IHK-Verkehrsexperten besichtigen das neue digitale Buscockpit von Continental: Dieter Petrolli (vorne sitzend), Hans Keller, IHK-Vizepräsident Achim Scheerer, Margit Pfriender und Ausschussvorsitzender Dr. Gerhard Lehmann (von links). Foto: IHK

Regi­on (pm) – Die Wirt­schaft in der Regi­on Schwarz­wald-Baar-Heu­berg begrüßt den Aus­bau der Stra­ßen­in­fra­struk­tur, setzt sich für den Güter­um­schlag von der Stra­ße auf die Schie­ne ein und ist Vor­rei­ter für Ver­kehrs­si­cher­heit im Güter- und Per­so­nen­ver­kehr. So lau­tet das Fazit zur Ver­kehrs­aus­schuss­sit­zung der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg bei Con­ti­nen­tal in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen. Dies teilt die IHK in einer Pres­se­mit­tei­lung mit.

„Nach Jah­ren des Still­stan­des lau­fen nun end­lich die Pla­nun­gen für den Aus­bau der Bun­des­stra­ßen an. Auch das nach­ge­la­ger­te Stra­ßen­netz und wich­ti­ge kom­mu­na­le Ver­kehrs­kno­ten wer­den kon­ti­nu­ier­lich saniert und aus­ge­baut. Obwohl es an der einen oder ande­ren Stel­le schnel­ler gehen könn­te, ist das ein gutes Signal – nicht nur für Logis­ti­ker und Ver­kehrs­un­ter­neh­men, son­dern auch für das pro­du­zie­ren­de Gewer­be und unse­ren Wirt­schafts­stand­ort ins­ge­samt“, sagt Dr. Ger­hard Leh­mann, Vor­sit­zen­der des IHK-Ver­kehrs­aus­schus­ses Zuvor hat­ten Jür­gen Kai­ser und Peter Spie­gel­hal­ter vom Regie­rungs­prä­si­di­um Frei­burg über die aktu­el­len Stra­ßen­bau­pro­jek­te in den drei Land­krei­sen Rott­weil, Tutt­lin­gen und im Schwarz­wald-Baar-Kreis infor­miert.

Neben den im Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan gelis­te­ten Orts­um­fah­run­gen stün­den wei­te­re Um- und Aus­bau­pro­jek­te in Ver­ant­wor­tung des Bun­des wie bei­spiels­wei­se die Kno­ten B 14/B 27 Sali­ne Rott­weil und B 27/B 33 Bad Dür­rheim, der vier­strei­fi­ge Aus­bau der B 31 Dög­gin­gen, der Kreis­ver­kehr B 31/L 185 Gei­sin­gen sowie der drei­strei­fi­ge Aus­bau der B 523 Ess­lin­gen-Tal­heim an. Zu den Neu- und Aus­bau­maß­nah­men in Ver­ant­wor­tung des Lan­des gehör­ten die Orts­um­fah­run­gen L 422 Röten­berg und L 433 Rei­chen­bach. Wich­tig für die Wirt­schaft auf dem Heu­berg sei auch der sich in der Plan­fest­stel­lung befind­li­che drei­spu­ri­ge Aus­bau der L 433 Den­kin­gen-Gos­heim. Wei­te­re Maß­nah­men sei­en der Kreis­ver­kehr Allmendshofen/L 171, die Brü­cken­sa­nie­rung über die Breg bei Wol­ter­din­gen sowie die Böschungs­sta­bi­li­sie­rung der L 415 bei Obern­dorf.

Pro­ble­ma­tisch sei aller­dings, dass mit­tel­stän­di­sche Stra­ßen­bau­un­ter­neh­men sys­te­ma­tisch vom Wett­be­werb bei Groß­pro­jek­ten aus­ge­schlos­sen wür­den. Georg Graf Kes­sel­statt, Geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter der J. Fried­rich Storz Grup­pe und Mit­glied im IHK-Ver­kehrs­aus­schuss: „Seit Jah­ren wer­den die Rah­men­be­din­gun­gen für den Mit­tel­stand schwie­ri­ger. Pri­vat finan­zier­te Groß­pro­jek­te – PPP Model­le – und die beschlos­se­ne IGA Infra­struk­tur­ge­sell­schaft für Auto­bah­nen und ande­re Bun­des­fern­stra­ßen füh­ren ten­den­zi­ell zu immer grö­ße­ren Pro­jek­ten, stei­gen­der Kom­ple­xi­tät und höhe­ren Risi­ken beim Auf­trag­neh­mer. Das kann der Mit­tel­stand nicht mehr stem­men. Wenn die Poli­tik nicht dage­gen steu­ert, wird sich der Kon­zen­tra­ti­ons­pro­zess im Stra­ßen­bau wei­ter ver­schär­fen. Fai­rer Wett­be­werb, bei dem mög­lichst vie­le Anbie­ter um das wirt­schaft­lichs­te Ange­bot kon­kur­rie­ren, wird dras­tisch erschwert und geht zu Las­ten der Steu­er­zah­ler“, warnt Kes­sel­statt.

Die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen zur Ver­net­zung der Ver­kehrs­trä­ger Stra­ße und Schie­ne für den Güter­ver­kehr stell­te Ans­gar Bör­sig, Geschäfts­füh­rer der Bör­sig Logis­tik GmbH, vor: „Am Con­tai­ner Ter­mi­nal Fri­din­gen wer­den seit Juni 2010 nach 10-jäh­ri­ger Planungs‑, Geneh­mi­gungs- und Bau­pha­se wie­der Güter auf die Donau­tal­bahn ver­la­den. In der Ver­gan­gen­heit ist der Bedarf an Ver­la­de­ka­pa­zi­tä­ten kon­ti­nu­ier­lich gestie­gen. Des­halb stellt sich die Fra­ge nach einem neu­en Ter­mi­nal für den Kom­bi­nier­ten Ver­kehr in der Regi­on.“

Als beson­ders aus­sichts­reich gel­te ein Stand­ort mit Anbin­dung an die Gäu­bahn. Damit bestün­de die Mög­lich­keit, den regio­na­len Güter­ver­kehr über die Schie­ne direkt an die Nord­hä­fen Jade Weser Port in Wil­helms­ha­ven, Ham­burg, Bre­men und Rot­ter­dam sowie den Süd­ha­fen Tri­est anzu­bin­den. „Eine Vor­aus­set­zung sei bei­spiels­wei­se die Elek­tri­fi­zie­rung zwi­schen Vil­lin­gen und Rott­weil“, betont Bör­sig. Das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um Baden-Würt­tem­berg bewer­te die­sen Stre­cken­ab­schnitt in sei­nem Elek­tri­fi­zie­rungs­kon­zept als vor­dring­lich. Jetzt müs­se es an die Umset­zung gehen, so das Stim­mungs­bild im IHK-Ver­kehrs­aus­schuss.

Zudem zeig­te sich, dass die Regi­on ganz vor­ne mit dabei sei, um mit Hil­fe von Abbie­ge­as­sis­tenz­sys­te­men die Ver­kehrs­si­cher­heit zu erhö­hen und töd­li­che Unfäl­le ins­be­son­de­re beim Rechts­ab­bie­gen zu ver­mei­den. Heinz-Fried­rich Ohm stell­te die Tech­nik aus dem Hau­se Con­ti­nen­tal vor. Zum Ein­satz kämen Radar­sys­te­me, Moni­to­re sowie akus­ti­sche und opti­sche Warn­ein­hei­ten. Prof. Jochen Bai­er, eben­falls Mit­glied im IHK-Ver­kehrs­aus­schuss und tätig an der Hoch­schu­le Furt­wan­gen, lei­tet der­zeit im Namen des Stein­beis-Trans­fer­zen­trums Mobi­li­tät und Logis­tik den Feld­ver­such zur Erpro­bung von 500 Last­kraft­wa­gen mit Abbie­ge­as­sis­ten­ten in Baden-Würt­tem­berg. „Der Feld­ver­such zielt dar­auf ab, 500 Sys­te­me zum Nach­rüs­ten auf die Stra­ße zu brin­gen und die Markt­durch­drin­gung zu for­cie­ren. Ich kann Unter­neh­men nur emp­feh­len, am Feld­ver­such teil­zu­neh­men und in Sicher­heit zu inves­tie­ren. Für Hard­ware und Ein­bau kom­men zwar Kos­ten auf die Unter­neh­men zu. Gleich­zei­tig könn­ten auch die Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge sin­ken“, so Bai­er.

Info: Im IHK-Ver­kehrs­aus­schuss sind Logistik‑, Speditions‑, und Bus­un­ter­neh­men sowie Ver­kehrs­ex­per­ten aus der Regi­on Schwarz­wald-Baar-Heu­berg ver­tre­ten. In regel­mä­ßi­gen Abstän­den geht es dar­um, bran­chen­re­le­van­te The­men zu iden­ti­fi­zie­ren, die rele­van­ten Akteu­re mit­ein­an­der zu ver­net­zen und die ver­kehrs­po­li­ti­schen Inter­es­sen der Regi­on gegen­über der Poli­tik und Ver­wal­tung zu ver­tre­ten.