Mit­te Janu­ar sorg­ten die „Zeit“ und das ARD-Maga­zin Kon­tras­te mit einer Recher­che über Geld­wä­sche für Auf­re­gung. Eine däni­sche Bank soll über ihre Filia­le in Est­land rus­si­sches Schwarz­geld in Mil­li­ar­den­hö­he gewa­schen haben.

Mit dem Schwarz­geld sei­en  Waren aus dem Wes­ten für den rus­si­schen Markt bezahlt wor­den. Die Bezah­lung der Lie­fe­run­gen erfolg­te durch Fir­men, die zum Teil in Steu­er­oa­sen wie Beli­ze, Neu­see­land oder Pana­ma regis­triert waren und alle ein Kon­to bei der däni­schen Bank in Est­land hat­ten. Die rus­si­schen Kun­den, an die die Waren letzt­lich aus­ge­lie­fert wur­den, sol­len die Güter dann ganz nor­mal auf dem dor­ti­gen Markt wei­ter­ver­kauft haben. So wur­de das ehe­ma­li­ge Schwarz­geld am Ende wie­der in „sau­be­re“ Rubel ver­wan­delt. Ein aus­ge­klü­gel­tes Sys­tem.

Von die­sen Geschäf­ten, so Kon­tras­te, waren auch zwei Fir­men aus unse­rer Regi­on betrof­fen: Mit etwa 800.000 Euro Waren­lie­fe­run­gen Dura­vit aus Horn­berg und mit  gut sechs Mil­lio­nen Euro Hans­gro­he in Schiltach.

Hansgrohe: Wir sind selbst Opfer

Auf Nach­fra­ge der NRWZ hat sich Hans­gro­he-Pres­se­spre­cher Jörg Hass prompt gemel­det. Er wies dar­auf hin dass die Vor­gän­ge aus „einem Zeit­raum zwi­schen 2007 und 2009“  stamm­ten und betont: „Den von KONTRASTE ange­spro­che­nen Zah­lun­gen lagen stets zoll­re­gis­trier­te Waren­lie­fe­run­gen der Hans­gro­he SE an ihre jewei­li­gen Ver­trags­part­ner zugrun­de und sämt­li­che Zah­lun­gen erfolg­ten bar­geld­los über offi­zi­ell regis­trier­te Ban­ken. Die Zah­lun­gen haben daher der Hans­gro­he SE kei­nen Anlass gege­ben, an deren Recht­mä­ßig­keit bzw. der lega­len Her­kunft der Zah­lungs­mit­tel zu zwei­feln. Soll­ten tat­säch­lich berech­tig­te For­de­run­gen der Hans­gro­he SE mit ‚gewa­sche­nem Geld‘ begli­chen wor­den sein, wäre die Hans­gro­he SE damit selbst ein Opfer kri­mi­nel­ler Machen­schaf­ten gewor­den.“

Kontraste: Hansgrohe hat gemauert

Das hat einer der Autoren von Kon­tras­te, René Alt­ham­mer, gese­hen und war empört. Empört dar­über, dass er seit dem 11. Dezem­ber acht Mal per Mail und per Tele­fon ver­geb­lich ver­sucht hat­te, eine Stel­lung­nah­me von Hans­gro­he zu erhal­ten.

Den Repor­tern von Zeit und Kon­tras­te liegt Mate­ri­al zu ins­ge­samt 200 Mil­lio­nen Euro Schwarz­geld vor, von dem ein Teil auch nach Deutsch­land gelangt ist. Ins­ge­samt sol­len über die däni­sche Bank gut 200 Mil­li­ar­den Euro gewa­schen wor­den sein, deren Ver­bleib bis heu­te weit­ge­hend unklar ist.

Die Recher­cheu­re von Kon­tras­te und Zeit haben die Zah­lungs­strö­me nach Deutsch­land zwi­schen 2007 und 2011 ver­folgt.   „Ins­ge­samt geht es für die­sen Zeit­raum um mehr als 30 Mil­lio­nen Euro. Auch wenn das nur ein klei­ner Aus­schnitt ist, so zeigt er doch, wie das Geschäft funk­tio­niert“, so Alt­ham­mer. Dass die Lie­fe­run­gen und die Zah­lun­gen an sich in Ord­nung waren, bestrei­tet er nicht.  Nur das Geld stam­me eben aus ille­ga­len Quel­len.

Alt­ham­mer hat der NRWZ Mate­ri­al geschickt über die kari­bi­schen Fir­men, über die Kon­to­be­we­gun­gen und Zah­lun­gen. Mehr als die Hälf­te des Gel­des für Hans­gro­he, näm­lich gut 3,8 Mil­lio­nen Euro, über­wies eine „Argen­ta Sys­tems“ aus Beli­ze. Die Kon­to­aus­zü­ge wei­sen 19 Ein­zel­bu­chun­gen mit zwei immer wie­der­keh­ren­den Kun­den­num­mern aus.

Die NRWZ hat dar­auf­hin Hans­gro­he-Spre­cher Hass gefragt, ob das denn nie­mand in sei­ner Fir­ma „komisch“ vor­ge­kom­men sei. Sei­ne Ant­wort: „Hans­gro­he selbst ist lei­der nicht in der Lage, Geld­strö­me exakt nach zu ver­fol­gen. Dazu müss­ten wir ja Zugriff auf die Sys­te­me unse­rer Bank haben. Uns trifft als Güter­händ­ler viel­mehr die Ver­pflich­tung, eine Iden­ti­täts­prü­fung hin­sicht­lich unse­rer Kun­den vor­zu­neh­men und das Ergeb­nis die­ser Prü­fung zu doku­men­tie­ren. Die­ser Ver­pflich­tung sind wir nach­ge­kom­men.“

Kripo-Experte: Firmen sind oft ahnungslos

Der Vor­sit­zen­de des Bun­des deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter, Sebas­ti­an Fied­ler, gilt als aus­ge­wie­se­ner Exper­te für Geld­wä­sche­kri­mi­na­li­tät. Er sagt der NRWZ: „Güter­händ­ler sind ver­pflich­tet, ver­däch­ti­ge Trans­ak­tio­nen zu mel­den.“ Nicht nur die Kun­den zu prü­fen, wie Hass sagt. Aller­dings, es gebe „eine gro­ße Schwach­stel­le“, näm­lich die Soft­ware der Fir­men. Die müss­te erken­nen kön­nen, aus wel­cher Quel­le das Geld stammt. „Das Sys­tem prüft nur, ist Geld ein­ge­gan­gen, nicht, woher es kommt.“

Gra­fi­ken: Kontraste/Die Zeit

Hans­gro­he Spre­cher Hass weist in sei­ner Ant­wort dar­auf hin, „dass eine Fir­ma unse­rer Grö­ße monat­lich tau­sen­de und jähr­lich zehn­tau­sen­de von Über­wei­sun­gen erhält.“  Da rela­ti­vier­ten sich die 19 Über­wei­sun­gen inner­halb von drei Jah­ren beträcht­lich.

Das will Fied­ler nicht gel­ten las­sen. „Die haben die Risi­ko­ana­ly­se verk…t“, drückt er sich dras­tisch aus. Der Com­pli­an­ce­be­auf­trag­te, also der­je­ni­ge, der nach ille­ga­len oder unethi­schen Prak­ti­ken in einem Unter­neh­men Aus­schau hält, müs­se auch bei Geld­wä­sche­ver­dacht tätig wer­den. Und der müs­se auf­kom­men, wenn Waren nach Russ­land gelie­fert wer­den, die eine Fir­ma in Beli­ze über ein Kon­to einer est­ni­schen Filia­le einer däni­schen Bank bezah­le. Da sei “zu aller­vor­derst der Güter­händ­ler, nicht die Bank in der Ver­ant­wor­tung“. Er bezweif­le, dass die Fir­men in Deutsch­land die zah­len­den Fir­men in Beli­ze und anders­wo geprüft haben.

Fied­ler ist über­zeugt, hät­ten vor einem Jahr­zehnt die Fir­men sich an die Regeln gehal­ten und ihren Ver­dacht, wie damals vor­ge­schrie­ben, an das Bun­des­kri­mi­nal­amt und die Lan­des­kri­mi­nal­äm­ter wei­ter gege­ben, „dann wäre das auf­ge­flo­gen“. Das Pro­blem für Fied­ler damals wie heu­te: „Die Güter­händ­ler haben kei­ne Ahnung.“ Die Auf­sichts­be­hör­den der Län­der müss­ten den Güter­händ­lern sagen, wie sie Geld­wä­sche erken­nen kön­nen und wie sie sich ver­hal­ten sol­len.

Unter­des­sen wun­dert sich Kon­tras­te-Autor Alt­ham­mer, „war­um Hans­gro­he-Spre­cher Hass auf unse­re Anfra­gen – auch nach unse­rem ers­ten Bericht hat­te ich noch­mal nach­ge­fragt – über­haupt nicht reagiert.“