IHK legt Energiewendebarometer 2018 vor

Wirtschaft sieht die Auswirkungen der Energiewende auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit wieder kritischer

Übergabe des IHK-Energiewendebarometers an Ministerialdirektor Helmfried Meinel (Bildmitte) und Martina Braun MdL, überreicht durch den IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez (rechts) und IHK-Energiereferent Marcel Trogisch (links) am Rande der Abschlussveranstaltung der EnergieScouts. Gastgeber für diese Veranstaltung war die Firma Herbert Waldmann mit Geschäftsführer Gerhard Waldmann. Foto: pm

Die Strom- und Ener­gie­kos­ten sen­ken und den Netz­aus­bau wei­ter vor­an­trei­ben, das sind auch im neu­en Jahr Top-For­de­run­gen der Unter­neh­men beim The­ma Ener­gie an die Bun­des- und Lan­des­re­gie­rung. Zu die­sem Ergeb­nis kommt die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg laut Pres­se­mit­tei­lung auf­grund einer jähr­li­chen Befra­gung von Unter­neh­men aller Grö­ßen und Bran­chen.

Eine Zusam­men­fas­sung der Ergeb­nis­se wur­den Minis­te­ri­al­di­rek­tor Helm­fried Mei­nel und der Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­ti­na Braun durch den IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Albiez und IHK-Ener­gie­re­fe­rent Mar­cel Tro­gisch am Ran­de der Abschluss­ver­an­stal­tung der Ener­gieS­couts bei der Fir­ma Her­bert-Wald­mann in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen über­reicht.

Tho­mas Albiez zum IHK-Ener­gie­wen­de­ba­ro­me­ter: „Das Ergeb­nis die­ser Unter­neh­mens­be­fra­gung über­rascht uns nur wenig. Gera­de die Strom­zu­satz­kos­ten, bestehend aus Umla­gen und Strom­steu­er, sind in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich gestie­gen, was sich lang­sam aber sicher zu einem Stand­ort­nach­teil ent­wi­ckelt. Dass vor die­sem Hin­ter­grund die Umla­ge zur Finan­zie­rung der Erneu­er­ba­re Ener­gie (EEG-Umla­ge) im Jahr 2019 leicht sinkt, ist zumin­dest ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Spür­bar güns­ti­ge­ren Strom wird es aber trotz­dem nicht geben. Stei­gen­de Erzeu­gungs­kos­ten, Off­shore-Netz­um­la­ge und CO2-Emis­si­ons­han­dels­prei­se wer­den die Sen­kung für den End­kun­den wie­der auf­wie­gen.“

Laut IHK machen die staat­li­chen Abga­ben beim Gewer­be­strom und ins­be­son­de­re bei den Indus­trie­un­ter­neh­men zwi­schen­zeit­lich etwa rund 80 Pro­zent des Prei­ses aus. „Damit über­stei­gen die Belas­tun­gen auf den Strom­preis sogar die ent­spre­chen­den steu­er­li­chen Belas­tun­gen des Ben­zin­prei­ses. Die Fol­gen der hohen Strom­kos­ten sind, dass sich bereits jedes fünf­te der befrag­ten Indus­trie­un­ter­neh­men in Baden-Würt­tem­berg Gedan­ken über Pro­duk­ti­ons­ein­schrän­kun­gen oder gar einer Ver­la­ge­rung macht. Und anhand der Ergeb­nis­se haben wir eben­falls sehen kön­nen, dass auch in der Regi­on zwi­schen­zeit­lich ein­zel­ne Unter­neh­men ernst­haft sol­che Maß­nah­men in Erwä­gung zie­hen. Das wie­der­um geht zu Las­ten hei­mi­scher Arbeits­plät­ze“, so Tho­mas Albiez wei­ter.

Aber auch das The­ma Ver­sor­gung­si­cher­heit und der dafür not­wen­di­ge Netz­aus­bau ist in den Unter­neh­men ein wich­ti­ges The­ma. Bei der Befra­gung hat bereits jedes vier­te Unter­neh­men aus dem Länd­le ange­ge­ben, in den letz­ten zwölf Mona­ten Pro­ble­me bei der Strom­ver­sor­gung gehabt zu haben. Und wie die IHK berich­tet, hat das bei eini­gen Betrie­ben auch zu einer Beein­träch­ti­gung der Pro­duk­ti­on geführt. Dabei sind gera­de die sta­tis­tisch nicht erfass­ten Strom­aus­fäl­le unter drei Minu­ten ein häu­fi­ge­res Pro­blem als die Aus­fäl­le über drei Minu­ten.

Neben den Sor­gen um die zukünf­ti­ge Ver­sor­gung­si­cher­heit in der Regi­on und den ste­tig stei­gen­den Ener­gie­prei­sen ist die regio­na­le Wirt­schaft auch sehr aktiv, wenn es um die The­men Ener­gie­ef­fi­zi­enz oder Eigen­ver­sor­gung geht. So haben bereits vie­le Unter­neh­men in eige­ne Ener­gie­ver­sor­gungs­ka­pa­zi­tä­ten inves­tiert, umfang­rei­che Maß­nah­men zur Stei­ge­rung der eige­nen Ener­gie­ef­fi­zi­enz rea­li­siert oder bil­den sogar die eige­nen Aus­zu­bil­den­den zu Ener­gieS­couts aus, wie etwa die Fir­ma Her­bert Wald­mann.

Nun ist ganz klar die Poli­tik gefragt, ener­gie­po­li­ti­sche Maß­nah­men und recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen so wei­ter­zu­ent­wi­ckeln oder bei Bedarf auch zu kor­ri­gie­ren, dass die­se für unse­re Unter­neh­men wei­ter­hin plan­bar und ver­läss­lich sind und in dem beson­ders ihre Aus­wir­kun­gen auf den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg berück­sich­ti­gen wer­den“, so Tho­mas Albiez.

Info: IHK-Ener­gie­wen­de­ba­ro­me­ter

Die Ener­gie­wen­de ist ein kom­ple­xes Pro­jekt mit Ein­fluss auf den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land. Daher hat es sich die IHK-Orga­ni­sa­ti­on zur Auf­ga­be gemacht, jedes Jahr die Erfah­run­gen und Ein­schät­zun­gen in den deut­schen Unter­neh­men unter­schied­lichs­ter Grö­ßen und Bran­chen zur Ener­gie­wen­de abzu­fra­gen. An der jüngs­ten Online­be­fra­gung­ha­ben sich unter ande­rem das unter­neh­me­ri­sche Ehren­amt der IHK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg, Unter­neh­men aus den Ener­gie­ar­beits­krei­sen der IHK und wei­te­re Mit­glieds­be­trie­be betei­ligt.

Grund­la­ge der Aus­wer­tung bil­den die­ses Jahr 2167 ein­ge­gan­ge­ne Ant­wor­ten, davon 258 aus Baden-Würt­tem­berg. Das Ergeb­nis wird in einem jähr­li­chen Baro­me­ter­wert zwi­schen plus 100 und minus 100 dar­ge­stellt. Im Jahr 2018 bewer­ten die befrag­ten Unter­neh­men aus Baden-Würt­tem­berg die Aus­wir­kun­gen auf die eige­ne Wett­be­werbs­fä­hig­keit mit minus 2,4 erst­mals wie­der deut­lich nega­ti­ver. Die Indus­trie­un­ter­neh­men in Baden-Würt­tem­berg spü­ren dabei die Ener­gie­wen­de­kos­ten am inten­sivs­ten. So liegt der zuge­hö­ri­ge Baro­me­ter­wert in die­sem Jahr bei minus 10,9.