Betriebliches Gesundheitsmanagement geht alle an

IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg informierte über konkrete Umsetzungsmöglichkeiten

REGION (pm) – Gerade in Zeiten einer alternden Gesellschaft und wachsendem Fachkräftemangel hänge die Zukunft eines Betriebes immer mehr davon ab, dass die eigenen Mitarbeiter leistungsfähig und motiviert seien und vor allem auch blieben, heißt es in einer IHK-Pressemitteilung zu einer Veranstaltung. Unternehmen müssten deshalb mehr denn je in die Gesundheit ihrer Belegschaft investieren, um dauerhaft erfolgreich sein zu können.

„Oberstes Ziel des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) ist das gesunde Arbeiten in gesunden Organisationen und in Folge dessen natürlich der Erhalt und die Förderung von Arbeitsleistung und hoher Qualität. Außerdem unterstützt es das gesundheitsförderliche Verhalten und stärkt die Identifikation mit der Arbeitsstätte“, unterstrich Anne Spreitzer, IHK-Projektleiterin Gesundheitswirtschaft, im Rahmen einer Informationsveranstaltung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg.

„Zehn Jahre Erfahrung im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) zeigt, dass gemäß dem allgemeinen Verständnis BGF meist lediglich Bewegung, Entspannung und Ernährung umfasst“, sagte Andreas Hoffmann, Leiter Prävention des Wellness- und Gesundheitszentrums Solemar in Bad Dürrheim. BGF umfasse aber weit mehr als diese drei Aspekte. Mittels einer Checkliste verdeutlichte Hoffmann, dass es sowohl verhältnisorientierte Maßnahmen als auch verhaltensorientierte Maßnahmen gebe.

Erstere betreffen den Arbeitsplatz an sich (beispielsweise Arbeitsplatzergonomie, Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, Gleitzeit und gesunde Ernährungsangebote im Unternehmen), letztere orientieren sich am Verhalten der einzelnen Mitarbeiter (beispielsweise Mitarbeiterbefragungen, Führungskräfteschulungen, Bewegungsangebote, Kurse für Zeitmanagement und Gesundheitstage).

Diese Checkliste ist auf den IHK-Internetseiten unter www.schwarzwald-baar-heuberg.ihk.deabrufbar. Eine Vielzahl dieser Maßnahmen wird steuerlich begünstigt. Nach wie vor nützten allerdings zu wenige Betriebe den Steuerfreibetrag. „Arbeitgeberleistungen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes und der betrieblichen Gesundheitsförderung sind für bis zu 500 Euro je Mitarbeiter und Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei“, erklärte Stefanie Rothmund, Key Account Managerin der Schwenninger Krankenkasse laut IHK. Dazu zählten beispielsweise Maßnahmen zur Vorbeugung und Reduzierung arbeitsbedingter Belastungen des Bewegungsapparates, Ausrichtung der Betriebsverpflegungsangebote an Ernährungsrichtlinien (beispielsweise das Bereitstellen von Obstkisten), aber auch Aufwendungen des Arbeitgebers für Rückentrainingsprogramme der Mitarbeiter.

Die wachsende Gefahr durch Stress und Burnout für den einzelnen Mitarbeiter und damit einhergehend auch für die Unternehmen stellte Professor Norbert Grulke, Ärztlicher Direktor der Luisenklinik in Bad Dürrheim, dar. Die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen stiegen seit Jahren an. „Die Frühverrentung aufgrund von psychischen Störungen – im Durchschnitt sogar schon mit 49 Jahren – nimmt stetig zu. Heutzutage sind bereits die Hälfte aller Frühverrentungen auf psychische Störungen zurückzuführen“, warnte Grulke. Wenn für anhaltenden Stress kein Ausgleich gefunden werden kann, komme man früher oder später in die Erschöpfungsphase mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.

Insbesondere der Führungsstil im Unternehmen sei von hoher Bedeutung für das psychische Befinden der Mitarbeiter. „Wenn Vorgesetzte auf ihre eigene Gesundheit achten, wirkt sich das positiv auf die Gesundheit der Mitarbeiter aus“, betonte Grulke. Mit den Auswirkungen psychischer Belastungen befasst sich seit einigen Jahren auch die Sparkasse Schwarzwald-Baar. Während lediglich fünf Prozent der Mitarbeiter wegen psychischer Störungen krank seien, machten sie 15 Prozent der Arbeitsausfall-Tage aus.

Florian Klausmann, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Schwarzwald-Baar: „Obwohl im Akutfall schnelles Agieren notwendig wäre, muss der Patient durchschnittlich bis zu sechs Monate auf einen Behandlungsplatz warten. Seit wir im Februar 2012 eine Kooperation mit der Luisenklinik eingegangen sind, bekommen unsere Mitarbeiter beispielsweise innerhalb von fünf Tagen eine persönliche Beratung durch einen Facharzt. Alles selbstverständlich absolut anonym.“ Die Ausfallzeiten durch psychische Erkrankungen seien weiterhin unterdurchschnittlich, die Anzahl der Beratungen wachse stetig und Führungskräfte würden erfolgreich sensibilisiert für das Thema psychische Gesundheit, verdeutlichte Klausmann den Erfolg der Kooperation. Mit welchen konkreten BGM-Themen und Aktionen Mitarbeiter zu motivieren sind, lasse sich mittels einer Mitarbeiterbefragung ermitteln.

„Ziel der BGM-Maßnahmen muss sein, auch Mitarbeiter zu erreichen, die per se nicht besonders gesundheits- und bewegungsafin sind. Dies lässt sich zum Beispiel durch sogenannte Fit-Aktivisten erreichen. Dabei handelt es sich um Mitarbeiter, die anderen Kollegen ihren eigenen Sport näher bringen. Somit ist es möglich, hierarchieunabhängig und abteilungsübergreifend Sportaktivitäten anzubieten und dabei gleichzeitig das Team Building im Unternehmen und die Prävention der Mitarbeiter zu stärken“, sagte Ralph Pitan, Berater für Betriebliches Gesundheitsmanagement.

Gerade Wanderungen eignen sich sehr gut für Team Building, Employer Branding und Prävention, so das Ergebnis einer Studie des Deutschen Wanderinstituts, die Walter Knittel, Geschäftsführer der Donaubergland Marketing und Tourismus vorstellte. Im Rahmen des deutschlandweit bisher einmaligen Forschungsprojekts „Wandern und BGF“ im Donaubergland wurde festgestellt, dass es ein besonderes Interesse von Mitarbeitern an ein- bis zweistündigen Feierabendwanderungen zwischen April und Oktober gibt. Neben den Aspekten Entspannung und Entschleunigung sollte bei Betriebswanderungen aber auch der Aspekt Geselligkeit eine Rolle spielen.

 

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