IHK-Außenwirtschaftsausschuss beschäftigt sich mit der neuen Seidenstraßeninitiative

Können regionale Unternehmen davon profitieren?

Region. Sie sind so vielfältig wie die Initiative selbst: die Projekte entlang Chinas neuer Seidenstraße. Sie bieten Geschäftschancen und Risiken und waren damit für den Außenwirtschaftsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg Anlass genug, sich auf Einladung der Maier Werkzeugmaschinen GmbH & Co. KG in Wehingen zu treffen. Hierüber informiert die IHK in einer Pressemitteilung.

Geschäftsführer Michael Maier erläuterte im Rahmen einer Betriebsbesichtigung, wie wichtig es heutzutage ist, sich aufgrund der aktuellen Handelskonflikte mit unterschiedlichen Märkten zu beschäftigen und wegen einzelner Branchenkrisen verstärkt auf mehrere wirtschaftliche Standbeine zu setzen. Das Unternehmen pflegt schon längere Zeit gute Geschäftskontakte in Richtung China.

Lisa Flatten von der Germany Trade & Invest (GTAI) in Bonn beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit Ostasien. „China verspricht sich durch die Seidenstraßeninitiative die Erschließung neuer Absatzmärkte. Die notwendigen Investitionen würden über die Asian Infrastructure Investment Bank abgewickelt, an der neben Russland und Indien auch Deutschland beteiligt ist“, so Lisa Flatten. Die Interessen Chinas liegen dabei in der Wirtschaftsförderung durch das geopolitische Engagement in Zentralasien, Afrika, Europa und sogar Südamerika, sagt die Expertin. Dabei gehe es auch um Einflussnahme in der Weltwirtschaft, wie zum Beispiel bei der Durchsetzung der chinesischen technischen Standards oder als Konfliktmediator oder einfach, um das eigene Entwicklungsmodell zu exportieren.

Chancen speziell für die regionalen Unternehmen sieht Lisa Flatten zum einen in den neuen und schnelleren Transportrouten auf Schiene und Straße, aber auch in der Nutzung neuer Schiffsrouten, bedingt auch durch den Klimawandel. Die Unternehmen können somit Kosten und Zeit sparen. „Die Seidenstraßeninitiative ist jedoch mehr als nur die Erschließung neuer Transportwege. Unternehmen können nicht nur in China, sondern auch als Zulieferer und in Kooperation mit chinesischen Partnern auf Drittmärkten Fuß fassen. Hier bieten sich die Bautechnik, Bauausrüstung, Bahn-, Flug- und Schiffstechnik, Energiegewinnung, Projektierung und die Architekturdienstleistungen für lokale Auftraggeber an.“

Kritisch betrachtet wurde im Ausschuss die mangelnde Transparenz für die chinesischen Projekte durch die Ausschussmitglieder. Hierzu bietet die GTAI als Serviceleistung eine spezielle Internetseite zur Seidenstraßeninitiative, Schulungswebinare, eine Auslandsprojektdatenbank sowie ein spezielles Kontaktbüro („Belt and Road Construction Promotion Center“) an. Flatten zieht als Fazit: „Man bewirbt sich nicht mehr um Projekte, sondern um Partner. Bei der Seidenstraßeninitiative sollte die Firmenstrategie langfristig ausgerichtet sein“, so die abschließende Empfehlung Lisa Flattens.

Im Rahmen eines längeren Erfahrungsaustausches wurde im Ausschuss auch über die Folgen des möglichen Brexits, die Russland- und Iransanktionen, den verstärkten Bürokratieaufwand bei der Entsendung von Mitarbeitern weltweit, die Zertifizierung von Medizinprodukten innerhalb Europas, der zunehmende Protektionismus und über die Wirtschaftskrise in der Türkei diskutiert.

Die nächste IHK-Außenwirtschaftsausschusssitzung findet gemeinsam mit dem Außenwirtschaftsausschuss der IHK Hochrhein-Bodensee in Bonndorf (Schwarzwald) beim Unternehmen Hectronic GmbH zum Thema Indien statt.

 

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