IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez. Foto: pm

REGION (pm) – Seit sie­ben Jah­ren sta­gnie­ren die Inno­va­ti­ons­aus­ga­ben der klei­nen und mit­tel­gro­ßen Unter­neh­men. Das hat die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg beob­ach­tet und bestä­tigt damit jüngs­te Berich­te der deut­schen Exper­ten­kom­mis­si­on For­schung und Inno­va­ti­on (EFI).

„Wir machen uns gro­ße Sor­gen wegen der gebrems­ten For­schungs- und Inno­va­ti­ons­kraft“, sagt IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Albiez laut einer IHK-Pres­se­mit­tei­lung. Die Indus­trie- und Dienst­leis­tungs­bran­chen ande­rer Län­der könn­ten im Lau­fe der Zeit einen tech­no­lo­gi­schen Vor­sprung errei­chen, den deut­sche Mit­tel­ständ­ler bald nicht mehr ein­ho­len.

„Den klei­ne­ren Unter­neh­men bei uns man­gelt es nicht nur an Fach­kräf­ten, son­dern vor allem an liqui­den Mit­teln für die eige­ne For­schung und Ent­wick­lung“, berich­tet Tho­mas Wolf, Geschäfts­be­reichs­lei­ter Inno­va­ti­on und Tech­no­lo­gie bei der IHK. Als Geschäfts­füh­rer des regio­na­len Tech­no­lo­gie­ver­bunds Tech­no­lo­gy­Moun­tains steht er im unmit­tel­ba­ren Kon­takt mit mehr als 200 for­schen­den und inno­va­ti­ons­star­ken Unter­neh­men in der Regi­on. Tho­mas Wolf: „Die Mit­tel­ständ­ler wol­len und sol­len mehr erfin­den und mehr ent­wi­ckeln. Das ist die tra­di­tio­nel­le, welt­weit her­aus­ra­gen­de Stär­ke unse­rer Indus­trie. Aber die Umstän­de hin­dern sie dar­an.“ Etwa jedes drit­te Unter­neh­men, das eige­ne Inno­va­tio­nen anstre­be, wer­de durch den Man­gel an Fach­kräf­ten und liqui­den Mit­teln behin­dert.

Die Ban­ken sei­en Restrik­tio­nen bei der Kre­dit­ver­ga­be unter­wor­fen. Land, Bund und EU hiel­ten zwar vie­le För­der­töp­fe bereit. Aber die büro­kra­ti­schen Hür­den der staat­lich gelenk­ten Tech­no­lo­gie- bzw. Pro­jekt­för­de­rung sei­en für klei­ne Unter­neh­men zu hoch. Die Antrags­ver­fah­ren sei­en zu kom­pli­ziert. Die For­schungs­fi­nan­zie­rung allein aus eige­nen Mit­teln sei vie­len Unter­neh­men zu ris­kant und über­for­de­re die meis­ten Klein­be­trie­be. Vie­le Betrie­be könn­ten ihre For­schung und Ent­wick­lung offen­bar nicht in dem frü­he­ren Umfang auf­recht­erhal­ten.

IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Albiez appel­lier­te des­halb jetzt an die Bun­des­po­li­tik und an die Abge­ord­ne­ten der Regi­on: „Es wird Zeit, end­lich die steu­er­li­che För­de­rung ein­zu­füh­ren. Deut­schen Mit­tel­ständ­lern muss es ermög­licht wer­den, min­des­tens zehn Pro­zent ihrer Per­so­nal­aus­ga­ben für For­schung und Ent­wick­lung unmit­tel­bar steu­er­min­dernd gel­tend machen zu kön­nen.“ So könn­ten sie ohne büro­kra­ti­schen Auf­wand schnell und rechts­si­cher mehr Mit­tel für die eige­ne Inno­va­tio­nen frei machen.

Die For­de­rung gel­te ins­be­son­de­re für die Grup­pe der klei­nen und mit­tel­gro­ßen Unter­neh­men bis 500 Beschäf­tig­te. Die IHK schlie­ße sich ent­spre­chen­den For­de­run­gen des bun­des­wei­ten Bünd­nis­ses „Zukunft der Indus­trie“ und des Deut­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mer­ta­ges (DIHK) an.

Die Exper­ten­kom­mis­si­on For­schung und Inno­va­ti­on – eine von der Bun­des­re­gie­rung ein­be­ru­fe­ne Arbeits­grup­pe – habe nach­ge­wie­sen, dass inno­va­ti­ons­ak­ti­ve Mit­tel­ständ­ler mehr in die For­schung inves­tie­ren wür­den, wenn mehr Eigen­mit­tel ver­füg­bar wären. Steu­er­erleich­te­run­gen sei­en ein prag­ma­ti­scher Weg, um den Unter­neh­men zu mehr liqui­den Mit­teln zu ver­hel­fen.

Tho­mas Albiez ergänzt: „Ande­re EU-Staa­ten bie­ten ihrer Wirt­schaft viel mehr Spiel­raum durch indi­rek­te For­schungs­för­de­rung mit­tels Steu­er­erleich­te­run­gen oder durch eine Kom­bi­na­ti­on von staat­li­chen För­der­töp­fen und steu­er­li­cher För­de­rung.“ Frank­reich finan­zie­re mehr als die Hälf­te der For­schungs- und Ent­wick­lungs­kos­ten klei­ner und mitt­le­rer Unter­neh­men über direk­te und indi­rek­te – steu­er­li­che – För­der­maß­nah­men. In den Nie­der­lan­den, Groß­bri­tan­ni­en und Öster­reich lagen die durch­schnitt­li­chen Gesamt­för­der­quo­ten für klei­ne­re Unter­neh­men zuletzt bei 30 bis 38 Pro­zent der For­schungs­kos­ten. In Deutsch­land sei die Quo­te nicht ein­mal halb so hoch und die steu­er­li­che För­de­rung feh­le völ­lig.

Die IHK ver­weist zudem auf den Inno­va­ti­ons­in­di­ka­tor 2015 des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen Indus­trie (BDI). Laut BDI betra­gen die Aus­ga­ben für For­schung und Ent­wick­lung im deut­schen Mit­tel­stand nur 0,3 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts. Das sei weni­ger als in den meis­ten ande­ren euro­päi­schen Län­dern. Hier­zu­lan­de zäh­len laut BDI nur elf Pro­zent aller for­schen­den Unter­neh­men zur Grup­pe der Klein­be­trie­be oder Mit­tel­ständ­ler. Das sei der zweit­nied­rigs­te Wert im Ver­gleich mit den welt­weit 25 größ­ten Indus­trie­län­dern.

Für Tho­mas Albiez lau­tet die Schluss­fol­ge­rung aus die­sen Daten: „Wir müs­sen drin­gend dafür sor­gen, dass unse­re Mit­tel­ständ­ler wie­der mehr for­schen und ent­wi­ckeln kön­nen. Sonst lei­det die Inno­va­ti­ons­kraft und damit die Wett­be­werbs­fä­hig­keit unse­res Lan­des.“