DONAUESCHINGEN (pm) – Als „über­zo­gen und in der aktu­el­len wirt­schaft­li­chen Lage unan­ge­mes­sen“ bezeich­nen die Metall­ar­beit­ge­ber in der Regi­on Schwarz­wald-Hegau in einer Pres­se­mit­tei­lung die For­de­rung der IG Metall nach fünf Pro­zent mehr Ent­gelt.

„Die IG Metall muss run­ter von ihrer unrea­lis­ti­schen For­de­rung, die zu einem sehr hohen Anteil nicht begründ­bar ist“, sag­te der Vor­sit­zen­de der Süd­west­me­tall-Bezirks­grup­pe Schwarz­wald-Hegau, Dr. Joa­chim Schulz, am Mitt­woch in Donau­eschin­gen im Rah­men eines Tref­fens der Unter­neh­mer­kon­takt­grup­pen Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen/­Furt­wan­gen und Tutt­lin­gen/­Kon­stanz-Sin­gen.

Die füh­ren­den Metall­un­ter­neh­mer der Regi­on tausch­ten sich bei ihrem Tref­fen über die aktu­el­le wirt­schaft­li­che Lage und die lau­fen­de Tarif­run­de in der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie aus. Süd­west­me­tall und IG Metall kom­men am Don­ners­tag zur drit­ten lan­des­wei­ten Ver­hand­lungs­run­de in Pforz­heim zusam­men. Das Arbeit­ge­ber­an­ge­bot über 1,2 Pro­zent mehr Lohn für die Beschäf­tig­ten bezeich­ne­te Schulz als fair und ange­mes­sen: „Für unse­re Beschäf­tig­ten bedeu­tet es ange­sichts der nied­ri­gen Infla­ti­on ein ech­tes Plus im Geld­beu­tel. Und im Gegen­satz zur IG-Metall-For­de­rung ori­en­tiert es sich an den rea­len wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen. Die gefor­der­ten fünf Pro­zent sind ange­sichts nied­ri­ger Infla­ti­on und gerin­gem Pro­duk­ti­vi­täts­wachs­tum beson­ders unan­ge­mes­sen.“

Schulz erin­ner­te dar­an, dass schon die hohen Abschlüs­se der ver­gan­ge­nen Tarif­run­den in der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie nicht durch höhe­re Pro­duk­ti­vi­tät auf­ge­fan­gen wer­den konn­ten. Die M+E‑Betriebe im Land wür­den heu­te kaum mehr pro­du­zie­ren als vor der Kri­se 2008/09. Trotz­dem sei­en inner­halb der letz­ten drei Tarif­run­den die Löh­ne in der Bran­che um durch­schnitt­lich rund 7.500 Euro erhöht wor­den. Die Beschäf­tig­ten der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie ver­dien­ten im Schnitt mitt­ler­wei­le mehr als 61.000 Euro pro Jahr. „Dar­an kön­nen die IG Metall und ihre Mit­glie­der doch nicht ein­fach vor­bei­se­hen“, erklär­te Schulz.

Der Vor­sit­zen­de der Unter­neh­mer­kon­takt­grup­pe Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen/­Furt­wan­gen, Ger­hard C. C. Warn­ke, wies auf die unsi­che­re wirt­schaft­li­che Lage der Unter­neh­men auch in der Regi­on hin. Eine bei dem Tref­fen der Unter­neh­mer-Kon­takt­grup­pen durch­ge­führ­te Kurz­ab­fra­ge unter zehn Unter­neh­men mit ins­ge­samt 7000 Mit­ar­bei­tern ergab, dass nur die Hälf­te der anwe­sen­den Unter­neh­mer im Ver­gleich zu 2015 von einer posi­ti­ve­ren geschäft­li­chen Ent­wick­lung ihres Unter­neh­mens im Jahr 2016 aus­ge­hen. 20 Pro­zent erwar­ten sogar eine nega­ti­ve bis sehr nega­ti­ve Ent­wick­lung. Im Sal­do müs­se sogar mit einem Abbau von Beschäf­ti­gung gerech­net wer­den, so Warn­ke: „Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen, die ja auch der IG Metall bekannt sein dürf­ten, ist eine For­de­rung von fünf Pro­zent Ent­gelt­er­hö­hung völ­lig über­zo­gen.“

Der Vor­sit­zen­de der Unter­neh­mer­kon­takt­grup­pe Tutt­lin­gen/­Kon­stanz-Sin­gen, Peter Decker, sieht einen län­ger­fris­ti­gen Trend zu nied­ri­gen Zuwäch­sen bei Pro­duk­ti­vi­tät und Infla­ti­on. „Dar­auf muss sich die Tarif­po­li­tik ein­stel­len. Die Zei­ten für nomi­nal hohe For­de­run­gen und Abschlüs­se sind erst ein­mal vor­bei“, sag­te Decker. Anfang der 2000er Jah­re habe sich die Ent­gelt­po­li­tik ziem­lich genau dar­an ori­en­tiert, Infla­ti­on und Pro­duk­ti­vi­täts­plus aus­zu­glei­chen. Dies habe den Stand­ort gestärkt. „Zu die­ser Linie müs­sen wir zurück­keh­ren. Und das Arbeit­ge­ber­an­ge­bot ent­spricht exakt die­ser Linie“, erklär­te Decker.