IG Metall: Zeitarbeit kein Zustand auf Dauer

Dorothee Diehm (IGM), Saskia Esken (SPD), Armin Zeller (IGZ) und Nicolas Bauer (IGM) (von links). Foto: Michael Engel

REGION (pm) – Nach erfolg­reich geführ­ten Tarif­ver­hand­lun­gen in der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie und einer gelun­ge­nen 125 Jahr Fei­er stand die zwei­te Dele­gier­ten­ver­samm­lung der IG Metall Freu­den­stadt unter dem Mot­to „Nach­le­se und Vor­aus­schau“, schreibt die Gewerk­schaft in einer Pres­se­mit­tei­lung. Und wei­ter:

Neben den erreich­ten Real­lohn­stei­ge­run­gen für die Beschäf­tig­ten in den Metall­be­trie-ben, stand im Mit­tel­punkt der Bericht­erstat­tung der Aus­tritt der Fir­ma Seuf­fer, Calw aus dem Arbeit­ge­ber­ver­band Süd­west­me­tall. Um sich den Tarif­er­hö­hun­gen zu ent­zie­hen kün­dig­te Geschäfts­füh­rer Wil­li End­erle heim­lich still und lei­se sei­ne Mit­glied­schaft und das bereits im Früh­jahr 2015. Mit Ver­kün­dung des Tarif­er­geb­nis­ses kam die Wahr­heit ans Tages­licht und somit auch eine Wel­le des Pro­tests und Wider­stands der Beleg­schaft.

In sie­ben Tagen hat die Beleg­schaft ver­stan­den, auf was es ankommt, auf ihren Tarif­ver­trag, den man sich zurück­ho­len wol­le. In sie­ben Tagen war der Wie­der­ein­tritt von Geschäfts­füh­rer Wil­li End­erle in den Ver­band nur noch Form­sa­che.“, so Diehm. Diehm bekräf­tig­te, dass anhand die­ses Bei­spiels deut­lich wird, dass die IG Metall gemein­sam mit den Beschäf­tig­ten zu jeder Zeit hand­lungs­fä­hig ist und auch zukünf­tig um Tarif­ver­trä­ge kämp­fen wird.

Nach den betrieb­li­chen The­men stand eine Talk­run­de um den aktu­el­len Geset­zes­ent­wurf zu Leih­ar­beit und Werk­ver­trä­gen im Mit­tel­punkt der Dis­kus­si­on. Ein­ge­la­den dazu waren Sas­kia Esken, MdB SPD, Mar­kus Kret­sch­mann, stell­ver­tre­ten­der Betriebs­rats­vor­sit­zen­der der Fir­ma Schwei­zer in Schram­berg, Armin Zel­ler, Inter­es­sens­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit. Mode­riert wur­de die Run­de von Doro­thee Diehm, Geschäfts­füh­re­rin der IG Metall Freu­den­stadt und Nico­las Bau­er, Gewerk­schafts­se­kre­tär der IG Metall.

Das neue Gesetz zu Leih­ar­beit und Werk­ver­trä­ge sieht eini­ge Ver­än­de­run­gen für die zwi­schen­zeit­lich größ­te „Bran­che“ in Deutsch­land vor. Die Ein­satz­dau­er soll auf 18 Mona­te begrenzt wer­den. Dar­über hin­aus gilt ab dem zehn­ten Monat glei­cher Lohn für glei­che Arbeit. Sas­kia Esken, SPD ist über­zeugt, das sei ein wich­ti­ger Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Außer­dem sei es das Maxi­mum an Kom­pro­miss inner­halb der gro­ßen Koali­ti­on gewe­sen.

Unter beson­de­rem „ver­ba­len Beschuss“ der dis­ku­tie­ren­den IGM-Betriebs­rä­te stand Armin Zel­ler vom Leih­ar­beit­ge­ber­ver­band IGZ, der „schar­fe“ Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge aus dem Ple­num zu Miss­brauchs­fäl­len von Leih­ar­beit in den Betrie­ben der Regi­on aus­hal­ten muss­te. „Das sei auch nicht im Inter­es­se des Ver­bands, dass Leih­ar­beits­be­schäf­tig­te schlecht behan­delt wer­den“. so Zel­ler. Er ver­wies dabei auf die unab­hän­gi­ge Schlich­tungs­stel­le, an die sich neben den Ver­leih­be­trie­ben die sich selbst­ver­ständ­lich auch die Beschäf­tig­ten wen­den kön­nen.

Beim The­ma Werk­ver­trä­ge schafft der Gesetz­ge­ber jetzt mehr Trans­pa­renz, indem das Infor­ma­ti­ons­recht des Betriebs­rats prä­zi­siert wer­den soll. Dar­über hin­aus wird eine Kon­kre­ti­sie­rung des Arbeit­neh­mer­be­griffs vor­ge­nom­men, um eine deut­li­che­re Abgren­zung zu Werk­ver­trä­gen zu ermög­li­chen.

Eine not­wen­di­ge Regu­lie­rung, die auch Betriebs­rat Mar­kus Kret­sch­mann von der Fir­ma Schwei­zer posi­tiv bewer­tet. Kri­tisch sieht er die feh­len­de Mit­be­stim­mung in Sachen Out­sour­cing. Dem stimmt Esken voll und ganz zu: „Es gilt noch eini­ge Ver­bes­se­run­gen zu errei­chen. Dazu zählt mit­un­ter die betriebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Mit­be­stim­mung in bei­den Berei­chen – Leih­ar­beit wie Werk­ver­trä­ge.“

In der Dis­kus­si­on mit den Dele­gier­ten wur­de die Posi­ti­on der Metal­le­rin­nen und Metal­ler sehr deut­lich. „Die Lebens- und Arbeits­si­tua­ti­on vie­ler Men­schen ist auf­grund von Werk­ver­trä­gen oder Leih­ar­beit unwür­dig. Sowohl Sicher­heit als auch Per­spek­ti­ve feh­len. Von der Arbeits­be­las­tung durch den stän­di­gen Wech­sel und der abso­lu­ten Fle­xi­bi­li­tät mal abge­se­hen. Das ist kein Zustand auf Dau­er“, so ein Dele­gier­ter. Die IG Metall wer­de daher wei­ter „gemein­sam mit den Beschäf­tig­ten die oft skan­da­lö­sen Arbeits­be­din­gun­gen in Werk­ver­trags­un­ter­neh­men durch Grün­dung von Betriebs­rä­ten und das Rin­gen um Tarif­ver­trä­ge bekämp­fen“, so Nico­las Bau­er laut Pres­se­mit­tei­lung abschlie­ßend.