Bruker-Spaleck: Doppelte Feier in Hardt

Kern-Liebers Chef Schnell wird 60 / Bruker-Spaleck in neuer Halle

Doppelter Grund zum Feiern (von links): Dr. Hans-Jochem Steim, Susanne Bruker, Dr. Udo Schnell, Anke Dominique Schnell und Walter Bruker im Firmenneubau in Hardt. Fotos: him

HARDT/SCHRAMBERG (him) – Was ist der Kom­pro­miss von „groß fei­ern” und „gar nicht fei­ern”? Zwei­fach fei­ern. Schram­bergs Ehren­bür­ger Dr. Hans-Jochem Steim erklär­te so, wie er auf die Idee gekom­men war, sowohl den 60. Geburts­tag des Vor­stands­vor­sit­zen­den von Kern-Lie­bers, Dr. Udo Schnell, und die Ein­wei­hung der neu­en Fabrik von Bru­ker-Spaleck, einem Kern-Lie­bers-Toch­ter­un­ter­neh­men, in Hardt gemein­sam zu fei­ern.

Steim woll­te Schnells Geburts­tag unbe­dingt fei­ern, Schnell gar nicht. So sei das Dop­pel­fest nun der Kom­pro­miss. Schnell erwi­der­te, wer Steim ken­ne, wis­se, dass in „man­chen Din­gen mit ihm nur schwer zu reden“ sei. „In die­sem Fall war weh­ren zweck­los.“

Gut so, denn es wur­de ein infor­ma­ti­ver und anre­gen­der Fest­mit­tag mit Gäs­ten aus den Kern-Lie­bers-Fir­men, vom Betriebs­rat, aus der Nach­bar­schaft, aus der Gemein­de Hardt, den Fami­li­en Bru­ker und Schnell und natür­lich aus den Gesell­schaf­ter­fa­mi­li­en Steim und Dros­ten.

In sei­ner Lau­da­tio begann Steim mit einem Zitat aus der FAZ aus dem Jahr 1956, Schnells Geburts­jahr. Damals schrieb die Zei­tung über „Halb­star­ken­kra­wal­le auf öffent­li­chen Plät­zen“, die „eine Gefahr für die Gesell­schaft“ dar­stell­ten, und mal­te Deutsch­lands Zukunft in schwar­zen Far­ben. Schnell, in Köln gebo­ren, sei als Sohn eines hohen Bun­des­wehr­of­fi­ziers in sei­ner Jugend oft umge­zo­gen, habe nach dem Abitur und zwei Jah­ren Bun­des­wehr BWL stu­diert, pro­mo­viert und habe -„wie es sich für einen Schwa­ben gehört“ – beim Daim­ler ange­fan­gen.

Nach vie­len Jah­ren in der Zen­tra­le sei Schnell in Mexi­ko und Port­land in den USA für Daim­ler tätig gewe­sen und nach wei­te­ren Mana­ger­sta­tio­nen 2010 zu Kern-Lie­bers gekom­men. „Nach fünf CEOS der ers­te nicht aus der Fami­lie“, wie Steim anmerk­te.
„In Schram­berg arbei­ten Sie nicht nur“, wand­te er sich an den Jubi­lar und spiel­te auf des­sen Appell zu einer Stadt­bild­ver­schö­ne­rung vor einem Jahr an, „son­dern Sie räu­men auch in der gan­zen Stadt auf.“ Schnell habe auf sei­ne char­man­te Art auf die Schand­fle­cken in der Stadt auf­merk­sam gemacht.

Hardts Bür­ger­meis­ter Her­bert Hal­der ver­si­cher­te, es „erfreut das Herz eines Bür­ger­meis­ters, wenn sich etwas bewegt.“ Des­halb habe er in einer kon­zer­tier­ten Akti­on mit Steim dafür gesorgt, dass das Unter­neh­men das erfor­der­li­che Grund­stück für den Neu­bau kau­fen und rasch bau­en konn­te.

Schnell freu­te sich, dass nach etli­chen Eröff­nun­gen im Aus­land nun auch in der Nähe des Hei­mat­stand­orts ein neu­es Werk zu eröff­nen. Das gesche­he ja „eher sel­ten.“ Wegen der „sehr schmerz­li­chen Anpas­sungs­pro­zes­se in der Pho­to­vol­taik­in­dus­trie“ habe auch Bru­ker-Spaleck „mit hoher Fle­xi­bi­li­tät“ reagie­ren müs­sen und markt­fä­hi­ge Pro­duk­te außer­halb der PV-Indus­trie ent­wi­ckelt. Er erwar­te, dass man eines Tages sagen kön­ne, „die­se muti­ge unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung hat sich gelohnt“, so Schnell.

Die Che­fin von Bru­ker-Spaleck, Susan­ne Bru­ker, sah in dem neu­en Werk die Mög­lich­keit, alles an einem Stand­ort zu haben. Der Neu­bau sei von der Fir­ma Fich­ter Indus­trie­bau „in Rekord­zeit“ errich­tet wor­den. Der Zeit­plan der Fir­ma sei „extrem gut“ ein­ge­hal­ten wor­den, sodass die Fir­ma wie geplant am 14. Dezem­ber von der Schram­ber­ge Ber­neck­stra­ße aufs Hardt umzie­hen konn­te, und sie „noch vor Weih­nach­ten die ers­ten drei Lini­en wie­der lau­fen las­sen” konn­te.

Das Unter­neh­men erwirt­schaf­tet an den drei Stand­or­ten Hardt, Bocholt und Tai­cang in Chi­na welt­weit einen Umsatz von etwa 30 Mil­lio­nen Euro und beschäf­tigt 155 Mit­ar­bei­ter. Neben Kup­fer-Spe­zi­al­dräh­ten für die PV-Indus­trie pro­du­ziert Bru­ker-Spaleck auch Flach-Dräh­te aus Stahl und künf­tig ver­mehrt auch aus Alu­mi­ni­um. Pro Jahr wer­den etwa 400.000 Kilo­me­ter Flach­dräh­te auf den Bru­ker-Spaleck Maschi­nen gefer­tigt. Das ent­spricht in etwa der Ent­fer­nung von der Erde zum Mond. Wie wich­tig in ihrem Spe­zi­al­be­reich das Unter­neh­men ist, ver­deut­lich­te Susan­ne Bru­ker in ihrer Rede: „Etwa jede zwei­te PV-Anla­ge in Deutsch­land ent­hält unse­re Flach­dräh­te.“

Ihr Vater, Wal­ter Bru­ker, erin­ner­te an die Geschich­te des 1982 gegrün­de­ten Unter­neh­mens. Damals habe die Fami­lie beschlos­sen, die in Insol­venz gera­te­ne Spi­ral­fe­dern­fa­brik Pfaff und Schlau­der zu über­neh­men. Er habe bald die Pro­duk­ti­on auf Flach­dräh­te umge­stellt. Nach der Über­nah­me 2005 durch Kern-Lie­bers sei das Unter­neh­men Dank des Solar­booms stark gewach­sen.

Bei einem Rund­gang durch die ver­schie­de­nen Abtei­lun­gen konn­ten die Besu­cher beob­ach­ten, wie aus dem Rund­draht als Aus­gangs­ma­te­ri­al durch Zie­hen, Wal­zen und Glü­hen schließ­lich der Flach­draht ent­steht. Dabei, so Susan­ne Bru­ker, ist beson­ders das auf Spu­len Auf­wi­ckeln der extrem dün­nen Dräh­te für die Kun­den beson­ders wich­tig: Nur wenn die Dräh­te pro­blem­los „abge­spult“ wer­den kön­nen, läuft die Fer­ti­gung. Um das zu gewähr­leis­ten, habe ihr Unter­neh­men mit einer Fir­ma aus Mönch­wei­ler auf­wän­di­ge Trans­port­be­häl­ter ent­wi­ckelt.

Und eine gute Nach­richt hat­te Susan­ne Bru­ker noch: Der Stand­ort Deutsch­land wer­de zuneh­mend wie­der kon­kur­renz­fä­hig im Ver­gleich zu Chi­na. Wenn man Trans­por­te, Zöl­le und Zeit hin­zu neh­me, sei die Pro­duk­ti­on hier für den euro­päi­schen Markt güns­ti­ger.