Minister Peter Altmaier zu Gast im Kraftwerk in Rottweil, begrüßt von Oberbürgermeister Ralf Broß, IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez und IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos-Boyd (von links). Foto: pm

In vie­len mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men in Baden-Würt­tem­berg ist der Genera­ti­ons­wech­sel ein aktu­el­les The­ma. Zahl­rei­chen Unter­neh­men droht die Still­le­gung, weil sich kein geeig­ne­ter Nach­fol­ger fin­den lässt. Unwei­ger­lich stellt sich die Fra­ge, wie der Bestand der in den nächs­ten Jah­ren zur Über­ga­be anste­hen­den Unter­neh­men und ihrer Arbeits­plät­ze lang­fris­tig gesi­chert wer­den kann. 

Dis­ku­tier­ten inten­siv die Grün­dungs­kul­tur im Land. Von links: Domi­nik Bug­g­le (add’n solu­ti­ons GmbH & Co. KG Tutt­lin­gen), Anja Conz-Springo­rum (Conz & Stra­ßer GmbH, Spai­chin­gen), Hans Mack (AGVS Vil­lin­gen GmbH), Minis­ter Peter Alt­mai­er, Mode­ra­to­rin Kat­rin-Céci­le Zieg­ler, Prof. Dr. Boris Hof­mann (B. Braun Inno­va­ti­on Hub & Digi­tal Inno­va­ti­on) und Vol­ker Vil­ling (VVK Kunst­stoff­tech­nik GmbH & Co. KG, Böt­tin­gen).
Der Ver­an­stal­tungs­ort – das Kraft­werk in Rott­weil. Fotos: pm

Der Tech­no­lo­gie­ver­bund Tech­no­lo­gy­Moun­tains und die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg hat­ten des­halb gemein­sam mit dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie zur zwei­ten Regio­nal­kon­fe­renz der bun­des­wei­ten Grün­dungs­of­fen­si­ve „GO!“ mit Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er in das Kraft­werk Rott­weil ein­ge­la­den.

Mit der Grün­dungs­of­fen­si­ve „GO!“ gibt das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie zusätz­li­che Impul­se zum Grün­den und stärkt den Grün­der- und Unter­neh­mer­geist in Deutsch­land. Ziel ist es, mehr Men­schen zu ermu­ti­gen, ein eige­nes Unter­neh­men zu grün­den oder ein bestehen­des Unter­neh­men zu über­neh­men. Dabei geht es um die Bedeu­tung von Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mern für die Sozia­le Markt­wirt­schaft – gera­de auch in den Regio­nen – und die Wert­schät­zung, die sie ver­die­nen.

IHK-Prä­si­den­tin Bir­git Haken­jos-Boyd beton­te vor den rund 400 Gäs­ten, „dass die wirt­schaft­li­che Stär­ke unse­res Lan­des seit jeher auf unse­rer viel­fäl­ti­gen Unter­neh­mens­land­schaft beruht. Wir haben weni­ge Groß- und vie­le klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men. Und unser Mit­tel­stand schafft seit jeher die meis­ten Arbeits­plät­ze, zahlt die meis­ten Steu­ern und bringt die meis­ten Inno­va­tio­nen her­vor.“

Der Mit­tel­stand sei Garant für Wohl­stand und Beschäf­ti­gung und es gebe welt­weit nir­gend­wo etwas Ver­gleich­ba­res. Rund um den Glo­bus sei er genau­so wie das Sie­gel Made in Ger­ma­ny ein Qua­li­täts­sie­gel für bes­te Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen.

Aber auch der Mit­tel­stand brau­che kon­ti­nu­ier­lich Nach­wuchs. Zum einen such­ten vie­le Unter­neh­mer einen Nach­fol­ger, um ihre Fir­ma alters­hal­ber über­ge­ben zu kön­nen. Zum ande­ren ent­wi­ckeln sich die Kun­den­an­for­de­run­gen und Kun­den­wün­sche stän­dig wei­ter. Und die­se kön­nen häu­fig nur mit neu­en Ide­en und Tech­no­lo­gi­en in neu gegrün­de­ten Unter­neh­men bedient wer­den.

Poli­tik und Ver­wal­tung haben des­halb die Pflicht, alles dafür zu tun, Grün­dun­gen so leicht wie mög­lich zu machen“, so Bir­git Haken­jos-Boyd. „Grün­der brau­chen kei­ne Büro­kra­tie und wenig Steu­ern. Sie brau­chen eine gute Infra­struk­tur und natür­lich Breit­band und sta­bi­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze – auch auf dem Land. Sie brau­chen Zugang zu Kapi­tal und Know-how. Und sie müs­sen spü­ren, dass ein Grün­der­geist durchs Land weht, der sie beflü­gelt und ihnen Rücken­wind gibt“, for­dert die IHK-Prä­si­den­tin.

Mit der Grün­dungs­of­fen­si­ve set­zen wir gemein­sam mit der Wirt­schaft ein kraft­vol­les Zei­chen für mehr Grün­dun­gen in Deutsch­land“, so Peter Alt­mai­er. Ihm sei der Aus­tausch vor Ort mit enga­gier­ten Grün­de­rin­nen und Grün­dern, erfolg­rei­chen Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mern, sehr wich­tig. „Ich will erfah­ren, wo Poten­zia­le genutzt wer­den kön­nen, um mehr Men­schen für die eige­ne Selbst­stän­dig­keit zu moti­vie­ren. Ich will die vie­len muti­gen und erfolg­rei­chen Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer in den Regio­nen sicht­bar machen und ihr Enga­ge­ment für ihre Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter sowie für die Gesell­schaft aner­ken­nen und wert­schät­zen.” In Zei­ten eines lang­sa­me­ren Wirt­schafts­wachs­tums set­ze er sich für Ent­las­tun­gen für die Wirt­schaft und gera­de auch für den Mit­tel­stand ein. „Wir müs­sen Büro­kra­tie abbau­en, aber wir brau­chen auch Ent­las­tun­gen bei der Kör­per­schaft­steu­er, beim Soli oder auch bei den  Ener­gie­prei­sen.”

Die Ver­an­stal­tung, mode­riert von Kat­rin-Céci­le Zieg­ler, bot auch die Gele­gen­heit, mit dem Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter direkt aktu­el­le Fra­gen und Her­aus­for­de­run­gen von Grün­de­rin­nen und Grün­dern sowie Unter­neh­men zu dis­ku­tie­ren. Im Dia­log zwi­schen Grün­der­sze­ne, Wirt­schaft und Poli­tik wur­de erör­tert, wie Grün­dun­gen und Betriebs­über­ga­ben noch bes­ser unter­stützt wer­den kön­nen, damit mehr Men­schen in Deutsch­land den Schritt in die Selbst­stän­dig­keit gehen.

Dr. Harald Stall­forth, Vor­stand von Tech­no­lo­gy­Moun­tains, ergänz­te: „Exis­tenz­grün­de­rin­nen und ‑grün­der leis­ten einen wich­ti­gen Bei­trag für unse­re Volks­wirt­schaft, indem Sie neue Arbeits­plät­ze schaf­fen, den Wett­be­werb för­dern sowie inno­va­ti­ve Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen her­vor­brin­gen. Dies gilt ins­be­son­de­re auch für unse­re wirt­schafts­star­ke Regi­on.“

Wir freu­en uns sehr, dass die bun­des­wei­te Grün­dungs­of­fen­si­ve ‚GO!‘ unse­ren Akti­vi­tä­ten und För­der­maß­nah­men unter der Dach­mar­ke ‚Start-up BW‘ zusätz­li­chen star­ken Rücken­wind ver­leiht. Unser Ziel ist es, unse­re Maß­nah­men mög­lichst opti­mal mit den Bun­des­maß­nah­men zu ver­zah­nen. Baden-Würt­tem­berg ist heu­te mehr denn je auf jun­ge Unter­neh­men und auch deren Zusam­men­ar­beit mit eta­blier­ten Unter­neh­men ange­wie­sen. Dazu müs­sen wir jetzt die gro­ßen Chan­cen des digi­ta­len Zeit­al­ters nut­zen“, sag­te Minis­te­ri­al­di­rek­tor Micha­el Klei­ner in sei­ner Rede.

Hin­ter­grund
Oft wird die Not­wen­dig­keit, die Nach­fol­ge zu regeln, im Unter­neh­men häu­fig zu spät erkannt oder eine Rege­lung zumin­dest immer wie­der auf­ge­scho­ben. Erheb­li­che Schwie­rig­kei­ten kann auch die Suche nach einem geeig­ne­ten Nach­fol­ger berei­ten. Schließ­lich ist oft­mals nicht klar, auf wel­che kon­kre­ten Bera­tungs­dienst­leis­tun­gen wäh­rend des Über­ga­be­pro­zes­ses zurück­ge­grif­fen wer­den kann oder soll­te.

Die recht­zei­ti­ge und sys­te­ma­ti­sche Vor­be­rei­tung der Unter­neh­mens­nach­fol­ge ist eine wesent­li­che Vor­aus­set­zung für den dau­er­haf­ten Erhalt des Betriebs. Feh­ler bei der Über­ga­be kön­nen zu Unter­neh­mens­kri­sen bis hin zur Betriebs­auf­ga­be füh­ren. Vie­le Unter­neh­mens­in­ha­ber haben kei­nen Nach­fol­ger aus der Fami­lie. Für sie ist es wich­tig, recht­zei­tig einen geeig­ne­ten exter­nen Über­neh­mer zu fin­den und auf die Betriebs­füh­rung vor­zu­be­rei­ten.