Automobilindustrie in der Region

Mit dem Umstieg auf Elek­tro­mo­bi­li­tät kom­me auf die Auto­mo­bil­in­dus­trie eini­ges zu, so die IG-Metall in einer Pres­se­mit­tei­lung.  Wei­ter schreibt die Gewerk­schaft:

In Zei­ten der Trans­for­ma­ti­on sind neue Wei­chen­stel­lun­gen für Geschäfts­mo­del­le, Beschäf­ti­gung und Indus­trie­po­li­tik not­wen­dig. „Wir müs­sen alles dafür tun, dass Wert­schöp­fungs­ket­ten und Indus­trie­ar­beits­plät­ze in Deutsch­land erhal­ten und die Beschäf­tig­ten bei den Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen mit­ge­nom­men wer­den”, sagt Doro­thee
Diehm, 1. Bevoll­mäch­tig­te der IG Metall Freu­den­stadt.

Über Chan­cen und Risi­ken die­ses Wan­dels dis­ku­tier­ten Betriebs­rä­te der Fir­men Wagon Auto­mo­ti­ve in Nagold, Sys­tem­lie­fe­rant für inter­na­tio­na­le Auto­mo­bil­her­stel­ler und Fried­rich Boy­sen in Alten­steig, Zulie­fe­rer für Abgas­sys­te­me mit Sas­kia Esken, SPD-Bun­­­des­­tags­­a­b­ge­or­d­­ne­­te.

Dabei stan­den die Aus­wir­kun­gen der anste­hen­den Ver­än­de­run­gen auf Arbeits­plät­ze in der Regi­on im Mit­tel­punkt der Dis­kus­si­on. „Wenn wir uns als Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer hier in Nagold nicht den Anfor­de­run­gen der Trans­for­ma­ti­on stel­len, wer­den wir sehr schnell ein Pro­blem bekom­men.“, so Fabri­zio Tota­ro, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der der Fa. Wagon Auto­mo­ti­ve in Nagold. Die­se Anfor­de­run­gen kos­ten viel Geld und unse­re Kun­den wer­den dies von uns ver­lan­gen und auch ein­for­dern.

Hohe Inves­ti­tio­nen wer­den not­wen­dig sein, wenn wir uns als Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer am Markt hal­ten und wei­ter wett­be­werbs­fä­hig sein wol­len. Ralf Kühn­le, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der der Fir­ma Fried­rich Boy­sen in Alten­steig, und sei­ne Betriebs­rats­kol­le­gen haben einen gan­zen Fra­gen­ka­ta­log für Esken in der Tasche und stel­len die Fra­ge nach der Zukunft des Ver­bren­ner­mo­tors. „Wie bewer­tet die Poli­tik die Pro­dukt­stra­te­gie der Fir­ma Fried­rich Boy­sen und somit die Annah­me von Geschäfts­füh­rer Rolf Gei­ßel, „Wir machen jetzt und auch noch in 20–30 Jah­ren Abgas­sys­te­me, nur auf­wen­di­ger!“

Sas­kia Esken, die sich als Digi­tal­po­li­ti­ke­rin ver­steht und den digi­ta­len Wan­del als umfas­sen­de Auf­ga­be der poli­ti­schen Gestal­tung sieht führt an. „Dem Wan­del in der Auto­mo­bil­in­dus­trie hin zur Elek­tro­mo­bi­li­tät und den gesteck­ten Kli­ma­zie­len müs­sen sich Her­stel­ler die am „Ver­bren­ner hän­gen“ stel­len, soEs­ken. „Inves­ti­tio­nen in neue Pro­duk­te und Geschäfts­ide­en, in Infra­struk­tur, Qua­li­fi­zie­rungs­an­ge­bo­te und arbeits­för­dern­de Maß­nah­men sei­en nur vier Stich­worte­für die Arbeit­ge­ber und Poli­tik ver­ant­wort­lich sind!“

Aller­dings sieht sich Esken nicht in der Posi­ti­on der Fried­rich Boy­sen Geschäfts­füh­rung Rat­schlä­ge zu ertei­len. Das Ange­bot eines Mei­nungs­aus­tau­sches zur Zukunft von „Abgas­sys­te­men“ habe sie gegen­über Rolf Gei­ßel, Geschäfts­füh­rer der Fir­ma Fried­rich Boy­sen schrift­lich ange­bo­ten. Wie kam es zu die­sem Gesprächs­an­ge­bot an Rolf Gei­ßel? Ursprüng­lich soll­te die Dia­logrun­de mit Esken im Betriebs­rats­bü­ro der Fir­ma Fried­rich Boy­sen statt­fin­den, ver­bun­den mit einem Betriebs­rund­gang und Gespräch mit der Geschäfts­füh­rung. Das war jedoch nicht mög­lich, weil Rolf Gei­ßel ener­gisch ablehn­te.

Aus die­sem Grund muss­te die Gesprächs­run­de in die IGM Geschäfts­stel­le aus­wei­chen. Die IG Metall Freu­den­stadt hat in zehn Betrie­ben mit ins­ge­samt 7330 Beschäf­ti­gen, den „Trans­for­ma­ti­ons­at­las“ bear­bei­tet, um Erkennt­nis­se dar­über zu bekom­men, wie gut, oder weni­ger gut die Metall­be­trie­be auf den digi­ta­len Wan­del vor­be­rei­tet sind. „In der bun­des­weit ange­leg­ten Bestands­auf­nah­me wird eines sehr klar, knapp die Hälf­te der Betrie­be haben kei­ne aus­rei­chen­de Stra­te­gie für die Bewäl­ti­gung der Trans­for­ma­ti­on und die Auto­in­dus­trie wird sich am stärks­ten wan­deln.“, so Diehm. „Die Sor­gen­fal­ten auf der Stirn unse­rer Betriebs­rä­te sind daher mehr als berech­tigt und müs­sen ernst genom­men wer­den!“

Die Betriebs­rä­te for­dern im Dia­log mit Esken neben Inves­ti­tio­nen in neue Pro­duk­te und Geschäfts­mo­del­le auch das soge­nann­te Trans­for­ma­ti­ons­kurz­ar­bei­ter­geld bei der Poli­tik ein. Wenn durch den Struk­tur­wan­del Arbeits­vo­lu­men weg­bricht, kön­nen die Beschäf­tig­ten mit die­sem neu­en arbeits­markt­po­li­ti­schen Instru­ment in einem Betrieb gehal­ten und zugleich für die Arbeit an neu­en Pro­duk­ten geschult wer­den. „Wir brau­chen das Trans­for­ma­ti­ons­kurz­ar­bei­ter­geld als Beschäf­ti­gungs­brü­cke, wenn Ent­las­sun­gen ver­mie­den wer­den sol­len“, so Ralf Kühn­le, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der der Fir­ma Fried­rich Boy­sen in Alten­steig.

Um die­sen For­de­run­gen Nach­druck zu ver­lei­hen, ruft die IG Metall Freu­den­stadt zu einer Kund­ge­bung unter dem Mot­to #Fair­Wan­del am Sams­tag, 29. Juni, am Bran­den­bur­ger Tor in Ber­lin auf. Anmel­dun­gen nimmt die IGM Geschäfts­stel­le Freu­den­stadt ent­ge­gen.