Dirk Schallock. Foto: pm

REGION (pm) – „Die regio­na­le Wirt­schaft blickt mit gemisch­ten Gefüh­len nach Groß­bri­tan­ni­en wo am 23. Juni über den EU-Aus­tritt abge­stimmt wird. Im IHK-Bezirk Schwarz­wald-Baar-Heu­berg unter­hal­ten aktu­ell rund 650 Unter­neh­men Geschäfts­kon­tak­te nach Groß­bri­tan­ni­en“, sagt Dirk Schal­lock, Vor­sit­zen­der des IHK-Außen­wirt­schafts­aus­schus­ses laut IHK-Pres­se­mit­tei­lung.

Groß­bri­tan­ni­en steht in Baden-Würt­tem­berg bezo­gen auf die Aus­fuh­ren auf Rang vier mit einem Waren­wert von 12,35 Mil­li­ar­den. Wenn das Refe­ren­dum zuguns­ten der Bre­x­it-Befür­wor­ter aus­geht, wird ein lang­wie­ri­ges Ver­fah­ren in Gang gesetzt. Es gibt kei­ne unmit­tel­ba­ren Ver­än­de­run­gen, die am Tag nach der Abstim­mung sofort ein­tre­ten.

Zu erwar­ten sind kurz­fris­tig jedoch Fol­gen für den Pfund­kurs: Das Pfund hat seit der Ent­schei­dung, über den Bre­x­it abzu­stim­men, bereits etwa 10 Pro­zent sei­nes Wer­tes ver­lo­ren. Wei­te­re Ver­lus­te bei einem Votum für den Aus­tritt sind vor­stell­bar. Pri­va­te Finanz­in­sti­tu­te und Zen­tral­ban­ken wapp­nen sich daher gegen mög­li­che Finanz­markt­tur­bu­len­zen.

Ob ein EU-Aus­tritt zu einem gegen­sei­ti­gen Auf­bau von Zöl­len füh­ren wür­de, hängt davon ab, wel­chen han­dels­po­li­ti­schen Sta­tus Groß­bri­tan­ni­en mit den ver­blie­be­nen EU-Mit­glieds­staa­ten aus­han­delt“, so Dirk Schal­lock. Selbst wenn im Rah­men eines etwai­gen Han­dels­ab­kom­mens mit der Euro­päi­schen Uni­on auf Zöl­le ver­zich­tet wür­de, käme auf die Unter­neh­men auf jeden Fall mehr Büro­kra­tie zu. Denn inner­halb der EU abge­schaff­te Zoll­vor­schrif­ten wür­den beim Im- und Export mit Groß­bri­tan­ni­en wie­der grei­fen. So müss­ten Unter­neh­men bei­spiels­wei­se wie­der förm­li­che Zollan­mel­dun­gen bei der Ein- und bei der Aus­fuhr abge­ben.

Ins­ge­samt wären die Fol­gen eines Bre­xits also mit eher nega­ti­ven Kon­se­quen­zen für die regio­na­le Wirt­schaft ver­bun­den.

Der Aus­schuss­vor­sit­zen­de Schal­lock warnt vor den „enor­men Her­aus­for­de­run­gen”, die das Auf­kom­men euro­pa­skep­ti­scher Bewe­gun­gen in den ver­gan­gen Jah­ren deut­lich mache. Die EU sol­le zwei Din­ge tun, so sein Appell: „ers­tens ‚groß bei gro­ßen Din­gen sein und klein bei klei­nen Din­gen‘. Also kei­ne büro­kra­ti­schen Details aus Brüs­sel regu­lie­ren, wo die Natio­nal­staa­ten indi­vi­du­ell pas­sen­de Lösun­gen fin­den können”.Und „zwei­tens muss die EU im Fal­le eines Bre­x­it den Zusam­men­halt der rest­li­chen Mit­glied­staa­ten sichern”. Dies bedeu­tet auch, „die rich­ti­ge Balan­ce zu fin­den zwi­schen guten zukünf­ti­gen Han­dels­be­zie­hun­gen mit Groß­bri­tan­ni­en und der gefähr­li­chen Bot­schaft, dass man die Vor­tei­le der EU nut­zen kann, ohne sich an den Kos­ten zu betei­li­gen.”