IHK: Landesregierung bei Infrastruktur und Mobilität in der Pflicht

IHK-Verkehrsausschuss bei der Firmengruppe Simon in Aichhalden

Prof. Dr. Wolfgang Schulz von der Zeppelin Universität Friedrichshafen stellte beim IHK-Verkehrsausschuss den Referentenentwurf des neuen Bundesverkehrswegeplanes vor. Foto: IHK

REGION (pm) – Die grün-schwar­zen Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen in Stutt­gart stan­den im Fokus der Ver­kehrs­aus­schuss­sit­zung der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg bei der Fir­men­grup­pe Simon in Aich­hal­den, heißt es in einem Bericht der IHK.

 „Die neue Lan­des­re­gie­rung ent­schei­det in der kom­men­den Legis­la­tur­pe­ri­ode unter ande­rem dar­über, wel­che Infra­struk­tur­pro­jek­te in Baden-Würt­tem­berg und in unse­rer Regi­on vor­an­ge­trie­ben wer­den und wie der Öffent­li­che Per­so­nen­nah­ver­kehr (ÖPNV) zukunfts­fä­hig aus­ge­stal­tet wer­den kann. Die­se und ande­re wich­ti­ge Ver­kehrs­fra­gen gilt es mög­lichst bald zu klä­ren“, fasst Dr. Ger­hard Leh­mann als Vor­sit­zen­der die Erwar­tun­gen des IHK-Ver­kehrs­aus­schus­ses an die neue Regie­rung in Stutt­gart zusam­men.

Nach der Vor­stel­lung der „Simon”-Firmengruppe und dem am Fir­men­ge­län­de ein­ge­führ­ten Sys­tem der „pfört­ner­lo­sen Schran­ke“ durch Logis­tik­lei­ter Frank Dre­sel stell­te Prof. Dr. Wolf­gang Schulz von der Zep­pe­lin Uni­ver­si­tät Fried­richs­ha­fen den vor weni­gen Wochen ver­öf­fent­lich­ten Refe­ren­ten­ent­wurf des neu­en Bun­des­ver­kehrs­we­ge­pla­nes (BVWP) vor, der vor­aus­sicht­lich im Herbst 2016 vom Bun­des­ka­bi­nett ver­ab­schie­det wird. Der Refe­ren­ten­ent­wurf sen­de mit der Ein­stu­fung aller ange­mel­de­ten Stra­ßen­bau­pro­jek­te in der Regi­on Schwarz­wald-Baar-Heu­berg als soge­nann­ten „Vor­dring­li­cher Bedarf“ (VB) ein deut­li­ches Signal an die künf­ti­ge baden-würt­tem­ber­gi­sche Lan­des­re­gie­rung und die zustän­di­gen Pla­nungs­be­hör­den, teil­te Mar­tin Schmidt, IHK-Pro­jekt­lei­ter für die Ver­kehrs­bran­che, mit.

Im Bereich Mobi­li­tät stand zunächst das Modell­pro­jekt „3mobil“ für nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät im länd­li­chen Raum, das von der IHK, dem Regio­nal­ver­band Schwarz­wald-Baar-Heu­berg sowie den drei Land­krei­sen Schwarz­wald-Baar, Rott­weil und Tutt­lin­gen getra­gen wird, auf der Tages­ord­nung. In Kür­ze wer­de ein stra­te­gi­scher Leit­fa­den mit kon­kre­ten Hand­lungs­emp­feh­lun­gen und regio­na­len Leucht­turm­pro­jek­ten zur Ver­bes­se­rung der Mobi­li­tät ver­öf­fent­licht. In vol­lem Gan­ge sei bereits die Umset­zung über­be­trieb­li­cher Mobi­li­täts­lö­sun­gen in den aus­ge­wähl­ten Gewer­be­ge­bie­ten Hagen­moos in St. Geor­gen, Schram­berg-Sul­gen und Rie­t­heim-Weil­heim.

Tho­mas J. Mager, Geschäfts­füh­rer des Ver­kehrs­ver­bun­des Schwarz­wald-Baar (VSB) und Mit­glied des IHK-Ver­kehrs­aus­schus­ses, gab einen Aus­blick auf die künf­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen für die Ver­kehrs­un­ter­neh­men aus der Regi­on: „Die Qua­li­tät des ÖPNV wird in Zukunft ent­schei­dend von einem attrak­ti­ven ÖPNV-Ange­bot in Stadt und Land abhän­gen, das jedoch nur durch effi­zi­en­te Struk­tu­ren vor Ort (Verbünde/Aufgabenträger) und einer siche­ren Finan­zie­rungs­grund­la­ge für die Ver­kehrs­un­ter­neh­men erreicht wer­den kann. Aus dem Blick­win­kel des länd­li­chen Raums muss die künf­ti­ge Lan­des­re­gie­rung dafür Sor­ge tra­gen, dass vor Ort eine über den Schü­ler­ver­kehr hin­aus­ge­hen­de, qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge ÖPNV-Bedie­nung finan­zi­ell gesi­chert ist.“

Vor dem Hin­ter­grund, dass zuneh­mend mehr Trans­port­dienst­leis­tun­gen in Deutsch­land von aus­län­di­schen Unter­neh­men erbracht wer­den und wochen­lan­ges „Cam­pie­ren“ in den Fah­rer­häu­sern gegen Wett­be­werbs­re­geln ver­stößt, infor­mier­te Dirk Hil­de­brand vom Bun­des­amt für Güter­ver­kehr (BAG) die Aus­schuss­mit­glie­der über die soge­nann­ten EU-weit ein­heit­li­chen „Kabo­ta­ge­re­ge­lun­gen“. Er wies dar­auf hin, dass die Zahl der fest­ge­stell­ten Ver­stö­ße der­zeit über­schau­bar ist, aber ten­den­zi­ell zuneh­me. Auf­grund der zwei­fel­los bestehen­den Dun­kel­zif­fer und der begrenz­ten Kon­troll­mög­lich­kei­ten sei das BAG auf Hin­wei­se aus der Wirt­schaft ange­wie­sen.

Abschlie­ßend infor­mier­te Claus Suhm, Bereichs­lei­ter Fuhr­park­ma­nage­ment­sys­te­me bei der Fir­ma Haug in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen und Mit­glied im Ver­kehrs­aus­schuss, über die Anfang März voll­stän­dig in Kraft getre­te­ne EU-Fahr­ten­schrei­ber­ver­ord­nung. Vor dem Hin­ter­grund zuneh­men­der Ver­un­si­che­rung bei Ver­kehrs­un­ter­neh­men stell­te er klar, dass sich durch die Pflicht zur „ange­mes­se­nen Unter­wei­sung“ von Fah­rern hin­sicht­lich des digi­ta­len oder ana­lo­gen Fahr­ten­schrei­bers nichts ände­re. „Eini­ge Schu­lungs­an­bie­ter nut­zen die­se neue For­mu­lie­rung aus und ver­kau­fen ver­meint­lich neue Schu­lungs­an­ge­bo­te als gesetz­li­che Not­wen­dig­keit. Schu­lun­gen zum Fahr­ten­schrei­ber kön­nen aber wie bis­her sowohl extern als auch intern von fach­kun­di­gem Per­so­nal durch­ge­führt wer­den. Ent­schei­dend ist, dass die Fah­rer danach den Fahr­ten­schrei­ber bedie­nen kön­nen und dass der Inhalt und die Durch­füh­rung der Schu­lun­gen ent­spre­chend doku­men­tiert wer­den“, so Suhm.