Markus Singler. Foto: pm

VILLINGEN-SCHWENNINGEN (pm) – Die Inte­gra­ti­on von Flücht­lin­gen in den Arbeits­markt kann zu einer ech­ten Win-win-Situa­ti­on für bei­de Sei­ten wer­den – für die regio­na­le Wirt­schaft und die Migran­ten. Da ist sich Mar­kus Singler sicher, wie die Regio­nal­grup­pe des Arbeit­ge­ber­ver­ban­des Süd­west­me­tall berich­tet.

Der 35jährige stu­dier­te Ver­wal­tungs­wis­sen­schaft­ler betreut von Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen aus Unter­neh­men, die Flücht­lin­gen Prak­ti­ka, Aus­bil­dungs­stel­len oder Arbeits­plät­ze anbie­ten wol­len. Er ist einer von fünf Inte­gra­ti­ons­lot­sen des Arbeit­ge­ber­ver­bands Süd­west­me­tall. Die Kol­le­gin­nen von Singler sit­zen in Frei­burg, Stutt­gart, Mann­heim und Lud­wigs­burg. Der neue Ser­vice rich­tet sich nicht nur an die Mit­glie­der von Süd­west­me­tall, son­dern an alle Unter­neh­men, unab­hän­gig von Bran­che und Grö­ße.

Es gibt zwei Pro­blem­stel­lun­gen: Wie schaf­fen wir es, die Flücht­lin­ge zu inte­grie­ren? Und wie kön­nen wir Fach­kräf­te aus­bil­den und auch lang­fris­tig in den Betrie­ben hal­ten?“, erläu­tert Singler, der lang­jäh­ri­ge Erfah­run­gen aus der Zeit­ar­beits­ver­mitt­lung und der klas­si­schen Per­so­nal­re­fe­ren­ten­tä­tig­keit in sei­ne neue Auf­ga­be mit ein­bringt. „Inte­gra­ti­on durch Arbeit ist auf jeden Fall sehr wirk­sam. Gleich­zei­tig besteht die Chan­ce, unbe­setz­te Aus­bil­dungs- und Fach­ar­bei­ter­stel­len lang­fris­tig beset­zen zu kön­nen“, erklärt er. Denn die Flücht­lin­ge wür­den ten­den­zi­ell nach der Aus­bil­dung auch im Betrieb blei­ben und nicht in ein wei­ter­füh­ren­des Stu­di­um wech­seln.

Hier gibt es ein erheb­li­ches Poten­zi­al zur Fach­kräf­te­si­che­rung, denn zwei Drit­tel der Flücht­lin­ge sind im aus­bil­dungs­fä­hi­gen Alter“, sagt der Geschäfts­füh­rer der Süd­west­me­tall-Bezirks­grup­pe Schwarz­wald-Hegau, Ralph Wurs­ter. „Nicht zu unter­schät­zen für die Fir­men ist auch die hohe Eigen­mo­ti­va­ti­on der Flücht­lin­ge“, betont der Arbeit­ge­ber­ver­tre­ter.

Es haben schon eini­ge Unter­neh­men bei mir ange­fragt und mit­ge­teilt, dass sie Flücht­lin­gen eine Chan­ce geben wol­len“, berich­tet Singler. Der Inte­gra­ti­ons­lot­se beglei­tet die Unter­neh­men dann, wenn gewünscht, durch den gesam­ten Pro­zess: von der Ver­mitt­lung von Flücht­lin­gen über Infor­ma­tio­nen zu admi­nis­tra­ti­ven und recht­li­chen Abläu­fen bis zur Unter­stüt­zung bei der Qua­li­fi­zie­rungs­pla­nung und der Ent­wick­lung einer Will­kom­mens­kul­tur am Arbeits­platz.

Es gibt im Moment eine Viel­zahl von Flücht­lings­in­itia­ti­ven“, berich­tet Singler. „Die Unter­neh­men wün­schen sich, dass das mehr gebün­delt wird und bes­ser orga­ni­siert abläuft.“ Der Inte­gra­ti­ons­lot­se bie­tet den Fir­men des­halb an, sie nach außen zu ver­tre­ten und ihnen die nöti­gen Infor­ma­tio­nen gebün­delt wei­ter­zu­lei­ten, „damit das Unter­neh­men nicht fünf ver­schie­de­ne Ansprech­part­ner hat und sich dadurch ein Stück weit ver­zet­telt.“ Dabei ist es für ihn wich­tig, sich mit den maß­geb­li­chen Akteu­ren in der Flücht­lings­ar­beit zu ver­net­zen: Dies sind ins­be­son­de­re die Arbeits­agen­tu­ren und Job­cen­ter, aber auch die Land­rats­äm­ter, Rat­häu­ser, regio­na­len Initia­ti­ven und ehren­amt­li­chen Hel­fer­krei­se.

Die Ver­net­zung ist umso wich­ti­ger, da Singler einen geo­gra­fisch groß geschnit­te­nen Zustän­dig­keits­be­reich hat. Von Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen aus betreut er Unter­neh­men in einem Gebiet, das vom Boden­see nach Nor­den bis zur Regi­on Reut­lin­gen und nach Osten bis zum Raum Ulm und der baye­ri­schen Gren­ze reicht. Singler kann sich bei sei­ner Arbeit auch auf ande­re Flücht­lings­pro­jek­te des Bil­dungs­werks der Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Wirt­schaft stüt­zen, deren Pro­jekt­lei­ter unter ande­rem an den Schu­len tätig sind. „Dies ist ins­be­son­de­re wich­tig, wenn es um die Fra­ge nach geeig­ne­ten Kan­di­da­ten für einen Prak­ti­kums­platz im Hin­blick auf eine Aus­bil­dungs­stel­le geht“, sagt er.

Wich­tig ist auch, zu schau­en, wo es schon Akti­vi­tä­ten von Unter­neh­men im Flücht­lings­be­reich gibt, und sich die dahin­ter­ste­hen­den Kon­zep­te anzu­schau­en, um wei­te­re Erfah­run­gen zu sam­meln“, erläu­tert der Inte­gra­ti­ons­lot­se. So hat der Medi­zin­tech­nik­her­stel­ler Aes­cu­lap in Tutt­lin­gen schon seit Mona­ten meh­re­re Flücht­lin­ge im Schü­ler­prak­ti­kum, von denen zwei im Sep­tem­ber eine Aus­bil­dung zum Maschi­nen- und Anla­gen­füh­rer begin­nen. Betreut wer­den die Flücht­lin­ge zusätz­lich von einer sozi­al­päd­ago­gi­schen Mit­ar­bei­te­rin des gemein­nüt­zi­gen Bil­dungs­trä­gers BBQ Beruf­li­che Bil­dung gGmbH, die sie auf dem Weg zur Aus­bil­dung unter ande­rem mit Nach­hil­fe in Mathe­ma­tik unter­stützt. Die bei­den Lehr­stel­len bei Aes­cu­lap ent­ste­hen zusätz­lich zu den rund 80 Aus­bil­dungs­plät­zen, die das Unter­neh­men regel­mä­ßig jähr­lich anbie­tet.

Wenn es dar­um geht, Arbeits­plät­ze anzu­bie­ten, kann es auch von Vor­teil sein, wenn sich meh­re­re Unter­neh­men in ört­li­cher Nähe zu einer Art Alli­anz für Flücht­lin­ge zusam­men­schlie­ßen“, erläu­tert Singler. „Denn dann kön­nen sich die Betrie­be gegen­sei­tig unter­stüt­zen und bei­spiels­wei­se eine gemein­sa­me sozi­al­päd­ago­gi­sche Betreu­ung für Flücht­lin­ge orga­ni­sie­ren.“ Die Aus­bil­der im Unter­neh­men könn­ten sich auf die­se Wei­se ganz auf die Ver­mitt­lung der Arbeits­in­hal­te kon­zen­trie­ren.

Das Inte­gra­ti­ons­lot­sen-Pro­jekt wird zu 100 Pro­zent von Süd­west­me­tall finan­ziert. Orga­ni­sa­to­risch ange­sie­delt sind die Inte­gra­ti­ons­lot­sen bei der BBQ Beruf­li­che Bil­dung gGmbH, einer Toch­ter­ge­sell­schaft des Bil­dungs­werks der Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Wirt­schaft. Mar­kus Singler hat sein Büro in den Räu­men der BBQ Beruf­li­che Bil­dung gGmbH Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen in der Ger­ber­stra­ße 53 (Tele­fon: 07721/87 86 45–15, Mobil: 0151 15 97 12 70, E-Mail: singler.markus@biwe-bbq.de).