Bezirksrat: Hausarztzentrierte Versorgung in der Region unter Zentralisierungsdruck

Neue Mitglieder im AOK-Selbstverwaltungsgremium

Der Bezirksrat der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg sieht das bundesweit als Vorreitermodell wirkende Hausarztzentrierte Versorgung in Baden-Württemberg gefährdet, schreibt die Krankenkasse in einer Pressemitteilung. Und weiter:

„Wenn die aktuellen Pläne des Bundesgesundheitsministeriums umgesetzt werden, können wir in Baden-Württemberg unsere innovativen Versorgungsverträge nicht fortführen“, erklärte Arbeitgebervertreter Roland Eckhardt, alternierender Vorsitzender des AOK-Bezirksrats, in der jüngsten Sitzung des regionalen Selbstverwaltungsgremiums. Hintergrund ist der Entwurf des Kassenwettbewerb-Gesetzes, das derzeit im Bundestag beraten wird.

Der Gesetzesentwurf beschneide die Krankenkassen in ihren Möglichkeiten, patientengerechte regionale Verträge zu vereinbaren. „Die Pläne schaden vor allem chronisch erkrankten Patientinnen und Patienten, für die wir koordinierte und sektorenübergreifende Behandlungspfade geschaffen haben“, so Roland Eckhardt.

Als Beispiel führt der Bezirksrat das Facharztprogramm Kardiologie in der Hausarztzentrierten Versorgung der AOK Baden-Württemberg und ihrer Partner Hausärzteverband und MEDI Baden-Württemberg sowie weiterer Ärzteverbände an. Hier hat die AOK mit den Ärztepartnern bestimmte Behandlungsformen vereinbart. Der Behandlungsvertrag für Kardiologie führt nachweislich zu signifikant höhere Überlebensraten für Versicherte mit chronischer Herzinsuffizienz und koronarer Herzkrankheit.

„Dieser Erfolg steht wegen der aktuellen Gesetzesplänen auf der Kippe“, sagt Oliver Böhme, alternierender Bezirksratsvorsitzender von der Versichertenseite. „Die von der Bundesebene ausgehenden Zentralisierungstendenzen engen den Spielraum für unsere alternative Regelversorgung mit über 260 teilnehmenden Ärzten und Psychotherapeuten und über 110.000 eingeschriebenen Versicherten in der Region drastisch ein.“

Der Bezirksrat hat zudem neue Mitglieder in seine Reihen aufgenommen: Rosmarie Glaw, Personalleiterin von S. Siedle & Söhne OHG in Furtwangen, und Markus Fink, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau im Arbeitgeberverband Südwestmetall. Sie ersetzen die bisherigen Bezirksratsmitglieder Martin Hofferberth und Ralph Wurster, die die Region aus beruflichen Gründen verlassen haben. Als neue stellvertretende Mitglieder des Bezirksrats wurden Andreas Huber, Silke Liehner und Michael Waller aufgenommen.

Der Bezirksrat nahm außerdem den Bericht der AOK-Geschäftsführung zum ablaufenden Jahr entgegen. Über 264.000 Versicherte sind aktuell in der Region bei der AOK versichert – rund 4000 Menschen mehr als im Vorjahr. „Das sind so viele wie noch nie zuvor in den Landkreisen Rottweil, Schwarzwald-Baar und Tuttlingen“, freut sich Klaus Herrmann, Geschäftsführer der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg. Das sei auch ein Erfolg der innovativen Versorgungsgestaltung vor Ort.

 

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