Hybrider Standort” als Lösung?

Auftaktveranstaltung der „StandortHelden“ in Oberndorf /HGV Schramberg präsentierte Jobkarte

Lena Häsler und Tanja Broghammer (rechts) von der IHK verabschieden die Referenten des Abends zur Vorstellung der Schramberger Jobkarte und des Online-Marktplatzes Günzburg mit einem kleinen Präsent. Foto: pm

Zur ers­ten Ver­an­stal­tung der Rei­he „Stand­ort­Hel­den“ konn­te Han­dels­re­fe­ren­tin Lena Häs­ler von der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg in Obern­dorf über 60 Teil­neh­mer begrü­ßen. Ver­tre­ter der Han­dels- und Gewer­be­ver­ei­ne sowie der Kom­mu­nen aus der gan­zen Regi­on kamen in Obern­dorf zusam­men, um zu erfah­ren, wie man sich als Han­dels- und Gewer­be­ver­ein in der Regi­on stark macht und die Innen­städ­te leben­dig hält. Über die Ergeb­niss berich­tet die IHK in einer Pres­se­mit­tei­lung:

Der Ein­zel­han­del in den Städ­ten der Regi­on steht zwar unter spür­ba­rem Druck der Online-Rie­sen, es gebe der­zeit weni­ger Neu­grün­dun­gen, aber davon dür­fe man sich nicht ent­mu­ti­gen las­sen, sag­te Tan­ja Bro­g­ham­mer, stell­ver­tre­ten­de Lei­te­rin des Han­dels­aus­schus­ses der IHK: „Wir müs­sen über den Tel­ler­rand schau­en, quer­den­ken, und gemein­sam unse­re Geschäf­te wei­ter­ent­wi­ckeln, zum Bei­spiel mit hybri­den Model­len wie Cafés und ande­ren Ange­bo­ten.“

Lothar Kopf, Ers­ter Bei­geord­ne­ter der Stadt Obern­dorf und Wirt­schafts­för­de­rer, unter­strich die Wich­tig­keit eines intak­ten Umfel­des. Beun­ru­higt über zahl­rei­che Leer­stän­de grün­de­te die Stadt die Initia­ti­ve „Poten­zia­le Obern­dorf“, um schnell neue Händ­ler und Dienst­leis­ter anzu­sie­deln. So habe man elf leer­ste­hen­de Flä­chen bin­nen eines Jah­res reak­ti­vie­ren kön­nen. Man müs­se sich aber im Kla­ren dar­über sein, dass dies eine nie enden­de Auf­ga­be sei. Pro­blem: Vie­le Ver­mie­ter wol­len ihre Laden­ge­schäf­te und Büro­räu­me gar nicht mehr ver­mie­ten, weil sie Inves­ti­tio­nen fürch­ten.

Wir müs­sen die Innen­stadt wie ein Kauf­haus ver­ste­hen. Da dür­fen ein­zel­ne Abtei­lun­gen nicht weg­bre­chen.“ Wolf­gang Koch, City­ma­na­ger in Endin­gen am Kai­ser­stuhl, beton­te die ganz­heit­li­che Sicht. Dazu gehö­re eine umfas­sen­de Stra­te­gie, die nicht nur die Händ­ler und Gas­tro­no­men etwas ange­he: „Suchen Sie sich neue Part­ner wie die Indus­trie, Dienst­leis­ter, Land­wirt­schaft, Ver­ei­ne, jun­ge Unter­neh­mer“, for­der­te er die Händ­ler der Regi­on auf. Nur so und mit pro­fes­sio­na­li­sier­ter Struk­tur lie­ße sich die ste­te Arbeit und attrak­ti­ve Events rea­li­sie­ren. Am kon­kre­ten Bei­spiel des „Ale­man­ni­schen Brot­mark­tes“ in Endin­gen zeig­te Koch den Besu­chern auf, wie ein glaub­wür­di­ges, authen­ti­sches und pass­ge­nau­es Event orga­ni­siert wer­den kann.

Schramberger Jobkarte als Erfolgsgeschichte

Wie man die Indus­trie ganz kon­kret in das Han­dels­ge­sche­hen und das Stadt­mar­ke­ting ein­bin­det, zeig­ten Kirs­ten Moos­mann und Manue­la Klaus­mann vom Han­dels- und Gewer­be­ver­ein (HGV) Schram­berg. Ihre Erfolgs­ge­schich­te: Die Job­kar­te. Die funk­tio­niert wie ein auf­lad­ba­rer Gut­schein an jedem EC-Ter­mi­nal. Gespeist wird sie durch Unter­neh­men, die die Mög­lich­keit nut­zen, den steu­er- und sozi­al­ab­ga­be­frei­en Sach­be­zug an ihre Mit­ar­bei­ter aus­zu­zah­len.

Das sei eine tol­le Moti­va­ti­on für die Mit­ar­bei­ter und eine her­vor­ra­gen­de Mar­ken­bil­dung für den Arbeit­ge­ber (Employ­er Bran­ding), so Moos­mann und Klaus­mann, und vor allem eine nam­haf­te Stei­ge­rung der Kauf­kraft: Die aktu­ell mehr als 1000 Auf­la­dun­gen pro Monat bedeu­ten etwa 480.000 Euro Umsatz pro Jahr, der bei den aktu­ell 60 Akzep­tanz­stel­len in der Stadt gemacht wird. „Wir haben Händ­ler, Fri­seu­re, Rei­se­bü­ros und vie­le wei­te­re Anbie­ter begeis­tern kön­nen“, ver­deut­lich­ten die bei­den Schram­ber­ge­rin­nen. Man arbei­te dar­an, das Sys­tem ste­tig aus­zu­bau­en, vor allem aber gel­te: „Wir haben jetzt ein ganz ande­res Stan­ding bei der Indus­trie.“

Die ist an einem attrak­ti­ven Han­dels­an­ge­bot im Ort inter­es­siert, um Fach­ar­bei­ter und deren Fami­li­en für die Regi­on begeis­tern zu kön­nen. Denn, so waren sich alle Refe­ren­ten einig: Es lau­fen immer zwei Bewer­bungs­ge­sprä­che par­al­lel, näm­lich jenes im Unter­neh­men und das der Stadt mit der Fami­lie.

Ange­la Baur und Ste­fan Wei­ßen­hor­ner stell­ten eine ganz beson­de­re Stra­te­gie mit einer ein­gän­gi­gen Abkür­zung vor: Mit dem Online­markt­platz Günz­burg för­dern Stadt und Händ­ler das so genann­te ROPO. Das ist Eng­lisch und steht für Rese­arch Online – Purcha­se Off­line, also im Inter­net infor­mie­ren, im Laden kau­fen. Das Duo berich­te­te, wie auf­wän­dig es war, eine sol­che Platt­form zu errich­ten, dies sei nur durch För­de­rung der Lan­des­re­gie­rung mög­lich gewe­sen. Heu­te sind fast alle Händ­ler und Dienst­leis­ter Günz­burgs ver­tre­ten, man bie­tet sogar einen Lie­fer­ser­vice: Wer bis 16 Uhr in einem der ange­schlos­se­nen Geschäf­te bestellt, erhält bis 18 Uhr die Ware.