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Montag, 9. Dezember 2019
Start Schram­berg 5G ist Basis für neue Inno­va­ti­on im Mit­tel­stand

5G ist Basis für neue Innovation im Mittelstand

„IHK Mobil­funk­gip­fel“ unter­streicht Aus­bau­be­darf im Mobil­funk

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Schram­berg. Der neue Mobil­funk­stan­dard 5G beschäf­tigt Poli­ti­ker, die Wirt­schaft und die Ver­brau­cher. Das neue Ver­fah­ren ver­spricht die Über­tra­gung von gro­ßen Daten­men­gen mit enor­mer Geschwin­dig­keit. Doch wie kann es gelin­gen, die­se Vor­tei­le auch in einer eher länd­li­chen Regi­on wie der Regi­on Schwar­z­­wald-Baar Heu­berg bereit zu stel­len? Um das zu klä­ren hat­te die Indus­­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) laut einer Pres­se­mit­tei­lung Fach­leu­te aus der Kom­mu­nal­po­li­tik, von den Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men, der Wis­sen­schaft und der Wirt­schaft an einen Tisch gebracht.

Bei der Fir­ma MS-Schram­berg traf man sich. Fazit nach gut zwei Stun­den: „Es wird nur gelin­gen, wenn alle an einem Strang zie­hen“, so IHK-Vize­­prä­­si­­dent Dr. Hans-Rüdi­ger Schewe. In sei­ner Begrü­ßung hat­te Schewe erklärt, die Regi­on sei wie kaum eine ande­re von der Indus­trie geprägt: „Jeder zwei­te Euro wird in der Indus­trie ver­dient.“ Für einen sol­chen Indus­trie­stand­ort sei eine star­ke Infra­struk­tur ent­schei­dend. Und dazu gehö­re eine flä­chen­de­cken­de und leis­tungs­fä­hi­ge Ver­sor­gung mit Mobil­funk und Breit­band. Der neue Mobil­funk­stan­dard 5G sei bei der Digi­ta­li­sie­rung der nächs­te Mei­len­stein, mög­li­cher­wei­se so wich­tig wie die Ein­füh­rung des Inter­net.

Als Gast­ge­ber bestä­tig­te der Geschäfts­füh­rer der Fir­ma MS Schram­berg, Dr. Mar­tin Som­mer, die Bedeu­tung von 5G. Dass es kommt und was es bringt, brau­che man nicht mehr dis­ku­tie­ren. Es gehe um die Zeit­schie­ne und dar­um, wie das All­ge­­mein- und das Ein­zel­in­ter­es­se abge­wo­gen wer­den könn­ten.

Für die Bun­des­netz­agen­tur schil­der­te Ger­hard Jeut­ter die Ergeb­nis­se der jüngs­ten 5G-Fre­quenz-Auk­­ti­on. Er mach­te deut­lich: „Man braucht 5G, aber nicht für jeden Zweck.“ Er beschrieb die beson­de­ren Mög­lich­kei­ten, loka­le Fre­quen­zen für 5G-Net­­ze in Indus­trie­un­ter­neh­men oder ein­zel­nen Indus­trie­ge­bie­ten zu nut­zen.

Oli­ver Sturm, Lei­ter Net­work Deploy­ment Regi­on Süd-West bei Voda­fone, berich­te­te, der gro­ße Vor­teil von 5G sei, dass die Ver­zö­ge­rung von der­zeit 30 bis 40 Mil­li­se­kun­den auf etwa eine Mil­li­se­kun­de zurück­ge­hen wer­de. Dies wer­de für zukünf­ti­ge Echt­zeit­an­wen­dun­gen der Indus­trie eine wich­ti­ge Rol­le spie­len. Sein Unter­neh­men wol­le die Zahl sei­ner Sen­de­an­la­gen in der Regi­on deut­lich erhö­hen. „Das Pro­blem: Jeder will Mobil­funk, kei­ner will den Mast vor der Türe.“ Ver­ein­fach­te Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren, Unter­stüt­zung durch die Unter­neh­men und Kom­mu­nen wären da hilf­reich.

Jan-Hen­drik Jochum von der Tele­kom beton­te, dass die Tele­kom im Zuge der Aus­bau­pla­nung die Zahl ihrer Funk­an­la­gen in der Regi­on ver­dop­peln möch­te und die viel kri­ti­sier­ten „Funk­lö­cher“ ins­be­son­de­re ent­lang der Ver­kehrs­we­ge schlie­ßen wer­de. Auch eine ver­bes­ser­te Aus­stat­tung der Bahn mit Funk­ver­stär­kern wür­de die Ver­sor­gungs­la­ge „mas­siv ver­bes­sern“.

In der Dis­kus­si­on beklag­te unter ande­rem Mat­thi­as Stotz, Geschäfts­füh­rer von Jung­hans Uhren in Schram­berg, die Mobil­funk­lö­cher im Schwarz­wald. Gera­de im Aus­tausch mit Geschäfts­kun­den, Gäs­ten und Fir­men­mit­ar­bei­tern sei der Sta­­tus-Quo der Mobil­funk­ver­sor­gung schlicht unge­nü­gend. Der Indus­­trie- und Tou­ris­mus­stand­ort Schwarz­wald brau­che hier zwin­gend eine Ver­bes­se­rung.

Das habe auch damit zu tun, dass im Süd­wes­ten der Wider­stand gegen Funk­an­la­gen grö­ßer als in ande­ren Regio­nen Deutsch­lands sei, erläu­te­re Voda­­fo­ne-Ver­­­tre­­ter Sturm. Eine deut­li­che Erhö­hung der Mobil­funk­stand­or­te sei erfor­der­lich, um den stei­gen­den Kapa­zi­täts­be­darf der Kun­den zu ent­spre­chen und die Deckung in der Flä­che zu erhö­hen.

Die Breit­band­ko­or­di­na­to­ren der Land­krei­se wünsch­ten sich mehr Zusam­men­ar­beit der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men: bei­spiels­wei­se beim loka­len Roa­ming. Die­ses meint den auto­ma­ti­schen Wech­sel zwi­schen den Net­zen der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­trei­ber. Man tei­le sich schon Funk­mas­ten, erwi­der­ten die­se. Beim Roa­ming gebe es auch tech­ni­sche Pro­ble­me und Bei­spie­le aus ande­ren Län­dern, dass ein ver­pflich­ten­des Roa­ming zu Las­ten länd­li­cher Gebie­te gehen kön­ne.

Im Kreis Tutt­lin­gen bie­tet Wirt­schafts­för­de­rer Jörg Sat­tel­may­er den Unter­neh­men Unter­stüt­zung bei der Stand­ort­su­che für Funk­mas­ten an. Mit sol­cher Hil­fe gin­ge der Auf­bau „deut­lich schnel­ler“, ist Tele­­kom-Ver­­­tre­­ter Jochum über­zeugt. Oft schei­te­re man aber am Wider­stand aus der Bevöl­ke­rung oder an exor­bi­tan­ten Miet­for­de­run­gen von Grund­stücks­ei­gen­tü­mern. Hier gel­te es, gemein­sam auch poli­tisch zu arbei­ten. Tenor: „Wir müs­sen auf­klä­ren.“

Umstrit­ten war, ob 5G wirk­lich flä­chen­de­ckend ange­bo­ten wer­den muss. IHK-Vize­­prä­­si­­dent und Logis­tik­un­ter­neh­mer Achim Sche­rer ver­wies auf das auto­no­me Fah­ren und die Logis­tik, die auf flä­chen­de­cken­den 5G-Mobil­­funk ange­wie­sen sei.

In sei­nem Schluss­wort lob­te IHK-Vize­­prä­­si­­dent Dr. Hans-Rüdi­ger Schewe den sehr inten­si­ven Mei­nungs­aus­tausch. Eines sei klar­ge­wor­den, es dür­fe kei­nen Bereich geben, der Digi­ta­li­sie­rung nicht mit­ma­chen kön­ne, weil die Ver­sor­gung fehlt. Um das zu ver­hin­dern, müs­se „jeder sei­nen Job machen“.

 

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