Bei der Umsetzung der Energiewende sieht die regionale Industrie noch Handlungsbedarf, sagt IHK-Vizepräsidentin Bettina Schuler-Kargoll. Foto: pm

REGION (pm) – Die regio­na­le Indus­trie setzt Maß­nah­men zur Ener­gie­ef­fi­zi­enz um, aber die Unter­neh­men sehen wei­ter Hand­lungs­be­darf, heißt es in einer Mit­tei­lun der IHK.

Das sind die zen­tra­len Ergeb­nis­se der dies­jäh­ri­gen Unter­neh­mens­be­fra­gung der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg und ihrer baden-würt­tem­ber­gi­schen Schwes­ter­kam­mern zur Ein­schät­zung des Pro­jek­tes Ener­gie­wen­de. Ins­be­son­de­re die hei­mi­sche Indus­trie habe hier ihre Haus­auf­ga­ben gemacht.

So beschäf­ti­gen sich über 90 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men mit Akti­vi­tä­ten zur Stei­ge­rung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz. Immer mehr Maß­nah­men wer­den umge­setzt und fast 50 Pro­zent der Unter­neh­men bau­en eige­ne Ener­gie­ver­sor­gungs­ka­pa­zi­tä­ten auf oder haben dies bereits getan. „Doch die Ergeb­nis­se zei­gen auch, dass trotz sin­ken­der Ener­gie­prei­se auf den Welt­märk­ten in den letz­ten zwölf Mona­ten mehr Betrie­be von stei­gen­den als von sin­ken­den Strom­prei­sen betrof­fen sind.

Daher ist eine der Haupt­for­de­run­gen von uns und der hie­si­gen Indus­trie an die Poli­tik eine Redu­zie­rung von Steu­ern und Abga­ben auf den Strom­ver­brauch. Die Sche­re bei den Strom­prei­sen zur welt­wei­ten Kon­kur­renz muss sich gera­de aus Sicht der Indus­trie end­lich schlie­ßen“, sagt IHK-Vize­prä­si­den­tin Bet­ti­na Schuler-Kar­goll, die haupt­be­ruf­lich die Fir­ma Schuler Roh­stoff in Deiß­lin­gen führt.

Nach Auf­fas­sung der befrag­ten Unter­neh­men gibt es aber auch bei wei­te­ren Rah­men­be­din­gun­gen für die Ener­gie­wen­de noch eini­ges an Hand­lungs­be­darf. „Im Ver­gleich zu einer gesamt­deut­schen Befra­gung stellt gera­de für unse­re Unter­neh­men hier im Süd­wes­ten die Unter­stüt­zung des Netz­aus­baus eine wei­te­re der Top-For­de­run­gen an die Poli­tik dar, nicht zuletzt mit Blick auf die Ver­sor­gung­si­cher­heit“, so Schuler-Kar­goll wei­ter.

In der Tat befin­det sich die Strom­ver­sor­gung momen­tan auf einem weit­ge­hend hohen Niveau, aber rund ein Drit­tel der befrag­ten Unter­neh­men haben Pro­ble­me mit Strom­aus­fäl­len oder Span­nungs­schwan­kun­gen – ein in Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen nicht zu unter­schät­zen­des Pro­blem, das schnell Kos­ten von meh­re­ren tau­send Euro ver­ur­sa­chen kann.

Sor­gen berei­tet der IHK-Vize­prä­si­den­tin auch das Umfra­ge­er­geb­nis, dass sich noch immer etwa jedes fünf­te der befrag­ten Unter­neh­men momen­tan mit der Mög­lich­keit von Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­run­gen ins Aus­land befasst und das auf Kos­ten hei­mi­scher Arbeits­plät­ze. „Wir kön­nen hier zwar einen leicht rück­läu­fi­gen Trend ver­zeich­nen, unse­re Auf­for­de­rung an die Poli­tik bleibt aber bestehen, für dau­er­haf­te Ver­sor­gungs­si­cher­heit und wett­be­werbs­ge­rech­te Strom­prei­se zu sor­gen, poli­ti­sche Zie­le und Maß­nah­men zwi­schen Bund und Län­dern bes­ser abzu­stim­men und über­am­bi­tio­nier­te Allein­gän­ge zu ver­mei­den.“

Deutsch­land hat sich in den letz­ten Jah­ren in ein Ver­suchs­la­bor für den Auf­bau eines kern­ener­gie­frei­en und CO2-armen Ener­gie­sys­tems ent­wi­ckelt. Da die­se Ener­gie­wen­de ein hoch­kom­ple­xes Pro­jekt dar­stellt und mit ihrem Gelin­gen die Zukunft des Wirt­schafts­stand­or­tes Deutsch­land abhängt, hat es sich die IHK-Orga­ni­sa­ti­on zur Auf­ga­be gemacht, jedes Jahr die Erfah­run­gen und Ein­schät­zun­gen in den deut­schen Unter­neh­men zum Pro­jekt Ener­gie­wen­de abzu­fra­gen.