Ausbildungsjahr 2020/2021: Mehr Lehrstellen als Bewerberinnen und Bewerber

Ausbildungsjahr 2020/2021: Mehr Lehrstellen als Bewerberinnen und Bewerber

Der Ausbildungsmarkt bleibe weiterhin von den Folgen der Corona-Krise geprägt, Angebot und Nachfrage würden zudem durch die demografische Entwicklung und den Strukturwandel beeinflusst. Die wirtschaftliche Erholung zeige sich nur langsam, die Folge: Weniger Lehrstellen und weniger Bewerber als im Vorjahr, so die Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen in einer Pressemitteilung. Die Agentur, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg und die Handwerkskammer (HWK) Konstanz haben in einer gemeinsamen Pressekonferenz Bilanz gezogen.

„Eine Ausbildung ist unverändert ein guter Einstieg ins Arbeitsleben. Sie ist das Fundament dafür, dass im künftigen Berufsleben berufliche Entwicklungschancen ergriffen werden können. Gut ausgebildete junge Menschen werden von den Betrieben vor Ort dringend gesucht. Denn sie sichern als Fachkräfte den wirtschaftlichen Erfolg der Region“, seien sich Sylvia Scholz, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos und HWK-Präsident Werner Rottler einig.

“Deshalb möchten wir die jungen Menschen ermutigen, sich bei den Betrieben vor Ort intensiv über die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. Wir stehen den Jugendlichen und den Betrieben aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg beim Übergang von der Schule zum Beruf mit vielen Angeboten – von der Orientierung bis zur Förderung – zur Seite!“

 

Agentur für Arbeit Rottweil – Villingen-Schwenningen

Seit Beginn des Berichtsjahres am 1. Oktober 2020 hätten insgesamt 2739 Bewerberinnen und Bewerber die Ausbildungsvermittlung der Agentur für Arbeit Rottweil – Villingen-Schwenningen bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle in Anspruch genommen. Das waren 286 weniger als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum meldeten Betriebe aus der Region dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit insgesamt 4058 Berufsausbildungsstellen zur Besetzung. Das waren 386 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Im Agenturbezirk mit seinen drei Landkreisen seien somit auf 100 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen rein rechnerisch 67 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber gekommen. „Das Angebot der Ausbildungsstellen lag wie in den vorangegangenen Jahren deutlich über der Zahl der Bewerber, so dass die junge Menschen in unserer Region auch in diesem Jahr die Wahl zwischen zahlreichen Berufsbereichen hatten“, bemerkt Sylvia Scholz.

Von den von der Berufsberatung betreuten Bewerbern hätten knapp die Hälfte (1331) einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen. Ein weiterer Teil entschied sich für ein Studium, Schulbesuch oder Praktikum (602), die Aufnahme einer Arbeit (226), die Teilnahme an einer Fördermaßnahme (89) oder für das Engagement in gemeinnützigen sozialen Diensten (58).

Viele Ausbildungsplätze unbesetzt

Zum Abschluss des Berichtsjahres am 30. September blieben laut Pressemitteilung 522 der 4058 gemeldeten Ausbildungsstellen unbesetzt. „Wir beobachten, dass sich im Vergleich zum Vorjahr mehr Ausbildungsplatzsuchende für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit entschieden haben“, erläutert Scholz. Die Zahl derjenigen Bewerber, die ein Arbeitsverhältnis begonnen hätten, sei um 58 auf 226 Personen gestiegen. Gleichzeitig sei auch die Anzahl der Schulabsolventen um neun Prozent zurückgegangen.

„Schon vor der Pandemie zeigte sich der Fachkräftebedarf als zentrale Herausforderung für die Wirtschaft in unserer Region, angetrieben durch demografische Effekte, den Strukturwandel und eine zunehmende Digitalisierung. Unternehmen befinden sich zunehmend im Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs. Wir möchten Betriebe dazu ermuntern, bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen auch Bewerberinnen und Bewerber im Auge zu behalten, die auf den ersten Blick möglicherweise nicht allen Anforderungen oder einem vermeintlichen Idealbild entsprechen.“

Für Jugendliche mit höherem Unterstützungsbedarf biete die Agentur für Arbeit verschiedene Fördermöglichkeiten wie die Betriebliche Einstiegsqualifizierung oder die Assistierte Ausbildung an. „Wir müssen gemeinsam mit den Betrieben nach Wegen suchen, allen Jugendlichen einen geeigneten Ausbildungsplatz anzubieten. Die Berufsberatung kann gemeinsam mit den jungen Menschen und dem Betrieb individuelle Lösungsstrategien finden. Denn kein Jugendlicher darf verloren gehen – unabhängig von seinen Startchancen!“

Birgit Hakenjos, IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, Präsidentin:

„Landesweit vermelden die Industrie- und Handelskammern einen Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um etwa 3,2 Prozent. Bundesweit beträgt das Minus rund 2 Prozent. In unserer Region, den Landkreisen Tuttlingen, Rottweil und dem Schwarzwald-Baar-Kreis, haben wir zum 31. Oktober dieses Jahres 2040 Ausbildungsverhältnisse neu registriert nach 2058 Ende Oktober 2020. Somit verzeichnen wir ein Minus von 0,9 Prozent im Vergleich zum Oktober 2020.

Birgit Hakenjos, Präsidentin der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg. Foto: pm

Die regionale Wirtschaft bildet weiter auf höchstem Niveau und mit Volldampf aus. Unsere Betriebe leisten mit ihrer hohen Ausbildungsbereitschaft wichtige Investitionen, um die anstehenden Zukunftsaufgaben wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Mobilität bewältigen zu können.

Die IHKs engagieren sich nach Kräften, auch in den letzten Monaten des Jahres für die duale Ausbildung zu werben und auf der Zielgeraden noch Schulabgänger und Betriebe zusammenzubringen. Denn wer die Praxis liebt und spannende Herausforderungen sucht, liegt mit einer Ausbildung goldrichtig.“

 

Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz:

„Das Ausbildungsengagement im Handwerk ist ungebremst hoch. Viele Gewerke sind voll ausgelastet und haben auch die Herausforderungen der Zukunft fest im Blick: Einerseits wird es für das Handwerk noch viel zu tun geben, um die Energiewende umzusetzen. Andererseits schreitet die Digitalisierung weiter voran, in der das Handwerk eine wichtige Rolle spielt.  Insgesamt sind wir im Handwerk mit den aktuellen Ausbildungszahlen im Handwerk zufrieden, die sich stabil zeigen.

Werner Rottler, Präsident der Handwerkskammer Konstanz. Foto: pm

Wir haben über alle Gewerke hinweg mit insgesamt 1673 neuen Ausbildungsverhältnissen nur einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 2,7 Prozent zu verzeichnen. Der Anteil der Abiturienten ist erneut gestiegen und liegt nun bei 16 Prozent. Wir werten das als positiven Beweis dafür, dass eine handwerkliche Ausbildung auch in Krisenzeiten als wichtige Basis für eine sichere berufliche Zukunft gesehen wird. Durch Unterstützungsangebote wie die Ausbildungsbegleitung bei der Handwerkskammer oder unserer Kümmererstelle fördern wir auch schwächere junge Menschen in der Ausbildung. Bei uns gilt: Wer mit Leidenschaft ans Werk geht, hat alle Chancen auf eine erfüllende Zukunft.“

 

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 24. November 2021 von Pressemitteilung (pm). Erschienen unter https://www.nrwz.de/wirtschaft/ausbildungsjahr-2020-2021-mehr-lehrstellen-als-bewerberinnen-und-bewerber/330110