Dr. Steffen Peter Würth Foto: pm

Nach der Ableh­nung des Bre­x­it-Abkom­mens durch das bri­ti­sche Unter­haus besteht nun ein enor­mes Risi­ko, dass es am 29. März  zu einem unge­re­gel­ten Aus­schei­den Gruß­bri­tan­ni­ens aus der EU kommt – einem soge­nann­ten „Hard-Bre­x­it“. Dazu teilt die IHK mit:

Vie­le Unter­neh­men sind auf einen sol­chen har­ten Bre­x­it über­haupt nicht vor­be­rei­tet“, warnt Dr. Stef­fen P. Würth, Vize­prä­si­dent der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg. „Ein sol­cher unge­re­gel­ter Bre­x­it hät­te aber auf die Unter­neh­men in der Regi­on Schwarz­wald-Baar-Heu­berg erheb­li­che Aus­wir­kun­gen.“

Auch wären die Bri­ten nicht mehr Teil der inner­ge­mein­schaft­li­chen Zoll­uni­on. „Die Aus­wir­kun­gen durch Trans­port­ver­zö­ge­run­gen und einen rie­si­gen büro­kra­ti­schen Auf­wand wären für Unter­neh­men, die Lie­fer­be­zie­hun­gen auf die Insel haben, kata­stro­phal“, führt Dr. Würth wei­ter aus. So fal­len bei Han­dels­ge­schäf­ten mit Dritt­län­dern zusätz­li­che Kos­ten durch Trans­port, Ver­si­che­rung und Zoll an. Export- und Import­wa­ren aus Dritt­län­dern sind zoll­recht­lich stark regu­liert. Die Ware muss sowohl zur Aus­fuhr als auch zur Ein­fuhr beim Zoll­amt ange­mel­det wer­den. Dar­über hin­aus sind wei­te­re For­ma­li­tä­ten zur prä­zi­sen Dekla­ra­ti­on der Ware gefor­dert.

Des Wei­te­ren ist auch der Import von Waren in die Euro­päi­sche Uni­on an bestimm­te Nor­men gekop­pelt. So bestehen Ein­fuhr­be­schrän­kun­gen, Geneh­mi­gungs­er­for­der­nis­se sowie Kenn­zeich­nungs­pflich­ten. Wer­den die­se nicht beach­tet und ein­ge­hal­ten, ist die Ver­triebs­fä­hig­keit der betrof­fe­nen Waren inner­halb der EU unmög­lich.

In die­sem Fall erhält Groß­bri­tan­ni­en bei­spiels­wei­se umsatz­steu­er­lich den Sta­tus eines Dritt­lan­des. Damit wür­de das Ver­ei­nig­te König­reich nicht mehr zum euro­päi­schen Umsatz­steu­er­raum gehö­ren. „Die bri­ti­sche Steu­er­ge­setz­ge­bung ist mit Aus­tritt aus der EU nicht mehr an die inner­ge­mein­schaft­lich ver­ein­bar­ten Abkom­men und Richt­li­ni­en gebun­den“, so Wolf-Die­ter Bau­er, Jus­ti­zi­ar der IHK. Die Abbil­dung der Waren­be­we­gun­gen in Umsatz­steu­er­mel­dun­gen wür­de in der Fol­ge einen erheb­li­chen Anstieg der Büro­kra­tie in der export­star­ken Regi­on Schwarz­wald-Baar-Heu­berg nach sich zie­hen.

Auch im Bereich der euro­pa­wei­ten Arbeit­neh­mer­frei­zü­gig­keit müs­sen deut­sche Unter­neh­men sich auf Ände­run­gen ein­stel­len. „Wenn es zum Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens ohne Abkom­men kommt, wer­den bri­ti­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge ab dem 30. März 2019 ein Arbeits­vi­sum benö­ti­gen, wenn sie hier arbei­ten wol­len“, merkt Bau­er an. Es ist voll­kom­men unklar, wie mit den in Deutsch­land beschäf­tig­ten Bri­ten umzu­ge­hen ist, die den Antrag auf ein Arbeits­vi­sum nicht aus ihrem Hei­mat­land stel­len kön­nen.

Es bleibt zu hof­fen, dass Groß­bri­tan­ni­en den Ernst der Lage erkennt und eine wie auch immer gear­te­te Lösung sucht“, for­mu­liert Dr. Würth die Erwar­tun­gen der regio­na­len Wirt­schaft. „Auch für die Bri­ten wäre der har­te Bre­x­it ein schwe­rer wirt­schaft­li­cher Schlag mit unge­ahn­ten Aus­wir­kun­gen auf das Land.“