Umfassende Vernetzung ist auch für die Kunststoffbranche sehr wichtig, das wurde auf dem Innovation Forum Kunststofftechnik in Villingen-Schwenningen deutlich. Foto: pm

Von der Fabrik­pla­nung über das Hand­ling klei­ner Stück­zah­len, der Pro­zess­sta­bi­li­tät bis hin zur Rück­ver­fol­gung von Bau­tei­len in der Kunst­stoff­tech­nik: Dar­über refe­rier­ten zahl­rei­che Exper­ten beim Inno­va­ti­on Forum Kunst­stoff­tech­nik, zu dem der Tech­no­lo­gie­ver­bund Tech­no­lo­gy­Moun­tains, die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg und das Kunst­stoff-Insti­tut Süd­west in die Neue Ton­hal­le Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen ein­ge­la­den hat­ten. Über die Ver­an­stal­tung berich­tet die IHK in einer Pres­se­mit­tei­lung:

Denn die Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung sind längst in der Kunst­stoff­tech­nik ange­kom­men. Anre­gun­gen für neue Her­stel­lungs­mög­lich­kei­ten sind nun gera­de in klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men exis­ten­zi­ell. „Der Mit­tel­stand hat kei­ne Zeit für Expe­ri­men­te“, sag­te Mari­us Fed­ler, Geschäfts­füh­rer des Kunst­stoff-Insti­tut Süd­west.

Schnel­ler, bil­li­ger, mehr: So fass­te Karl-Heinz Mäder, Ver­triebs­lei­ter der FPT Robo­tik, die Markt­an­for­de­run­gen an die Bran­che zusam­men. „Unser gan­zes Sys­tem ist auf Kon­sum aus­ge­legt. Die Digi­ta­li­sie­rung ist nichts ande­res, als eine Befeue­rung die­ses Sys­tems“, erklär­te Mäder. Es herr­sche jedoch eine gro­ße Unsi­cher­heit, wie man der Digi­ta­li­sie­rung begeg­nen kön­ne. Mäders Ant­wort: Fle­xi­bi­li­tät und eine Voll­au­to­ma­ti­sie­rung der Intra­lo­gis­tik. Res­sour­cen sei­en knapp und teu­er, an vie­len Kos­ten kön­ne man nicht schrau­ben – an den Per­so­nal­kos­ten jedoch schon.

Er ist bei­spiels­wei­se über­zeugt davon, dass in die Spritz­guss­hal­le nur Maschi­nen gehö­ren und die Unter­neh­men in der Zukunft weni­ger Per­so­nal haben wer­den. „Sei­en Sie ehr­lich zu den Mit­ar­bei­tern. Es muss ein Bewusst­sein für die Markt­an­for­de­run­gen und die Kon­se­quen­zen für die Unter­neh­men da sein.“

Gleich­zei­tig dräng­te Mäder dar­auf, den Zusam­men­halt von Abtei­lun­gen zu för­dern. „Der Grad der Zusam­men­ar­beit wird mit der Digi­ta­li­sie­rung grö­ßer“, sag­te er. Die IT-Mit­ar­bei­ter müss­ten die Pro­duk­ti­on ken­nen und umge­kehrt auch die Mit­ar­bei­ter an den Maschi­nen die Tech­no­lo­gie ver­ste­hen. So wer­de der Robo­ter zum Freund des Men­schen und nicht sein Feind.

Auch Ben­ja­min Franz, Key Account Mana­ger bei „Arburg”, ist über­zeugt, dass die Digi­ta­li­sie­rung Silos auf­lö­sen oder ver­bin­den wer­de. Vor allem aber appel­lier­te er an die Zuhö­rer, kei­ne Angst vor der Digi­ta­li­sie­rung zu haben. „Es gibt kei­ne Mus­terlö­sung. Gehen Sie an die Kun­den­ori­en­tie­rung und ent­wi­ckeln Sie nur etwas, von dem der Kun­de etwas hat.“

Kei­ne Mus­terlö­sung, sehr wohl aber eine Pro­zess­op­ti­mie­rung, dür­fe die Kunst­stoff-Bran­che von der Digi­ta­li­sie­rung erwar­ten. Die smar­ten Assis­tenz­pro­gram­me, die Pro­duk­ti­ons­über­wa­chung und die Auto­ma­ti­sie­rung hät­ten bes­se­re Pro­duk­te, weni­ger Aus­schuss und einen gerin­ge­ren Ver­schleiß der Maschi­nen zur Fol­ge. Das beton­ten uni­so­no Claus Wil­de, Lei­ter des „Engel” Deutsch­land Tech­no­lo­gie­fo­rum, und Nico­li­na Topic, die bei Krauss­Maff­ei im Bereich Ent­wick­lung Maschi­nen­tech­no­lo­gie tätig ist, in ihren Vor­trä­gen. „Die Digi­ta­li­sie­rung ist ein Mit­tel, um die Pro­duk­ti­on ein­fa­cher zu machen. Hilfs­mit­tel, Ergän­zung, Effi­zi­enz­stei­ge­rung – aber nie ohne den Men­schen“, sag­te Wil­de.

Eine anwen­dungs­rei­fe Ent­wick­lung stell­te Bene­dikt Wig­ger, Mit­ar­bei­ter der Hahn-Schickard-Gesell­schaft für ange­wand­te For­schung, vor. Vie­le Arten von Bau­tei­len kön­nen weder mit einer Seri­en­num­mer, Bar­code oder QR-Code mar­kiert wer­den. Hahn-Schickard Stutt­gart hat gemein­sam mit dem Fraun­ho­fer-Insti­tut für phy­si­ka­li­sche Mess­tech­nik ein kos­ten­güns­ti­ges, mar­kie­rungs­frei­es Rück­ver­fol­gungs­ver­fah­ren für Mas­sen­bau­tei­le ent­wi­ckelt: Die Ober­flä­che wird foto­gra­fiert, in eine Bit­fol­ge umge­wan­delt und die Ober­flä­chen­struk­tur schließ­lich als Fin­ger­ab­druck genutzt. „Aus einer Char­gen­grö­ße von mehr als 100 Mil­lio­nen kön­nen wir pro­blem­los ein Bau­teil iden­ti­fi­zie­ren – inner­halb weni­ger Mil­li­se­kun­den.“

Austel­lung im Foy­er. Foto: pm

Dr. Harald Stall­forth, Vor­stands­vor­sit­zen­der des Tech­no­lo­gie­ver­bun­des Tech­no­lo­gy­Moun­tains beton­te den aus­ge­präg­ten Netz­werk­ge­dan­ken der Ver­an­stal­tung: „Umfas­sen­de Ver­net­zung ist auch für die Kunst­stoff­bran­che sehr wich­tig. In der Regi­on wird das bereits umfas­send umge­setzt”, befand Stall­forth. So sei Tech­no­lo­gy­Moun­tains mitt­ler­wei­le auf 300 Mit­glie­der gewach­sen und man freut sich, dass die Inno­va­ti­on Foren als Netz­werk­haupt­ver­an­stal­tun­gen jedes Jahr erneut einen hohen Zulauf erfah­ren.