadt­brand­meis­ter Mül­ler des­halb nicht. Er sieht den abge­stell­ten Lie­fer­wa­gen nur als eines der vie­len Hin­der­nis­se, um die her­um die Ret­tung von Men­schen und die Bekämp­fung von Feu­er statt­fin­den müss­te, wenn es mal zu einem Ernst­fall kommt.

Ein­satz wäh­rend des lau­fen­den Wochen­markts. Fotos: gg

Apro­pos Wochen­markt: Wenn die Groß­fahr­zeu­ge der Feu­er­wehr anrü­cken, dann wird es ganz plötz­lich sehr, sehr eng in der Mit­tel­gas­se zwi­schen den Stän­den. „Die Markt­leu­te sagen uns immer, sie wür­den ihren Stand schnell zusam­men klap­pen, wenn wir kom­men”, so Mül­ler wis­send lächelnd zur NRWZ. Allein: „Es geht im Alarm­fall ver­dammt schnell.” Und das Inter­es­san­te dabei: Die Kun­den las­sen sich gar nicht groß vom lau­fen­den Ein­satz aus der Ruhe brin­gen. Sie kau­fen wei­ter­hin Toma­ten, Salat oder Käse, als wäre das dröh­nen­de Mar­tins­horn und die anrü­cken­den Ein­satz­kräf­te das Nor­mals­te von der Welt.

Und manch ein Markt­kun­de schlen­dert see­len­ru­hig wei­ter vor den ein­tref­fen­den Feu­er­wehr­fahr­zeu­gen her­um. Es scheint gar nicht zu den Leu­ten durch­zu­drin­gen, dass sie im Weg sein könn­ten. „End­lich ist hier mal was los”, scheint so manch ein lächeln­des Gesicht aus­zu­drü­cken. Ernst scheint das Ein­satz­ge­sche­hen kei­ner zu neh­men. Vor dem nahe gele­ge­nen Eis­ca­fé wird wei­ter ent­spannt Pfeif­chen geraucht.

Das sel­be Pro­blem für den Ret­tungs­dienst – der aber direkt die Obe­re Haupt­stra­ße für die Anfahrt zum ehe­ma­li­gen Post­amt nutz­te. Ein­mal durchs gesam­te ein­kau­fen­de Volk durch. Zu einem Zeit­punkt, als noch längst nicht fest­stand, wie ernst der Ein­satz wer­den wür­de. Mül­ler diri­gier­te sei­ne Feu­er­wehr­fahr­zeu­ge auf dem mög­lichst kur­zen Weg durch die Gas­sen. Er selbst war von der Stadt­hal­le aus ange­rückt, wo gera­de eine Bespre­chung mit den Ver­ant­wort­li­chen für die AfD-Wahl­kampf­ver­an­stal­tung am 18. Sep­tem­ber lief. Auch dort ging es gera­de um Sicher­heit, als Mül­ler alar­miert wurde.

Brand­mel­der wird zurück gesetzt. Fotos: gg

Der Ein­satz nun war kein erns­ter. Gott­sei­dank. Es war ein Falsch­alarm. Bau­ar­bei­ter hat­ten die Brand­mel­der nicht beach­tet und drauf­los geschafft. Sie waren offen­bar vom Betrei­ber des Gebäu­des, der Fir­ma Wohn­in­vest auch nicht dar­über infor­miert wor­den, dass sie die Brand­mel­der zu berück­sich­ti­gen hätten.

Den Hand­wer­kern wur­de die Wei­ter­ar­beit unter­sagt, bis die Brand­mel­de­an­la­ge ent­schärft ist. Und Mül­ler atme­te tief durch, es ist ja noch­mal gut gegangen.