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Mehr Güter auf die Schiene

IHK: Schrittweise Stärkung des Kombinierten Verkehrs in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg erforderlich

Die hohe Industriedichte der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg biete viel ungenutztes Potenzial zur Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, ist die IHK überzeugt. Kurz- und mittelfristig sollten verstärkt bestehende Gleisanschlüsse und Verlademöglichkeiten zum Güterumschlag genutzt werden. Der Neubau eines kleinen, standardisierten Terminals mit Verbindungen zu internationalen Seehäfen ist dagegen erst langfristig denkbar. Das sind die zentralen Ergebnisse einer gemeinsamen Untersuchung der Industrie- und Handelskammer (IHK) und des Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heuberg, über die die IHK in einer Pressemitteilung berichtet.

Achim Scheerer, Geschäftsführer der Scheerer Logistik in Aichhalden und Vizepräsident der IHK, sagt: „Obwohl das Transportgewerbe derzeit massiv unter dem eingebrochenen Transportvolumen aufgrund der Corona-Pandemie zu kämpfen hat, wird die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene ein zentrales Zukunftsthema bleiben. Erstens haben wir eine ökologische Verantwortung gegenüber künftigen Generationen. Und zweitens werden die Herausforderungen für das Transportgewerbe, wie Fahrermangel, Maut- und Kraftstoffkosten, Kapazitätsengpässe auf der Straße oder politische Rahmenbedingungen, mit Sicherheit nicht weniger. Unsere Untersuchung bietet eine fundierte Grundlage, um den Kombinierten Verkehr in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg und darüber hinaus schrittweise zu stärken.“

Insgesamt verfüge die Region aufgrund ihrer hohen Industriedichte über erhebliche Transportmengen, insbesondere im Sammelgutverkehr. In der Theorie lässt sich daraus nach aktuellen Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) auf Datenbasis des Jahres 2018 ein Verlagerungspotenzial im Umkreis von 30 Kilometern rund um den Referenzpunkt Villingen-Schwenningen von insgesamt rund 180.000 TEU ableiten. Ein TEU entspricht einem international standardisiertem 20-Fuß-Standardcontainer. Für das Jahr 2030 wird ein Verlagerungspotenzial von rund 215.000 TEU prognostiziert – bei einer Erweiterung des Einzugsgebiets auf 50 Kilometer würde sich das Verlagerungspotenzial gar auf 491.000 TEU erhöhen.

Allerdings könnten nicht alle Güterarten ohne weiteres auf die Schiene verlagert werden. Zudem sei der Kombinierte Verkehr bei Distanzen von unter 300 Kilometern kaum wirtschaftlich. Die Auswertung nach Relationen habe ergeben, dass diese Aufkommensmengen national und international stark verteilt sind. Ungeachtet dessen existierten relevante Mengen für neue, paarige Zugverbindungen auf einzelnen Relationen. Dazu gehören beispielsweise der Landkreis Hersfeld-Rotenburg als bundesweit zentrale Logistikdrehscheibe oder Mailand als Industriezentrum in Norditalien. Für die zehn aufkommensstärksten Relationen könnten somit im Jahr 2030 im Umkreis von 50 Kilometern über 16.000 Lkw-Fahrten pro Jahr auf die Schiene verlagert werden.

Langfristig könnte damit zwar ein kleines Umschlagterminal Schiene-Straße und umgekehrt in der Region entstehen. Aber kurz- und mittelfristig böten die Mitverladung bei Unternehmen mit bestehender Gleisanbindung und die verstärkte Nutzung regionaler Verlademöglichkeiten schnellere Erfolge auf pragmatischer Ebene, so die Schlussfolgerungen des Fraunhofer-Instituts.

„Die Mengenanalyse war der erste Schritt,“ erläutert IHK-Verkehrsexperte Martin Schmidt. „Wir werden die Ergebnisse jetzt innerhalb des IHK-Verkehrsausschusses diskutieren und zusammen mit Logistikern und der verladenden Wirtschaft in der Region nach Lösungen suchen, um mehr Güter auf die Schiene zu verlagern. Dazu suchen wir auch das Gespräch mit Schienengüterverkehrsunternehmen und Betreibern im Kombinierten Verkehr.“

Die Ergebnisse im Detail sind auf der Homepage der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg unter www.ihk-sbh.de(Branche Verkehr) abrufbar. Der Regionalverband, der sich an der Untersuchung beteiligt hat, stellt die Ergebnisse im Rahmen seiner Verbandsversammlung am 3. Juli vor.

 

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