Die IHK-Vollversammlung war zu Gast in Hirsch-Brauerei in Wurmlingen. Von links: IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez, Hirsch-Gesellschafterin Gabi Lemke, Brauerei-Geschäftsführer Hubert Hepfer und IHK-Präsident Dieter Teufel. Foto: pm

REGION (pm) – Die Voll­ver­samm­lung der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg hat in sich in ihrer Früh­jahrs­sit­zung in der Hirsch-Braue­rei in Wurm­lin­gen ein­hel­lig gegen eine Ver­ge­mein­schaf­tung der Ein­la­gen­si­che­rung von Ban­ken aus­ge­spro­chen, heißt es in einer IHK-Pres­se­mit­tei­lung.

Die Plä­ne der EU-Kom­mis­si­on bedeu­ten eine Kol­lek­tiv­haf­tung aller euro­päi­schen Kre­dit­in­sti­tu­te, benach­tei­li­gen die regio­na­len Spar­kas­sen und Genos­sen­schafts­ban­ken und tref­fen damit letzt­lich die Spa­rer und unse­re mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men“, so IHK-Prä­si­dent Die­ter Teu­fel.

Die EU-Kom­mis­si­on hat Ende Novem­ber einen Gesetz­ent­wurf zur Errich­tung eines Euro­päi­schen Ein­la­gen­si­che­rungs­sys­tems vor­ge­legt, der weit über die in die­sem Bereich bereits heu­te gel­ten­den EU-Rege­lun­gen zum Ein­le­ger­schutz hin­aus­geht. „Auf den ers­ten Blick ist dies viel­leicht ein attrak­ti­ver Vor­schlag, der ange­schla­ge­nen Ban­ken etwa in den Kri­sen­län­dern der Euro­zo­ne vor­über­ge­hend zusätz­li­che Sta­bi­li­tät ver­schaf­fen könn­te“, so Teu­fel. Ins­ge­samt über­wö­gen die Nach­tei­le eines sol­chen Ansat­zes klar.

Es spre­che viel dafür, dass eine ver­pflich­ten­de, ver­ein­heit­lich­te euro­päi­sche Ein­la­gen­si­che­rung sogar zu einem Rück­gang des Schutz­ni­veaus füh­ren wür­de. So garan­tie­ren in Deutsch­land etwa Spar­kas­sen und Genos­sen­schafts­ban­ken nicht nur 100.000 Euro pro Kun­de im Kri­sen­fall. Viel­mehr ver­bür­gen sie sich als Ver­bund für die Exis­tenz ihrer Insti­tu­te. Mit die­sem Sys­tem soli­da­ri­scher Haf­tung ist auch ver­bun­den, dass die Insti­tu­te sich schon im Vor­feld stren­gen Regeln und Kon­trol­len ihrer Ver­bän­de unter­wer­fen müs­sen, damit sich unver­hält­nis­mä­ßi­ge Risi­ken gar nicht erst auf­bau­en.

„Ein euro­päi­sches Stan­dard­mo­dell wür­de aber mit hoher Wahr­schein­lich­keit weit hin­ter dem Schutz­ni­veau einer Insti­tuts­haf­tung zurück­blei­ben. Soll­ten die betrof­fe­nen Geld­in­sti­tu­te neben dem dann ver­pflich­ten­den Sys­tem der Ein­la­gen­si­che­rung dar­über hin­aus­ge­hen­de Siche­rungs­me­cha­nis­men vor­hal­ten, ent­stün­den hier­durch erheb­li­che Kos­ten, die im Zwei­fel an die Kun­den wei­ter­ge­reicht wür­den. Außer­dem wür­den die Plä­ne der Kom­mis­si­on die ein­la­gen­fi­nan­zier­te Kre­dit­ver­ga­be spe­zi­ell an mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men schwä­chen“, kri­ti­siert die Voll­ver­samm­lung.

Bereits bestehen­de Rege­lun­gen zum Ein­le­ger­schutz müs­sen zunächst euro­pa­weit umge­setzt sein, bevor mit den vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men kurz­fris­tig in funk­tio­nie­ren­de natio­na­le Siche­rungs­sys­te­me ein­ge­grif­fen wird. Außer­dem dür­fe es kei­ne Ver­ge­mein­schaf­tung von Staats­schul­den und Risi­ken durch die Hin­ter­tür geben, was mit dem EU-Gesetz­ent­wurf mög­lich sei.

Für aus­ge­schie­de­ne Mit­glie­der hat die Voll­ver­samm­lung neue Ver­tre­ter in den IHK-Tou­ris­mus­aus­schuss beru­fen, damit die Belan­ge der Bran­che in der Voll­ver­samm­lung nach­hal­tig berück­sich­tigt wer­den. Neu im Aus­schuss sind Ingrid Höl­der­le, Inha­be­rin Gast­hof Im Kuh­stall in Bräun­lin­gen, Maxi­mi­li­an Din­kela­ker, Hotel Mana­ger des Légè­re Hotel in Tutt­lin­gen, Ines Gro­schupp, Wirt­schafts­för­de­rung und Stadt­mar­ke­ting der Stadt Rott­weil und Pro­fes­sor Pavel Rawe, Fakul­tät Wirt­schafts­in­for­ma­tik der Hoch­schu­le Furt­wan­gen Uni­ver­si­ty.

Mit der Zustän­dig­keit für das Erlaub­nis­ver­fah­ren für Immo­bi­li­ar­dar­le­hens­ver­mitt­ler wur­de von der Lan­des­re­gie­rung den IHKs in Baden-Würt­tem­berg eine wei­te­re hoheit­li­che Auf­ga­be über­tra­gen. Die­se Erlaub­nis benö­ti­gen Ver­mitt­ler von Immo­bi­li­ar-Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen oder ent­spre­chen­der Finan­zie­rungs­hil­fen „Wir als IHK kön­nen die­se Erlaub­nis­ver­fah­ren im Sin­ne der Gewer­be­trei­ben­den kos­ten­güns­tig und unbü­ro­kra­tisch anstel­le staat­li­cher Behör­den durch­füh­ren“, hob Die­ter Teu­fel her­vor und ver­wies auf die effi­zi­en­te Arbeit der IHK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg im Bereich der Ver­si­che­rungs- und Finanz­an­la­gen­ver­mitt­lung. Neben dem Erlaub­nis­ver­fah­ren wird die IHK zudem die von den Antrags­stel­len gefor­der­te Sach­kun­de­prü­fung anbie­ten, so die IHK abschlie­ßend.