Arbeitgeber wollen flexible Arbeitszeitmodelle

17. „Villinger Rechtsgespräch“ nimmt Entwicklungen im Arbeitsrecht in den Blick

Dr. Rüdiger Linck, Bundesarbeitsgericht Erfurt. Über dessen Rede erfahren wir leider nix. Foto: Südwestmetall

VILLINGEN-SCHWENNINGEN (pm) – „Eine neue Bun­des­re­gie­rung muss die Rah­men­be­din­gun­gen in Deutsch­land end­lich wie­der so set­zen, dass die Unter­neh­men in Deutsch­land wett­be­werbs­fä­hi­ger agie­ren kön­nen“, for­der­te der Geschäfts­füh­rer der Bezirks­grup­pe Schwarz­wald-Hegau des Arbeit­ge­ber­ver­bands Süd­west­me­tall, Ralph Wurs­ter, am Diens­tag anläss­lich des 17. „Vil­lin­ger Rechts­ge­sprächs“ in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen. In einer Pres­se­mit­tei­lung berich­tet der Ver­band wei­ter:

„Wir kön­nen uns nicht noch­mal vier Jah­re wirt­schafts­po­li­ti­schen Still­stand leis­ten“, sag­te Wurs­ter bei der von sei­nem Ver­band ver­an­stal­te­ten Tagung in der Neu­en Ton­hal­le vor etwa 70 Ver­tre­tern aus Wirt­schaft, Poli­tik und Rechts­we­sen. Haupt­re­fe­rent der Ver­an­stal­tung war der Vize­prä­si­dent des Bun­des­ar­beits­ge­richts, Dr. Rüdi­ger Linck.

Im arbeits­recht­li­chen Bereich sei es für die Unter­neh­men wich­tig, dass die künf­ti­ge Bun­des­re­gie­rung neue Arbeits­zeit­mo­del­le im Rah­men der Digi­ta­li­sie­rung ermög­licht. Dafür müs­se in der neu­en Legis­la­tur­pe­ri­ode drin­gend das Arbeits­zeit­recht fle­xi­bi­li­siert wer­den, erklär­te Wurs­ter: „Moder­nen fle­xi­blen Arbeits­zeit­mo­del­len wer­den heu­te etwa durch die täg­li­che Höchst­ar­beits­gren­ze von acht bezie­hungs­wei­se zehn Stun­den zu enge Gren­zen gezo­gen. Das­sel­be gilt für die gesetz­li­che elf­stün­di­ge Ruhe­zeit zwi­schen Arbeits­en­de und Arbeits­be­ginn.“ Die ver­ein­bar­te Gesamt­ar­beits­zeit müs­se künf­tig fle­xi­bler und bedarfs­ge­rech­ter ein­ge­setzt wer­den kön­nen, so der Bezirks­grup­pen-Vor­sit­zen­de. „Das ist im Inter­es­se der Unter­neh­men – und der Arbeit­neh­mer.“

Die künf­ti­ge Bun­des­re­gie­rung müs­se auch den Büro­kra­tie­ab­bau kon­se­quen­ter ange­hen, so der Arbeit­ge­ber­ver­tre­ter: „Wir spre­chen uns für eine ver­schärf­te Büro­kra­tie­brem­se aus: eine „One in – Two out“-Regel. Füh­ren Rege­lungs­vor­ha­ben zu kon­kre­ten und unmit­tel­ba­ren Belas­tun­gen der Wirt­schaft, soll die­ser Zuwachs an ande­rer Stel­le durch Büro­kra­tie- und Vor­schrif­ten­ab­bau in dop­pel­ter Höhe kom­pen­siert wer­den.“

Von eben­falls gro­ßer Bedeu­tung für den hei­mi­schen Wirt­schafts­stand­ort sei die wei­te­re Ent­wick­lung der Lohn­ne­ben­kos­ten, erklär­te Wurs­ter: „Auch in der neu­en Legis­la­tur­pe­ri­ode müs­sen die Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge bei 40 Pro­zent gede­ckelt blei­ben. Die Arbeits­kos­ten sind nun ein­mal ein zen­tra­ler Aspekt, wenn Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen zwi­schen ver­schie­de­nen mög­li­chen Stand­or­ten gefällt wer­den.“

Eine Regie­rung, die die 40-Pro­zent-Gren­ze preis­ge­ben wür­de, wür­de aus Sicht der Arbeit­ge­ber ein abso­lut nega­ti­ves Signal an alle sen­den, die sol­che Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen tref­fen müs­sen, so Wurs­ter. Der Poli­tik müs­se klar sein: „Jeder zusätz­li­che Anstieg der Lohn­ne­ben­kos­ten gefähr­det das Fun­da­ment, auf dem das gesam­te Sozi­al­sys­tem steht.“