Heckler und Koch: Scheuch gefeuert

Keine Begründung / Aufsichtsratschef: Neue Politik bleibt

Ex-HK-Chef Norbert Scheuch am 15. August beim Interview mit SWR und NRWZ. Foto: him

OBERNDORF (him) — War’s das schon wieder mit der neuen Offen­heit? Heck­ler und Koch hat den  Vor­standsvor­sitzen­den Nor­bert Scheuch am Dien­stag gefeuert. Gründe dafür hat der Waf­fen­her­steller nicht angegeben.

In ein­er auf der HK-Home­page veröf­fentlicht­en Mit­teilung heißt es: “Der Auf­sicht­srat der H&K AG, der Konz­ern­mut­ter der Heck­ler & Koch Gruppe („Heck­ler & Koch“), hat mit sofor­tiger Wirkung die Bestel­lung von Her­rn Nor­bert Scheuch als Vor­sitzen­den des Vor­stands der H&K AG wider­rufen. Eben­so wurde die Bestel­lung von Her­rn Nor­bert Scheuch als Geschäfts­führer der Heck­ler & Koch GmbH mit sofor­tiger Wirkung wider­rufen.”

Scheuch hat­te am August bei ein­er Aktionärsver­samm­lung bemerkenswerte Offen­heit gegenüber kri­tis­chen Aktionären und den Medi­en gezeigt. Er hat­te sich nach der Ver­samm­lung den Fra­gen des SWR und der NRWZ gestellt. Auch hat­te er in Aus­sicht gestellt, dass die näch­ste Aktionärsver­samm­lung öffentlich sein kön­nte. Das war vielle­icht zu viel für den Hautp­tan­teil­seign­er Andreas Heeschen. Er ist extrem öffentlichkeitss­cheu. Von ihm gibt es nur ein einziges Foto aus dem Jahr 2009.

 Investor Andreas Heeschen besitzt 2/3 von HK

Da seit ein­er Kap­i­taler­höhung im August etwa 2/3 der Aktien dem Investor Heeschen Heeschen gehören, dürfte Heeschen die Ent­las­sung Scheuchs im Auf­sicht­srat durchge­drückt haben. Scheuchs Nach­fol­ger soll “bis zur kurzfristi­gen Bestel­lung eines Nach­fol­gers” Wolf­gang Hesse wer­den. Hesse war bis­lang Scheuchs Stel­lvertreter. Es soll “als Allein­vor­stand der H&K AG und alleiniger Geschäfts­führer der Heck­ler & Koch GmbH in enger Zusam­me­nar­beit mit dem Auf­sicht­srat die Auf­gaben entsprechend wahrnehmen”, heißt es in der Mit­teilung. Bis zum Dien­stagabend war Scheuch allerd­ings noch auf der Hom­page als Chef aufge­führt.

Screen­shot: him

Abschließend ver­sichert das Unternehmen: “Die ein­geleit­ete strate­gis­che Neuaus­rich­tung des Unternehmens, der oper­a­tive Trans­for­ma­tion­sprozess und die Pro­duk­tin­no­va­tion­sof­fen­sive wer­den unverän­dert fort­ge­führt.” Scheuch hat­te erre­icht, dass Heck­ler und Koch nur noch in soge­nan­nte “grüne” Län­der Waf­fen exportieren wird. Scheuch war seit Ende 2015  bei Heck­ler und Koch Geschäfts­führer.

Aufsichtsratschef John: Neue Geschäftspolitik bleibt

Der Auf­sicht­sratschef von Heck­ler und Koch, Dieter John, hat in einem Tele­fonge­spräch mit dem HK-Kri­tik­er und -Aktionär Jür­gen Grässlin betont, der Rauss­chmiss von Scheuch habe kein­er­lei neg­a­tive Auswirkun­gen auf die strate­gis­che Neuaus­rich­tung von Heck­ler & Koch. Es bleibe dabei, dass das Unternehmen nur noch in soge­nan­nte grüne Län­der Waf­fen liefern werde.  Län­der wie Malaysia, Indone­sien, Süd­ko­rea, die Türkei, die Vere­inigten Ara­bis­chen Emi­rate und den Oman werde die Fir­ma kün­ftig nicht mehr beliefern.

John habe auch zugesichert, dass der Vor­stand und der Auf­sicht­srat des Unternehmens die 110 Fra­gen der kri­tis­chen Aktionäre beant­worten und über die Ein­rich­tung eines Opfer­fonds “ern­sthaft disku­tieren” woll­ten.