Regi­on (pm) – Die Vor­zei­chen für die Tarif­run­de der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie 2018 sind posi­tiv. Die wirt­schaft­li­chen Rah­men­da­ten las­sen eine gewich­ti­ge For­de­rung zu. Die Dele­gier­ten der IG Metall Freu­den­stadt dis­ku­tier­ten im Rah­men der Dele­gier­ten­ver­samm­lung am 27. Sep­tem­ber 2017 im Glat­te­ner Sport­heim
den For­de­rungs­ka­ta­log der baden-würt­tem­ber­gi­schen Tarif­kom­mis­si­on. Dies teilt die Gewerk­schaft in einer Pres­se­mit­tei­lung mit.

Nach den Pro­gno­sen von Markt­for­schern wächst die Gesamt­wirt­schaft die­ses Jahr um rund 1,7 Pro­zent. 2018 soll das Brut­to­in­lands­pro­dukt um 1,8 und die Pro­duk­ti­vi­tät um etwa 1,2 Pro­zent zule­gen. Die Ver­brau­cher­prei­se bewe­gen sich knapp unter der 2 Pro­zent  Ziel­in­fla­ti­ons­ra­te der EZB. Die Tarif­kom­mis­si­on schlägt eine For­de­rung um die sechs Pro­zent vor. Dar­in fin­den sich auch die Freu­den­städ­ter Dele­gier­ten wie­der. Horst Kalu­za, zwei­ter Bevoll­mäch­tig­ter (ehren­amt­lich) der IG Metall Freu­den­stadt kom­men­tiert dazu ganz prag­ma­tisch: „Der Wirt­schaft geht es gut. Eine For­de­rung unter sechs Pro­zent steht gar nicht zur Debat­te“.

Es wer­de in der nächs­ten Tarif­run­de jedoch nicht nur ums Geld gehen, kün­dig­te Doro­thee Diehm, ers­te Bevoll­mäch­tig­te der IG Metall Freu­den­stadt, an. Die IG Metall will  Wahl­mög­lich­kei­ten für Beschäf­tig­te bei der Arbeits­zeit errei­chen. Dem­nach soll eine Redu­zie­rung auf bis zu 28 Wochen­stun­den für zwei Jah­re mit Rück­kehr­recht zur 35-Stun­den-Woche mög­lich sein (kur­ze Voll­zeit). Für belas­te­te Kol­le­gIn­nen, zum Bei­spiel in Schicht­ar­beit, sowie Beschäf­tig­te mit Kin­dern und zu pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen soll es dafür einen Zuschuss zum Ent­gelt geben.

Dass zur Durch­set­zung die­ser For­de­rung der Man­tel­ta­rif­ver­trag gekün­digt wer­den muss, ist für Diehm eine logi­sche Kon­se­quenz. Er ist das Herz­stück der Tarif­ver­trä­ge und beinhal­tet ele­men­ta­re Rege­lun­gen, wie bei­spiels­wei­se der Kün­di­gungs­schutz im Alter. Nicht zuletzt  auch die Ver­dienst­si­che­rung ab dem 54. Lebens­jahr ist dem Arbeit­ge­ber­ver­band schon lan­ge ein Dorn im Auge. Hart­mut Frie­sin­ger, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der der Fir­ma Cera­ti­zit, bewer­te­tet die Situa­ti­on wie folgt: „Das wird kein Spa­zier­gang. Klar ist, wir machen den Man­tel erst wie­der zu, wenn wir am Ziel sind. Eine Ver­schlech­te­rung an ande­rer Stel­le im Man­tel wer­den wir nicht zulas­sen“. Die Dis­kus­si­on um eine kur­ze Voll­zeit wirft
arbeits­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Fra­gen auf. Vor allem: Wer über­nimmt die Arbeit? „Die per­so­nel­le Beset­zung ist knapp. Eine kur­ze Voll­zeit kann nicht los­ge­löst vom The­ma Per­so­nal­be­mes­sung dis­ku­tiert wer­den. Es bedarf mehr Mit­be­stim­mung des Betriebs­rats in Sachen Per­so­nal­aus­gleich“, so Alex­an­der Plaz, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der der Fir­ma Bosch Rex­roth.

Diehm stellt zusam­men­fas­send fest: „Es ist an der Zeit, dass wir als IG Metall uns der Arbeits­zeit anneh­men. Wir haben die Beschäf­tig­ten befragt und einen kla­ren Auf­trag für die kom­men­de Tarif­run­de. Dem neh­men wir uns an – und zwar jetzt.“ Abschlie­ßend zur Ver­an­stal­tung ver­sam­mel­ten sich die Dele­gier­ten für ein Foto, um sich soli­da­risch mit den Beschäf­tig­ten der Fir­ma Ernst Umform­tech­nik in Zusen­hau­sen, die sich zukünf­tig für Tarif­bin­dung stark machen wol­len, zu erkä­ren. „In Tarif­run­den wird deut­lich wie wich­tig soli­da­ri­sches Han­deln ist. Wir wer­den den Schwung der Tarif­run­de auch nut­zen, sei es dort, wo es noch kei­nen Betriebs­rat gibt oder kei­ne Tarif­bin­dung besteht“. Die Kam­pa­gne der IG Metall „Mehr Wert mit Tarif“ rückt Betrie­be ohne Tarif­bin­dung wie­der mehr in den Fokus gewerk­schaft­li­chen Han­delns.