Sitzt auf dem Berner Feld, gleich beim neuen Testturm: Mikron Rottweil. Foto: gg
Sitzt auf dem Berner Feld, gleich beim neuen Testturm: Mikron Rottweil. Foto: gg

Der Maschi­nen­bau­er Mikron, in Rott­weil zuletzt Arbeit­ge­ber von 140 Men­schen, steckt offen­bar in wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten. Geschäfts­füh­rer Peter Sau­ter bestä­tig­te gegen­über der ört­li­chen Pres­se bereits ein Absatz­pro­blem mit dem ein­zi­gen am Stand­ort gefer­tig­ten Pro­dukt. Ver­set­zun­gen und Vor­ru­he­stands­re­ge­lun­gen sei­en die Ant­wort der Geschäfts­lei­tung. Gibt es auch Kün­di­gun­gen im gro­ßen Stil? Unklar.

Der NRWZ liegt ein anony­mes Schrei­ben vor, des­sen Ver­fas­ser „schwe­re Tur­bu­len­zen beim Rott­wei­ler Maschi­nen­her­stel­ler Mikron” sieht. Dar­in ist die Rede von Ent­las­sun­gen – von einem Fünf­tel der Mit­ar­bei­ter der Maschi­nen­spar­te -, von Auf­he­bungs­ver­trä­gen und Kün­di­gun­gen. „Die Zukunft der ein­zi­gen am Stand­ort gefer­tig­ten Maschi­ne ‚Mul­tistep‘ ist laut Insi­dern sehr unge­wiss”, heißt es in dem Schrei­ben. Es spricht wei­ter von einer schlech­ten Absatz­si­tua­ti­on, einer bereits erfolg­ten Kün­di­gungs­wel­le Ende 2015 und einer bevor­ste­hen­den wei­te­ren.

Die NRWZ hat den Brief dem betrof­fe­nen Unter­neh­men vor­ge­legt. Dort bezieht man sich auf die Aus­künf­te, die bereits der loka­len Tages­zei­tung gege­ben wor­den sei­en. Dar­in bestä­tigt Geschäfts­füh­rer Peter Sau­ter, dass es ein Absatz­pro­blem gebe, Grund sei eine „ver­un­si­cher­te Markt­si­tua­ti­on im Auto­mo­bil­be­reich”, dar­aus fol­gend eine „Kauf­zu­rück­hal­tung.”

Zwölf Pro­zent der 140-köp­fi­gen Beleg­schaft sei­en in ande­re Geschäfts­be­rei­che über­führt wor­den, wird Sau­ter wei­ter zitiert. Das ent­spricht rech­ne­risch 16,8 Ver­set­zun­gen. Mit acht Pro­zent der Mit­ar­bei­ter, also gut elf Men­schen, wür­den Vor­ru­he­stands­re­ge­lun­gen aus­ge­han­delt, steht dort wei­ter.

Ziel sei es, den Stand­ort Rott­weil zu erhal­ten, zitiert das Blatt Sau­ter – und macht damit klar, dass es durch­aus um die Wurst gehe. Von Kün­di­gun­gen ist in dem kur­zen Bericht nicht die Rede.

Die NRWZ hat nun die Gewerk­schaft, die IG Metall auf den Plan geru­fen. Wir woll­ten Aus­kunft dar­über, was bei Mikron los ist. Das Pro­blem: Die IG Metall ver­fügt nicht über einen Zugang zum Unter­neh­men. Mikron Rott­weil hat nach Aus­kunft von Gewerk­schafts­se­kre­tär Andre­as Zieg­ler kei­nen Betriebs­rat. „Die Fir­ma ist für mich ein schwar­zes Loch”, sagt der für die Regi­on Freu­den­stadt und Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen zustän­di­ge Gewerk­schafts­mann. Es wird den Chef des Unter­neh­mens freu­en: Zieg­ler hat zur­zeit nicht ein­mal einen Kon­takt­mann im Unter­neh­men, der ihm was ste­cken könn­te über die Situa­ti­on. 

Der Gewerk­schaf­ter bestä­tigt, dass es Maschi­nen­bau­ern, die wie Mikron von der Auto­mo­bil­in­dus­trie abhän­gig sind, gera­de nicht gut gehe. „Man­che haben mas­si­ve Pro­ble­me”, sagt er und nennt bei­spiel­haft einen Namen. Für vor­stell­bar hält er es, dass Mikron daher der­zeit auf die Absatz­pro­ble­me mit sei­nem Pro­duk­ti­ons­sys­tem „Mul­tistep” mit Ent­las­sun­gen reagie­re. Allein: Auch Zieg­ler weiß das nicht sicher.

Der Gewerk­schaf­ter nutzt die Gunst des Zei­tungs­in­ter­views zur Eigen­wer­bung. „Ein Betriebs­rat muss bei allen Per­so­nal­ent­schei­dun­gen gehört wer­den”, emp­fiehlt er den Mikron-Leu­ten, einen sol­chen zu grün­den. Etwa auch bei Kün­di­gun­gen kön­ne die­ser ein Wört­chen mit­re­den, müs­se vor­her ange­hört wer­den. Dann gebe es bei einer Kün­di­gungs­wel­le auch eine vor­he­ri­ge Sozi­al­aus­wahl. Bei Unter­neh­men ohne Betriebs­rat gel­ten schlicht die gesetz­li­chen Rege­lun­gen und muss der Mit­ar­bei­ter selbst für sei­ne Rech­te ein­tre­ten. Und kann immer erst auf eine bereits aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung reagie­ren.

Ab 100 Beschäf­tig­ten habe, so Zieg­ler wei­ter, ein Betriebs­rat auch das Recht, die Bücher des Betriebs ein­zu­se­hen. Dann kom­me er „an ech­te Zah­len ran.” Ohne eine Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung dage­gen sei­en die Mit­ar­bei­ter „vogel­frei”, so Gewerk­schaf­ter Zieg­ler.