REGION (pm) – Aktu­ell berät der Bun­des­tag über die Umset­zung der Euro­päi­schen Pau­schal­rei­se­richt­li­nie. Die­se ent­hält eini­ge Punk­te, die exis­ten­zi­el­le Belas­tun­gen für die regio­na­len Rei­se­un­ter­neh­men mit sich brin­gen kön­nen, ohne dass dem ein ver­gleich­ba­rer Vor­teil für Ver­brau­cher gegen­über­ste­hen wür­de, klagt die IHK in einer Pres­se­mit­tei­lung.

„Unse­re Regi­on ist sehr vom Tou­ris­mus geprägt, Hotels und Rei­se­bü­ros sind ein wich­ti­ger Wirt­schafts­fak­tor“, so Jan Unver­hau, Jus­ti­zi­ar bei der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg.

Das deut­sche Rei­se­recht schützt Ver­brau­cher bereits seit 1987, in dem es Pau­schal­rei­sen­den ermög­licht, sich bei Rei­se­män­geln wegen ihrer Gewähr­leis­tungs­an­sprü­che an ihren Rei­se­ver­an­stal­ter zu wen­den. Dadurch haben sie einen ein­heit­li­chen Ver­ant­wort­li­chen und müs­sen sich nicht mit allen an der Rei­se betei­lig­ten Unter­neh­men um Scha­den­er­satz strei­ten. Um sicher­zu­stel­len, dass der Rei­se­ver­an­stal­ter even­tu­el­le Schä­den auch beglei­chen kann, ist er ver­pflich­tet, eine ent­spre­chen­de Ver­si­che­rung abzu­schlie­ßen.

Die­se Haf­tung soll durch die EU-Richt­li­nie noch wei­ter aus­ge­dehnt wer­den. Künf­tig sol­len auch Rei­se­bü­ros und Hotels haf­ten, wenn sie ent­spre­chen­de Ange­bo­te ver­mit­teln. „Das hal­ten wir als IHK aus meh­re­ren Grün­den für pro­ble­ma­tisch. Die Ver­ant­wor­tung, die ein Rei­se­bü­ro für eine vom ihm ver­mit­tel­te Rei­se trägt, ist nicht mit der eines klas­si­schen Rei­se­ver­an­stal­ters wie etwa Neckar­mann oder Tho­mas Cook ver­gleich­bar“, sagt Jan Unver­hau.

Das Rei­se­bü­ro erbrin­ge für den Kun­den eine Dienst­leis­tung, in dem es ihm mit sei­ner Sach­kun­de dabei hilft, aus der unüber­schau­ba­ren Viel­zahl an Rei­se­an­ge­bo­ten die für ihn pas­sen­den aus­zu­su­chen – es stel­le also aus Anrei­se, Unter­brin­gung und Akti­vi­tä­ten ein indi­vi­du­el­les Paket zusam­men. Außer­dem neh­me es dem Kun­den als Ser­vice die Buchung der ein­zel­nen Rei­se­be­stand­tei­le ab.

Dage­gen sei ein klas­si­scher Rei­se­ver­an­stal­ter tat­säch­lich als Orga­ni­sa­tor tätig. Er ver­hand­le mit Ree­de­rei­en, Flug­li­ni­en, Hotels und ande­ren Tou­ris­tik­un­ter­neh­men Ver­trä­ge aus, die er dann pau­schal als Paket an Kun­den wei­ter­ver­kauft. Auf die Zusam­men­set­zung eines sol­chen Pakets hat der Kun­de dabei nur äußerst begrenzt Ein­fluss. Daher sei es gerecht­fer­tigt, wenn der Ver­an­stal­ter auch Haf­tung für die vom ihm aus­ge­wähl­ten Unter­neh­men über­nimmt.

„Es gibt aber kei­nen Grund, die­se Haf­tung auch einem Hotel auf­zu­ge­ben, das für sei­ne Gäs­te ledig­lich etwa die Buchung eines Ski­pas­ses über­nimmt. Da Hotels und Rei­se­bü­ros also viel weni­ger in die Rei­se­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­bun­den sind, soll­ten sie auch kei­ne mit den Anbie­tern von Pau­schal­rei­sen ver­gleich­ba­re Haf­tung über­neh­men müs­sen“, so der IHK-Jus­ti­zi­ar.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt hän­ge direkt mit die­ser unan­ge­mes­se­nen Haf­tung zusam­men. Wer­de eine sol­che beschlos­sen, müss­ten sich die Rei­se­bü­ros und Hotels gegen ent­spre­chen­de Scha­dens­fäl­le ver­si­chern. Die Prä­mi­en dafür wür­den die ohne­hin schon gerin­gen Mar­gen emp­find­lich belas­ten. Ange­sichts der Kon­kur­renz durch Buchungs­por­ta­le im Inter­net sehen sich spe­zi­ell Rei­se­bü­ros ohne­hin schon enor­men wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen gegen­über. Eine der­ar­ti­ge Zusatz­be­las­tung wür­de nach Aus­sa­ge des Deut­schen Rei­se­Ver­bands für vie­le Rei­se­bü­ros sogar das finan­zi­el­le Aus bedeu­ten.

„Aus die­sem Grund set­zen wir uns als IHK natür­lich dafür ein, eine prak­ti­ka­ble Lösung zu fin­den. Wenn Rei­se­bü­ros künf­tig nur noch unter enor­men Risi­ken Rei­sen indi­vi­du­ell für den Kun­den zusam­men­stel­len kön­nen, wird die­ses Ange­bot weg­fal­len. Dann haben die Kun­den nur noch die Wahl zwi­schen klas­si­schen Pau­schal­rei­sen und dem Auf­wand, sich selbst um alles zu küm­mern. Die pro­fes­sio­nell zusam­men­ge­stell­te Indi­vi­du­al­rei­se wür­de der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren. Damit wür­de das Gesetz auch den Ver­brau­chern einen Bären­dienst erwei­sen“, so Unver­hau.