Initiative gegen Leerstände in der Innenstadt von Oberndorf

Stadt, HGV und IHK kooperieren / Innenstadt als Handels- und Dienstleistungszentrum profilieren

OBERNDORF (pm) – Leerstand, das gilt als Anfang vom Ende einer attraktiven Innenstadt. In Oberndorf am Neckar sind aktuell etwa 20 Ladengeschäfte verwaist. Was dagegen zu tun wäre, darüber berichtet die IHK in einer Pressemitteilung:

Stadt, Handels- und Gewerbeverein (HGV) und Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar haben jetzt gemeinsam die Initiative ergriffen, die Entwicklung umzukehren. Die Vision dabei: Die Innenstadt trotz derer heterogener Eigentümerstruktur wie ein Einkaufszentrum zu managen und ein abgestimmtes Handels- und Dienstleistungskonzept umzusetzen. „Eine ganze Innenstadt als Marke aufzubauen, das hat es noch nie gegeben“, sagt Bürgermeister Hermann Acker über das Projekt „Next Generation of Retail“. Übersetzt heiße das, ein Einkaufserlebnis der nächsten Generation zu schaffen. „Die grüne Wiese war gestern.“

Am Anfang jedes Projekts steht die Ist-Analyse – und hier gab es ein ziemlich überraschendes Ergebnis: „Die ganz überwiegende Anzahl der Leerstände resultiert nicht aus mangelnder Nachfrage, sondern weil die Eigentümer kein Interesse an einer Neuvermietung zeigen“, berichtet Lothar Kopf, Erster Beigeordneter der Stadt und Wirtschaftsförderer. Ein Großteil der Gebäudeinhaber möchte sich altersbedingt überhaupt nicht mehr mit Mietverträgen auseinandersetzen oder diese gar verhandeln“, stellt Lothar Kopf fest.

Weitere Eigentümer wohnen weit entfernt, haben das Objekt, zum Teil in Gemeinschaft, geerbt. Die Distanz erschwert die Vermietung: Besichtigungstermine, kleine Umbauten, behördliche Genehmigungen etwa bei Brandschutz, Nutzungsänderung oder Stellplatznachweis sind aus der Ferne umständlich zu erledigen. „Diese Hindernisse waren uns so vorher nicht bewusst“, teilt Bürgermeister Hermann Acker mit.

Der Lösungsweg führt über die stadteigene (98 Prozent) Oberndorfer Wohnungsbau(OWO). Die verwaltet über den eigenen Wohnungsbestand von 200 Einheiten hinaus als Dienstleister weitere 480 Wohn- und Gewerbeimmobilien. Die OWO, im Geschäftsbereich von Wirtschaftsförderer Kopf, soll nun die Aufgabe übernehmen, den Eigentümern der City-Immobilien gegebenenfalls bei Herrichtung, der Vermarktung und der Verwaltung zu helfen.

„Wir können die Vorschriften nicht ändern oder aufweichen, aber wir können umfassenden Service bieten, und das geht kostenneutral mit dem vorhandenen Personal“, erläutert Kopf. Das bedeutet: Mit jedem einzelnen Eigentümer wurde gesprochen und verhandelt, die jeweilige Lokalität in das Gesamtangebot aufzunehmen.

Um das Potenzial in seiner Gesamtheit zu zeigen, wurde eine eigene Homepage erstellt (www.oberndorfer-potential.de), auf der alle verfügbaren Flächen zu sehen sind. Das Wort vom Leerstandsmanagement mag Kopf ganz und gar nicht, „denn wir managen ja nicht die Leerstände, sondern die Potenziale“. Die gebündelte Präsentation, die spezifische Informationsgebung unter anderem mit Angabe der Schaufensterflächen und weitere spezifische Angaben für Handel und Dienstleistung erlauben es auch Ortsfremden, das Gesamtpotenzial zu erkennen.

Den Eigentümern kann gleichzeitig deren Verantwortung für das Gesamtensemble verdeutlicht werden, um klar zu machen, dass die Nicht-Vermietung neben eigenen Mietausfällen auch Vermietungsbemühungen anderer Eigentümer erschweren bis torpedieren kann.

Beträchtliches Potenzial

Das Potenzial sei beträchtlich, befindet Acker, in den vergangenen Jahren habe man den Durchgangsverkehr aus dem „Oberstadt“ genannten Zentrum herausgenommen und rund 25 Millionen Euro in die Aufwertung des öffentlichen Raumes inklusive des Baus eines Parkhauses und in neue Infrastruktur investiert. Dort, wo Eigentümer mitzogen, „hat sich etwas entwickelt, zum Beispiel ein Ärztezentrum, eine Tanzschule und ein modernes Fitnessstudio“.

An diesem Punkt hakt Barbara Sand, Handelsexpertin der IHK, ein: „Es hat sich ein Schwerpunkt mit Prävention und Wellness herausgebildet, an dieser Stelle muss man das Angebot erweitern, um so eine Sogwirkung auf weitere Anbieter aus diesem Bereich auszuüben.“

Acker sieht hier unter anderem den HGV in der Pflicht, auf Messen und über vorhandene Netzwerke Überzeugungsarbeit zu leisten. Und natürlich sorge die Wirtschaftsförderung für entsprechende Ansprache bei einschlägigen Meisterschulen und Ausbildungsstätten, etwa im Bereich Kosmetik, Orthopädie oder Physiotherapie, um auf den Standort aufmerksam zu machen.

Für Barbara Sand ist die Spezialisierung einer gesamten Innenstadt auf ein Leitthema, ohne die unverzichtbaren Anker wie Mode, Schuhe und Gastronomie zu vernachlässigen, der Königsweg, um auch abseits der Oberzentren für hinreichende Frequenz und Qualität des Publikums zu sorgen: „Durch das Serviceangebot der OWO und die gemeinsame steuernde Arbeit von Stadt und HGV in Zusammenarbeit mit der IHK lässt sich das Profil schärfen.“ Für Vadim Maier, einer der Vorsitzenden des HGV in Oberndorf, stellt das Konzept einen aussichtsreichen Weg dar.

Das derzeit niedrige Mietniveau von drei bis fünf Euro pro Quadratmeter könnte insbesondere Unternehmensgründer anlocken, hoffen alle Beteiligten, da diese Zahlen Anlaufkosten im Vergleich zu anderen Standorten stark dämpfen. Mehrwert für Existenzgründer soll ein Coaching-Programm bringen, bei dem etwa IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, Wirtschaftsförderung und Mitglieder des HGV die Expertise vermitteln, ein erfolgreiches Handelsangebot oder eine Dienstleistung vermarkten.

Für Acker besitzt das Projekt „Potenziale Oberndorf“ über die Kernfunktion der Stärkung der Stadtmitte hinaus wegweisenden Charakter, da die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der zahlreichen Beteiligten Aufbruchstimmung verbreitet: „Wir haben ein zukunftsweisendes Konzept, das wir nun alle gemeinsam umsetzen werden.“

In der Region hat sich die Initiative bereits herumgesprochen, die ersten Besichtigungen mit potenziellen Mietern haben bereits stattgefunden, schon informieren sich andere Unter- und Mittelzentren der Umgebung über das Konzept. Barbara Sand: „In anderen Städten bieten sich andere Schwerpunkte an. Das sorgt nicht nur für ein reibungsloses Nebeneinander, sondern insgesamt für ein gleichermaßen vielfältiges wie fokussiertes Angebot in der Region.“

Gerade dieser Effekt ist für IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez sehr wichtig: „Für unsere industriestarke Region mit hoher Nachfrage nach Arbeitskräften sind attraktive weiche Standortfaktoren überlebenswichtig. Eine Region mit vielen interessanten, lebendigen Stadtzentren besitzt Potenzial.“ Von daher strahle das Projekt weit über Oberndorf hinaus aus und unterstreiche die hiesige Innovationsfähigkeit.

 

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