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Montag, 6. April 2020
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    5G ist Basis für neue Innovation im Mittelstand

    „IHK Mobilfunkgipfel“ unterstreicht Ausbaubedarf im Mobilfunk

    Schramberg. Der neue Mobilfunkstandard 5G beschäftigt Politiker, die Wirtschaft und die Verbraucher. Das neue Verfahren verspricht die Übertragung von großen Datenmengen mit enormer Geschwindigkeit. Doch wie kann es gelingen, diese Vorteile auch in einer eher ländlichen Region wie der Region Schwarzwald-Baar Heuberg bereit zu stellen? Um das zu klären hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) laut einer Pressemitteilung Fachleute aus der Kommunalpolitik, von den Telekommunikationsunternehmen, der Wissenschaft und der Wirtschaft an einen Tisch gebracht.

    Bei der Firma MS-Schramberg traf man sich. Fazit nach gut zwei Stunden: „Es wird nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen“, so IHK-Vizepräsident Dr. Hans-Rüdiger Schewe. In seiner Begrüßung hatte Schewe erklärt, die Region sei wie kaum eine andere von der Industrie geprägt: „Jeder zweite Euro wird in der Industrie verdient.“ Für einen solchen Industriestandort sei eine starke Infrastruktur entscheidend. Und dazu gehöre eine flächendeckende und leistungsfähige Versorgung mit Mobilfunk und Breitband. Der neue Mobilfunkstandard 5G sei bei der Digitalisierung der nächste Meilenstein, möglicherweise so wichtig wie die Einführung des Internet.

    Als Gastgeber bestätigte der Geschäftsführer der Firma MS Schramberg, Dr. Martin Sommer, die Bedeutung von 5G. Dass es kommt und was es bringt, brauche man nicht mehr diskutieren. Es gehe um die Zeitschiene und darum, wie das Allgemein- und das Einzelinteresse abgewogen werden könnten.

    Für die Bundesnetzagentur schilderte Gerhard Jeutter die Ergebnisse der jüngsten 5G-Frequenz-Auktion. Er machte deutlich: „Man braucht 5G, aber nicht für jeden Zweck.“ Er beschrieb die besonderen Möglichkeiten, lokale Frequenzen für 5G-Netze in Industrieunternehmen oder einzelnen Industriegebieten zu nutzen.

    Oliver Sturm, Leiter Network Deployment Region Süd-West bei Vodafone, berichtete, der große Vorteil von 5G sei, dass die Verzögerung von derzeit 30 bis 40 Millisekunden auf etwa eine Millisekunde zurückgehen werde. Dies werde für zukünftige Echtzeitanwendungen der Industrie eine wichtige Rolle spielen. Sein Unternehmen wolle die Zahl seiner Sendeanlagen in der Region deutlich erhöhen. „Das Problem: Jeder will Mobilfunk, keiner will den Mast vor der Türe.“ Vereinfachte Genehmigungsverfahren, Unterstützung durch die Unternehmen und Kommunen wären da hilfreich.

    Jan-Hendrik Jochum von der Telekom betonte, dass die Telekom im Zuge der Ausbauplanung die Zahl ihrer Funkanlagen in der Region verdoppeln möchte und die viel kritisierten „Funklöcher“ insbesondere entlang der Verkehrswege schließen werde. Auch eine verbesserte Ausstattung der Bahn mit Funkverstärkern würde die Versorgungslage „massiv verbessern“.

    In der Diskussion beklagte unter anderem Matthias Stotz, Geschäftsführer von Junghans Uhren in Schramberg, die Mobilfunklöcher im Schwarzwald. Gerade im Austausch mit Geschäftskunden, Gästen und Firmenmitarbeitern sei der Status-Quo der Mobilfunkversorgung schlicht ungenügend. Der Industrie- und Tourismusstandort Schwarzwald brauche hier zwingend eine Verbesserung.

    Das habe auch damit zu tun, dass im Südwesten der Widerstand gegen Funkanlagen größer als in anderen Regionen Deutschlands sei, erläutere Vodafone-Vertreter Sturm. Eine deutliche Erhöhung der Mobilfunkstandorte sei erforderlich, um den steigenden Kapazitätsbedarf der Kunden zu entsprechen und die Deckung in der Fläche zu erhöhen.

    Die Breitbandkoordinatoren der Landkreise wünschten sich mehr Zusammenarbeit der Telekommunikationsunternehmen: beispielsweise beim lokalen Roaming. Dieses meint den automatischen Wechsel zwischen den Netzen der Telekommunikationsbetreiber. Man teile sich schon Funkmasten, erwiderten diese. Beim Roaming gebe es auch technische Probleme und Beispiele aus anderen Ländern, dass ein verpflichtendes Roaming zu Lasten ländlicher Gebiete gehen könne.

    Im Kreis Tuttlingen bietet Wirtschaftsförderer Jörg Sattelmayer den Unternehmen Unterstützung bei der Standortsuche für Funkmasten an. Mit solcher Hilfe ginge der Aufbau „deutlich schneller“, ist Telekom-Vertreter Jochum überzeugt. Oft scheitere man aber am Widerstand aus der Bevölkerung oder an exorbitanten Mietforderungen von Grundstückseigentümern. Hier gelte es, gemeinsam auch politisch zu arbeiten. Tenor: „Wir müssen aufklären.“

    Umstritten war, ob 5G wirklich flächendeckend angeboten werden muss. IHK-Vizepräsident und Logistikunternehmer Achim Scherer verwies auf das autonome Fahren und die Logistik, die auf flächendeckenden 5G-Mobilfunk angewiesen sei.

    In seinem Schlusswort lobte IHK-Vizepräsident Dr. Hans-Rüdiger Schewe den sehr intensiven Meinungsaustausch. Eines sei klargeworden, es dürfe keinen Bereich geben, der Digitalisierung nicht mitmachen könne, weil die Versorgung fehlt. Um das zu verhindern, müsse „jeder seinen Job machen“.

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